Nach Flugzeugunglück: Taxifahrer will Geld für die Fahrt zum Terminal

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Eine Boeing 737-800 (Symbolbild) ist in Guyana bei der Landung in zwei Teile zerbrochen

Georgetown/Guyana - Ein Flugzeug mit 163 Menschen an Bord ist im südamerikanischen Guyana knapp einer Katastrophe entgangen. Für die Fahrt von der Unglücksstelle zum Terminal verlangte ein Taxifahrer von einer Überlebenden Geld.

Offenbar bei Regen sei die Maschine vom Typ Boeing 737-800 der Caribbean Airlines über die rund 2.200 Meter lange Landebahn am internationalen Flughafen Cheddi Jagan hinausgeschossen und nur wenige Meter an einer tiefen Schlucht vorbei gerutscht, sagte der guyanische Präsident Bharrat Jagdeo. Das Flugzeug sei in zwei Teile zerbrochen.

Es habe zwar zahlreiche Verletzte gegeben, aber keine Toten. Rund 100 Personen seien medizinisch versorgt und vier Personen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden, teilte Verkehrsminister Devant Maharaj in Trinidad, dem Sitz von Caribbean Airlines, mit. Die Fluglinie werde ein Team entsenden, um bei den Ermittlungen der Unglücksursache zu helfen, sagte er. Jagdeo sagte, er habe die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB um Hilfe bei den Ermittlungen gebeten. Die Behörden hatten anfänglich Mühe, die Insassen ohne ausreichende Beleuchtung und andere Notfallausrüstung aus der Unglücksmaschine zu holen.

Nach dem Unglück wurde der Flughafen vorübergehend geschlossen, hunderte Passagiere saßen fest und Dutzende Flüge hatten Verspätung.

“Passagiere applaudierten schon“

Unter den Passagieren war auch die 41-jährige Geeta Ramsingh aus Philadelphia. Die Passagiere hätten schon begonnen für die Landung zu applaudieren, als die Schreie begannen, sagte sie. Sie selbst war offenbar nur leicht verletzt worden und hatte Abschürfungen und blaue Flecke an den Knien. Sie sei auf den Flügel gestiegen und dann auf einen Schotterweg außerhalb der Umzäunung der Landebahn gesprungen. “Ich bin wütend darüber, dass niemand kam, um uns in der Dunkelheit zu retten“, sagte sie. Einzig ein Taxifahrer sei erschienen, der von ihr 20 Dollar dafür verlangt habe, um sie zum Terminalgebäude zu fahren. Sie habe bezahlt.

“Aber in Zeiten der Not verlangt man doch kein Geld für eine Fahrt“, sagte Ramsingh, während sie auf einem Stuhl im Ankunftsbereich des Flughafens auf ihre Familie wartete. Es ist in 30 Jahren erst ihr zweiter Besuch in ihrer Heimat. Sie habe gespürt, dass es eine harte Landung gewesen sei, sich zuerst aber nichts dabei gedacht, sagte die 42-jährige Adis Cambridge, die von einer kurzen Reise in die USA zurückkehrte. “Mir wurde klar, dass alles auf mir drauf lag, Menschen und Gepäck. Ich war die vorletzte Person, die in der Dunkelheit aus dem Flugzeug kam“, sagte sie umringt von zwei jungen Kindern, die zum Flughafen gekommen waren, um sie abzuholen.

Suche im Schein der Feuerwehrautos

“Ich schlug mir meinen Kopf an der Decke an. Es war so angsteinflößend“, sagte die Frau und beschrieb, wie sie über den Flügel hinauskletterte. Draußen seien Rettungskräfte mit Taschenlampen gewesen und hätten im Licht der Feuerwehrautos nach Überlebenden gesucht. Nach dem Start in New York legte die Maschine einen Zwischenstopp in Trinidad ein. Nach Angaben der Fluglinie befanden sich 157 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder an Bord. Zuvor war von 140 Passagieren die Rede gewesen. Der Absturz ist der Schlimmste in Guyana in den vergangenen Jahren. Caribbean Airlines ist die größte Fluggesellschaft in der Region, sie führt täglich mindestens fünf Flüge durch.

dapd

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