Bauer sucht Freunde: Moor mit neuem Buch

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Der Schauspieler und Moderator Dieter Moor sitzt am 19.09.2012 auf seinem Demeter- Bauernhof in Hirschfelde (Brandenburg) während eines Pressetermins für sein neues Buch mit dem Titel "Lieber einmal mehr als mehrmals weniger - Frisches aus der arschlochfreien Zone" an einer Tafel.

Hirschfelde - Dieter Moor ist nicht nur TV-Moderator, sondern auch Bestsellerautor und erfolgreicher Biobauer. Jetzt hat der RBB-Star („Bauer sucht Kultur“) ein neues Buch geschrieben.

Dieter Moor schätzt die Inszenierung - doch diese ist leicht misslungen: Weit und breit ist kein Wasserbüffel oder Galloway-Rind zu sehen. Dabei hat der ARD-Moderator („ttt - Titel Thesen Temperamente“) extra auf die Weide in Hirschfelde (Barnim) eingeladen, um sein neues Buch vorzustellen. Büffel streicheln fällt als Fotomotiv aus, die Tiere treiben sich woanders herum. Also posiert der Biobauer auf einem roten Traktor.

Er freue sich, dass so viele Gäste aus Berlin ins „feindliche Ausland, nach Brandenburg“ gekommen seien, sagt Moor. Der 54-Jährige mag Ost-West-Klischees, auch wenn Hirschfelde bloß eine halbe Autostunde von Berlin entfernt ist. Dann erzählt Moor, wie es zu der Fortsetzung seines Bestsellers „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht. Geschichten aus der arschlochfreien Zone“ gekommen ist.

Darin beschreibt der Schweizer, wie schön es in der märkischen Provinz sein kann. Vor gut zehn Jahren zogen er und seine Ehefrau Sonja, eine Österreicherin, ins 300-Seelen-Dorf Hirschfelde. Dort betreiben die Moors einen Öko-Bauernhof, züchten Rinder und Büffel. Mit Erfolg: Aus ein paar sind 74 Hektar Land geworden. Der heitere Bericht avancierte zum Bestseller. 400 000 Mal wurde er laut Verlag verkauft. Nun also Teil 2: „Lieber einmal mehr als mehrmals weniger. Frisches aus der arschlochfreien Zone“. Erscheinungstermin ist der 1. Oktober.

Wichtigste Botschaft: Alles hat sich zum Guten gefügt. „Die alpenländischen Aliens, die Moors, sind in die Gemeinschaft der Einheimischen aufgenommen und die anfänglichen Probleme um den Hof gelöst“, steht in der Inhaltsangabe. Es stimmt nicht ganz: In Hirschfelde gibt es Leute, die das prominente Treiben der Moors bekämpfen.

Großen Ärger gab es im vergangenen Jahr um das sogenannte Modelldorf, zu dem Hirschfelde nach Wunsch des zugezogenen Ehepaars werden sollte. Die Idee: Den Ort zu einem Bio-Vorzeigedorf machen, das sich mit dem Verkauf regionaler Produkte quasi selbst versorgt. Serviceangebote wie eine Handwerkervermittlung sollte es geben und mehr Miteinander, etwa auf Dorffesten. Die Werbetrommel rührten die Moors bei jeder Gelegenheit - Hype um Hirschfelde.

„Wir wollen kein MOORdelldorf sein“, beschwerten sich Einwohner daraufhin und gründeten ein Gegenbündnis, das „Bürgerforum Hirschfelde“. Die Moors machten sich dreist im Dorf breit, lautete die Kritik. Befürchtet wurde auch, dass das kleine Nest von Touristenhorden überrollt würde. Medien wurden auf den Streit aufmerksam und berichteten über den „Zoff in der Dorf-Idylle“.

Als das Thema bei der Buchvorstellung zur Sprache kommt, reagieren die Moors angesäuert. Von einigen Leuten werde nur gemosert, meint Sonja Moor. Mehrmals seien die Modelldorf-Pläne im Gemeindesaal vorgestellt worden - und schon dort seien die Kritiker „isoliert“ gewesen, eine Minderheit im Dorf.

Ehemann Dieter beziffert die Zahl der Gegner auf gerade einmal neun, acht davon seien Angereiste aus dem Westen. „Die zähle ich nicht zu den Dorfbewohnern“, sagt der RBB-Moderator („Bauer sucht Kultur“) streng. Dann geht er wieder zu seinem roten Traktor. Es soll noch ein paar schöne Fotos zum neuen Buch geben.

Guido Böhnke vom Bürgerforum spricht von mindestens 50 Hirschfeldern, die gegen die Pläne der Moors seien. Die „wahre Absicht“ des Ehepaars sei doch gewesen, mit dem Modelldorf den eigenen Öko-Betrieb zu promoten. „Die Moors haben viele Sympathisanten und Unterstützer verloren“, sagt Böhnke.

Die Modelldorf-Pläne liegen inzwischen mehr oder weniger auf Eis. Bislang gibt es zu wenig Mitstreiter, die das Projekt der Moors weiterverfolgen wollen. Interessenten sind willkommen - der „Bauplan“ liege vor, sagt Sonja Moor.

dpa

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