Frankfurt - Die Sache mit den "Großstadtmädchen" hat in Peru angefangen. „Die Menschen haben mich auf der Straße angesprochen und wollten unbedingt, dass ich Sachen von dort nach Deutschland exportiere“, sagt Caro Hönn, eine dunkelblonde, 26-jährige Frankfurterin, die im März 2008 als Praktikantin in Lima lebte. Von Kathrin Rosendorff

© Foto: Kathrin Rosendorff
Christian und Caro Hönn wissen, was Mädchen lieben, nämlich süße Muster auf dem Täschchen.
„Erst dachten wir daran, so etwas wie Limetten zu exportieren, dann kam mir die Idee mit den Ringelsocken: den bunten für Peru typischen Alpaca-Wollsocken“, erzählt Caro, in der Hand hält sie das „Großstadtmädchen“ – ein von ihr entworfenes rosafarbenes Kosmetiktäschchen.
Sie sitzt in ihrem Frankfurter WG-Zimmer, mit direktem Blick auf den Wochenmarkt der Konstablerwache. Auf der dunkelblauen Couch hat sich mittlerweile ihr 29-jähriger Bruder Christian niedergelassen, der seit einem Jahr auch Geschäftspartner ist. Auf dieser Couch hat das Geschwisterpärchen Nächte lang gesessen und über neue Ideen für das Label „Ringelsuse“ gegrübelt.
„Ich nähe aber nicht selbst, darin bin ich nicht so talentiert“, gibt sie zu. Das übernimmt der 22-jährige Daniel, ein Änderungsschneider in Peru. „Mit Daniel bin ich über den Markt in Lima gelaufen und habe die Stoffe ausgesucht“, erzählt Caro. Dann hat sie ihm auch erklärt, wie die Taschen und Täschchen auszusehen haben und dass über das ‚a‘ bei „Mädchen“ zwei Punkte kommen. Und Daniel besorgt den Export der „Ringelsuse“-Produkte nach Deutschland. Doch um seine Mitarbeit wollen Bruder und Schwester nicht viel Aufhebens machen: Sie wollen nicht, dass die Leute aus Mitleid kaufen: „Ringelsuse“ soll auf keinen Fall in die Schublade „Dritte-Welt-Produkte“ gequetscht werden.
Die Preise sind human, je nach Taschengröße liegen sie zwischen 6,90 und 24,90 Euro. „Unsere Sachen sollten nicht zu billig sein, denn dann wollen die Mädchen sie gar nicht haben. Zu teuer und dadurch nur was für Reiche sollte es aber auch nicht sein“, so Caro. „Von den 3 000 bis 4 000 Täschchen, die wir bestellt haben, sind jetzt nur noch ein paar hundert übrig“, sagt Christian. Für Partner Daniel sei die Arbeit eine Vollzeitbeschäftigung geworden. „Uns reicht die ‚Ringelsuse‘ noch nicht zum Überleben, leider. Aber das ist unser Ziel“, sagt Christian. Als Geschwister – das betonen beide – verstünden sie sich sehr gut, weil sie „total ehrlich“ miteinander sein könnten. Das sei wichtig fürs Geschäft. Ungemütlich werde es nur dann auf der Couch, wenn Christian ungeduldig und Caro jähzornig wird.
Gemeinsam touren sie, wenn sie nicht gerade beim Abendessen neue Ideen entwickeln, mit „Ringelsuse“ im Gepäck durch Deutschlands Großstädte, auf der Suche nach Läden, die ihre Produkte verkaufen wollen. In der Region wird „Ringelsuse“ in sieben Geschäften verkauft, in Frankfurt unter anderem bei „Frauenkluft“ und „Kontrast“, im Hanauer „Streetstyle“ und seit kurzem sogar in Dreieich-Sprendlingen bei „Bianca“. Aber auch in Berlin, Hamburg und selbst in Wien gibt es den „Ringelsuse“-Mädchenkram. Auf die Frage, ob sie nicht einen eigenen Laden betreiben möchten, entgegnet Caro: „Nee, den ganzen Tag im Laden stehen, das ist nicht so mein Ding.“
Eine neue Kollektion ist bei dem sehr guten Absatz schon in Planung, dafür will Caro bald wieder mit Daniel, der, weil das Geschäft so gut läuft, bald Verstärkung bekommen soll, über den Markt in Lima schlendern. Diesmal soll es auch Unterwäsche und Bettwäsche geben: Also noch mehr Mädchenkram…
Alle Produkte und Läden, die „Ringelsuse“ verkaufen, finden sich unter www.ringelsuse.de. Alle Taschen lassen sich auch über die Homepage direkt ordern.
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