Sparkassen und Banken unzufrieden mit EU-Vorgabe

Geldhahn für Ältere oft zu

Offenbach/Hanau - Wer einen Immobilienkredit aufnehmen möchte, jedoch bereits Mitte 50 oder älter ist, bekommt von den Banken immer öfter eine klare Absage erteilt. Der Grund: Eine neue EU-Richtlinie. Auch Geldinstitute in der Region sind unzufrieden mit der Regelung. Von Marc Kuhn

Ältere haben nach Angaben des SPD-Finanzexperten Lothar Binding seit einigen Monaten zunehmend Schwierigkeiten, einen Immobilienkredit zu bekommen. Viele Verbraucher fühlten sich diskriminiert und beschwerten sich darüber, „wie Banken teilweise mit Totalverweigerung auf Kreditwünsche speziell älterer Menschen reagieren“, sagte Binding der „Süddeutschen Zeitung“. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die Verbraucher eigentlich vor Überschuldung schützen soll. Geldinstitute aus der Region sehen dies ähnlich und kritisierten die Richtlinie. „Ja, dies können wir als Sparkasse Offenbach bestätigen“, sagte ihr Vorstandsvorsitzender Guido Braun unserer Zeitung.

Michael Dettelbacher, Abteilungsleiter bei der Verbraucherzentrale Hessen, erklärte dagegen: „Wir können aus unserer Beratungspraxis das nicht bestätigen.“ Die Verbraucherschützer kennen die Probleme nach seinen Worten aus den Medien. Dettelbacher verweist darauf, dass die Richtlinie noch jung sei. Deshalb erwartet er, dass das Thema noch bei der Verbraucherzentrale ankommt. Dettelbacher betonte aber: „Es geht viel um Politik.“

„Der deutsche Gesetzgeber ist aus unserer Sicht mit seiner Wohnimmobilienkreditrichtlinie deutlich über die Vorgaben der EU-Richtlinie hinausgegangen“, sagte Braun, Chef der Sparkasse Offenbach. „Das sehen wir als problematisch an.“ Hier gehe der Verbraucherschutz so weit, dass die Entscheidungsfreiheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, beziehungsweise zweier Vertragsparteien, unangemessen eingeschränkt werde. Der Gesetzgeber habe die Voraussetzungen zur Vergabe von Krediten verschärft, erklärte auch die Sparkasse Langen-Seligenstadt. So solle sichergestellt werden, dass der Verbraucher den Kredit über die gesamte Laufzeit zurückzahlen könne. „Dies hat für unser Haus oberste Priorität.“ Die Institute müssten dies dokumentieren. Die Sparkasse Hanau erklärte, durch die Richtlinie stehe bei künftigen Kreditentscheidungen nicht der Wert der Immobilie im Mittelpunkt, sondern die zur Verfügung stehenden liquiden Mittel. „Im Rahmen unserer Kreditvergabe prüfen wir grundsätzlich die langfristige Zahlungsfähigkeit unserer Kunden und nicht nur die Zahlungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Kreditvergabe“, sagte Daniel Zielke, Filialdirektor der Commerzbank in Offenbach. „Damit weisen wir unsere Kunden – auch unabhängig von den Vorgaben der Wohnimmobilienkreditrichtlinie – auf die möglichen Risiken hin, die mit der Aufnahme einer Baufinanzierung verbunden sind.“ Janine Gigler, Filialleiterin der Deutschen Bank in Offenbach, berichtete, eine Altersgrenze für die Darlehensvergabe bestehe nicht. „Jeder Kreditvergabe geht eine sorgfältige Einzelfallprüfung voraus.“

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