Abgas-Affäre weitet sich aus

Kommentar: VW-Kunden zweiter Klasse

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Frank Pröse

Volkswagen - in diesem Namen schwingt eine Mitverantwortung der Nation, weil eine kulturelle Verwandtschaft vermutet werden kann. Mit VW verbindet die Deutschen eine Art Schicksalsgemeinschaft und umgekehrt bekennt sich der Autokonzern zu seinen Millionen von Kunden. Von Frank Pröse 

Die könnten daraus sogar eine Frage der Haftung über den Namen konstruieren, der so selbstverständlich bei Opel und seiner Mutter GM sicher nicht formuliert würde. Aber all diese emotionale Aufladung gehört nicht mehr in eine Welt, in der die Behörden bei Abgastests ausgetrickst und die Kundschaft bei den Angaben über Emissionswerte betrogen wird.

Schlimm genug, dass erst die Amerikaner VW auf die Schliche gekommen sind. Schlimmer noch, dass die ertappten Wolfsburger ihre Kundschaft bei der Wiedergutmachung in jene erster und zweiter Klasse einteilen, wobei die Käufer in Deutschland zur zweiten Kategorie zählen. Warum? Weil´s VW kann. Die unterschiedlichen Rechtssysteme in USA und hierzulande ermöglichen es, Kunden in USA einen vierstelligen Schadenersatz zu zahlen, den zweieinhalb Millionen betrogenen Kunden in Deutschland aber den Stinkefinger zu zeigen: Dann klagt doch! Weil es in Deutschland keine Sammelklagen gibt, wäre immer der Einzelne auf sich allein gestellt. Das gegen einen Konzern, der es sich erlauben kann, bis in die letzte Instanz zu gehen. Die Erklärung eines VW-Sprechers ist in dieser Sache eindeutig: „Die Einigung mit den US-Behörden werde in Verfahren außerhalb der USA keine rechtliche Wirkung entfalten.“ That´s it! Für Kunden in Deutschland kein Hinweis auf mögliche Rückkäufe von manipulierten Diesel-Fahrzeugen zum Zeitwert oder eine Entschädigung für Mehrverbrauch oder Leistungseinbußen, was beides zur Imageverbesserung beitragen könnte.

Es bleibt dabei: Aktionäre, also mithaftende Anteilseigner des betrügenden Unternehmens, werden aller Wahrscheinlichkeit entschädigt, die Halter aber gehen leer aus. Daran wird sich nichts ändern, solange die Bundesregierung keine Möglichkeiten für Sammelklagen einräumt. Doch der Widerstand ist groß, was angesichts der in Berlin vertretenen äußerst rührigen Autolobby nicht weiter verwundert. Und VW ist in der Hauptstadt nicht allein, so wie bei der jetzt vom Bundesverkehrsminister erzwungenen Abgas-Nachmessung bei 630 000 Autos. Alexander Dobrindt hatte übrigens zu Beginn der Abgas-Affäre großspurig verkündet: „Ich räume auf und sorge dafür, dass der Schaden behoben wird ... und für betroffene Kunden keine Nachteile entstehen.“ Es wird Zeit, dass den Worten Taten folgen - auch im Sinne von VW.

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