Kosmetik reicht nicht

Kommentar: Frischzellenkur für ICE-Flotte

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Die Deutsche Bahn, jahrzehntelang im gemächlichen Monopol-Modus unterwegs, leidet unter Verfolgungswahn. Aktuell sind es vor allem die Fernbusse, die den Konzern zu überholen trachten. Von Christoph Zöllner

Mit Kampfpreisen – und WLAN. Kein Zweifel, die Bahn muss Gas geben, will sie nicht noch mehr Kunden verlieren. Höchste Eisenbahn also, die Aushängeschilder des Fernverkehrs, die ICE-Züge, wieder aufzupolieren. Die Fahrgäste sind es leid, zu schwitzen, zu warten, sich zu ekeln und zu ärgern. Und so kann es nicht schaden, wenn das sogenannte Reset-Programm der Bahn, eine Art erweiterter Frühjahrsputz, die Qualität der Züge steigert. Kosmetik allein reicht freilich nicht. Das größte Bahnproblem, die Pünktlichkeit, kann das Unternehmen nur entscheidend verbessern, wenn noch mehr Geld in Netz, Personal und Fahrzeugflotte – die ICE der vierten Generation sind überfällig – investiert wird. Gefragt ist auch die Politik, die dabei zuschaut, dass die Bahn im Vergleich zu Auto, (Fern-)Bus und Flugzeug immer mehr ins Hintertreffen gerät. Sie muss klären, ob die Rahmenbedingungen für die Verkehrssysteme, gerade in ökologischer Hinsicht, noch fair bemessen sind. Die Konkurrenz von der Straße liefert immerhin indirekt einen Beitrag, dass die Züge der Deutschen Bahn wieder blitzblank und hoffentlich mängelfrei durch die Lande rollen. Das Reset-Programm kann auf dem Weg in die Zukunft aber nur ein Mosaikstein sein. Sonst wird das nichts mit dem Neustart.

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