Armin Müller-Stahl geht unter die Sänger

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Armin Müller-Stahl stellt bei seiner Deutschland-Tournee sein Gesangstalent unter Beweis.

Schwerin - Armin Mueller-Stahl ist ein Multitalent als Schauspieler, Maler, und Autor. Sein musikalisches Talent ist bisher weniger bekannt. Nun stellt er es auf einer Tournee bei 14 Konzerten unter Beweis.

“Der singt auch?“ - Den Schauspieler Armin Mueller-Stahl kennt fast jeder, den Maler und Autor Mueller-Stahl kennen viele. Mit seinen musikalischen Ambitionen ist der 80-Jährige wenig an die Öffentlichkeit gegangen. Jetzt lebt er diese Seite aus - mit Liedern, zu denen er vor etwa 45 Jahren in der DDR die Texte schrieb, und mit drei hervorragenden Musikern, darunter seinem Freund und Komponisten Günther Fischer am Flügel und am Saxofon. Zusammen mit Tobias Morgenstern am Akkordeon und Tom Götze am Kontrabass starteten sie am Montagabend in Schwerin eine Deutschland-Tournee.

Die Inszenierung ist perfekt: Vier Herren in dunklen Anzügen, mit schwarzen Hüten vor rotem Samt, Mueller-Stahl lässig auf einem Barhocker in der Mitte. Der 80-Jährige singt anrührende Lieder von Abschied und Heimat, von der verfluchten Mauer. “Heimat ist kein Ort, nur ein Gefühl“, heißt es. Er singt skurrile Liedchen, in denen er sich nach alter Fabel-Tradition auf Tiere, aber auch Dinge beruft. “Menschen waren zu gefährlich zu beschreiben“, sagt er auf der Bühne. Da geht es um den Hut, der einen neuen Kopf möchte, weil ihm der alte zu dumm ist, oder um die Spinne und den Floh und die blaue Kuh, die sich “selbst austrinkt“. Manches möchte man noch einmal hören, um nach einem Hintersinn zu forschen. Dagegen ist bei der “Marie mit der Nase“ und ihrem Mann mit dem großen Ohr der Hinweis auf die Stasi überflüssig.

Mueller-Stahl singt auch gefühlvolle Liebeslieder: “Ist kein Salz mehr in der Träne, ist die Liebe nicht mehr gut.“ Oder den Song über die Briefe einer Frau an den toten Geliebten aus dem Vietnamkrieg. Sein Gesang ist meist ein Sprechgesang, verhalten und unaufgeregt. Er möchte mit den Musikern bewusst “aufzeigen, dass die Kraft des Pianissimo stärker ist als das Fortissimo“, sagt er. Mueller-Stahl streicht die Geige jeweils für kurze Partien, applaudiert seinen Musikern, so nach dem Zwiegespräch von Akkordeon und Kontrabass, oder ganz besonders Fischer am Saxofon nach der Filmmusik von “Solo Sunny“.

Während seine eigenen Texte sehr durch ihre Originalität gewinnen, enttäuscht die Interpretation von “Im Sommer war das Gras so tief“ nach Francois Villon eher. Das hat man schon besser gehört.

Zum Schluss, in beabsichtigter Vergesslichkeit, trägt Mueller-Stahl den Titelsong der Tournee und seines 2010 erschienenen Albums vor “Es gibt Tage...“. “...da bin ich so unversöhnt, da hätte ich am liebsten die Menschen mir abgewöhnt“, bekennt der 80-Jährige.

Das Publikum applaudiert nach dem zweistündigen Auftritt stehend. Das Konzert hat gefallen. Einhellige Begeisterung weckten die Musiker bei den Zuschauern.

Weitere 13 Auftritte sind geplant, unter anderem in Chemnitz, Leipzig, Neubrandenburg, Rostock und Dresden sowie in Hamburg, Stuttgart und Karlsruhe. Die Tournee endet am 18. Oktober in Hannover.

dpa

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