So tickt die ESC-Sängerin

Darum hat "Rampensau" Ann Sophie keinen Freund

Berlin - Ann Sophie Dürmeyer geht am 23. Mai beim Eurovision Song Contest für Deutschland ins Rennen. Im Interview spricht sie über Karriere, Kritiker und warum sie keinen festen Freund hat.

Als Kleinkind tanzte sie im Teddybär-Ballett, heute - mit 24 - ist sie ein großer Fan von Beyoncé. Ann Sophie, Deutschlands Vertreterin beim Eurovision Song Contest, bezeichnet sich selbst als „Rampensau“. Wie aber sieht die Sängerin, die am 23. Mai in Wien ein internationales Millionenpublikum überzeugen will, die Welt? Im Interview erzählt die 24-Jährige von Vorbildern und Vorhaben, Kritikern und Karriere, Freunden - und warum sie keinen festen Freund hat.

Professionell tritt die junge Frau auf, die mit vollem Namen Ann Sophie Dürmeyer heißt. Die Frisur sitzt, strahlend weiße Zähne lächeln aus dem knallrot geschminkten Mund. Wasser statt Saft. Erst das Interview, dann ein Salat. Der Hunger muss warten. Ehrgeiz und Disziplin brauchte sie schon als Schauspielschülerin in New York. Nun ist die Hamburgerin zurück in Europa und spricht über...

...Ann Sophie, die Rampensau:

„Meine beste Freundin hat das irgendwie im letzten Jahr zu mir gesagt. Ich meinte: „Wie könnte man mich denn mit einem Wort beschreiben?“ - „Ann Sophie, du bist 'ne Rampensau, so.“ Und ich: „Ja, okay, nehm' ich!“ Und würde bestimmt auch stimmen. Ich motivier' immer ganz gern alle. Bin immer offen und probier neue Sachen aus.“

...ihre Bühnenanfänge:

„Die Rampensau war erstmal ein Rampenferkel, wahrscheinlich. Mama hat mir gesagt neulich: Mit zweieinhalb habe ich Dich schon ins Teddybär-Ballett gebracht in London. Das Singen kam dann verstärkt durch Christina Aguilera.“

...ihre Schulzeit:

„Also da muss ich ehrlich sagen, da hatte ich keine einfache Zeit. Da wurde viel Negatives immer über mich gesagt. Deswegen wollte ich auch irgendwann zeigen, dass ich was kann auf der Bühne. Da war ich noch gar nicht so 'ne Rampensau, da war ich auch immer mehr so für mich. Habe auch Cello gespielt, ich war da im Orchester.“

...ihre Rückkehr aus Amerika:

„Zum einen ist mein Visum ausgelaufen. Da war dann irgendwann auch nicht mehr drin. Aber zum anderen hat mir Deutschland auch echt gefehlt. Ich fühl mich hier sehr gut aufgehoben, ich hab hier meine Freunde. Ich kann die einfach anrufen, ohne eine Woche vorher ein Skype-Date mit denen zu vereinbaren.“

...Familie und Freunde:

„Karriere ist wichtig und es liegt mir auch am Herzen, aber Freunde und Familie sind auch an erster Stelle.“

Darum ist Ann Sophie noch Single

...einen Freund:

„Ja, ich hatte noch nie wirklich einen Freund. Deswegen bin ich wahrscheinlich der größte Single. Es kam einfach noch nicht der Richtige. Ich bin auch nicht jemand, der sich in irgendeine Beziehung 'reinschlaucht, weil er nicht allein sein möchte.“

...den Richtigen:

„Es muss schon jemand sein, wo ich weiß, mit dem kann ich echt viel teilen, und der begeistert mich auch und fasziniert und inspiriert mich. Ich glaube, wenn's kommt, dann kommt's. Und ich glaube, man hat auch immer dafür Zeit. Die nimmt man sich.“

...Erste und Zweite im Vorentscheid:

„Ich kann ja schlecht sagen, Deutschland hat für mich gestimmt. Das war ja nicht so. Die meisten haben ja für Andreas gestimmt. Ich bin jetzt diejenige, die nach Wien fährt. Und dafür bin ich extrem dankbar. Und ich freue mich da riesig drüber. Das ist eine Wahnsinnschance und das wird ein tolles Event. Aber ganz rational gesehen bin ich die Zweite.“

...ihre Unterstützer:

„Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin sehr zufrieden. Ich krieg' von allen Seiten nur positives Feedback. Meine Freunde freuen sich alle extrem, meine Familie. Alle, die ich bis jetzt kennengelernt haben, sind super nett. Es macht Megaspaß.“

So geht Ann Sophie mit Kritik um

...negative Kommentare:

„Manchmal auf meiner Facebook-Seite habe ich irgendwie ein paar gelesen. Aber eigentlich auch nur, weil ich das wirklich interessant finde, welche Leute sich Zeit aus ihrem Leben nehmen, um sowas zu schreiben. Also, ich amüsier mich darüber und denk': Cool, Du hast ja nichts zu tun.“

...Wichtiges und Unwichtiges:

„Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe so viele coole Leute hinter mir, und von deren Meinung halte ich deutlich mehr. Und wenn die mir was sagen, was besser ist, dann werde ich mich daran halten. Aber von Person Z aus Y, kenn ich nicht, ich weiß nicht mal, ob die existiert, ist mir das relativ egal.“

...ihren Hund:

„Ein Boxer. Und die ist so süß! Die wird jetzt bald eins. Und sie ist traurig, glaub' ich, das ich so oft weg bin. Die ist dann bei meinem Vater oder bei meiner Mutter. Die merkt immer ganz genau, wenn ich wieder weggehe. Immer, wenn der Koffer dann im Zimmer liegt, kommt sie erstmal 'rein und setzt sich da erstmal hin. Manchmal legt sie sich auch auf meine Klamotten drauf und kaut dann auf ihrem Kauknochen rum.“

Ann Sophies großes Vorbild

...ihr großes Vorbild:

„Ich habe viel Beyoncé geguckt. Und vom Gucken lernt man nämlich auch. Und was die geil findet, das finde ich auch geil. Und dann versuche ich das auch. Sie macht einfach eine Bombenshow. Und wenn sie da steht, dann steht sie da, und niemand anderes. Und ihre Präsenz ist ein Wahnsinn. Das ist eine Frau, eine wirkliche Frau. Und Du merkst, dass sie mit Herz dabei ist. Und darum geht's auch.“

...ihren Song „Black Smoke“:

„Der Rauch von zwei verbrannten Herzen. Hat nicht mehr geklappt, und die klappten füreinander nicht und dann bleibt nichts mehr übrig als schwarzer Rauch. Das ist eine Emotionssache. Hat mich sofort gepackt, nach der ersten Sekunde. Von der Melodie, und dann ist der Text unfassbar gut, finde ich. Mag ich einfach.“

...Ernst:

„Rampensau bedeutet ja auch nicht, dass ich jetzt die ganze Zeit im Rampenlicht stehen muss. Sondern Rampensau ist eher so, dass man das Leben ein bisschen mit Humor nimmt und nicht alles so ernst sieht. Ich bin nicht so'n Fan davon, wenn alle immer so schrecklich ernst sind. Da gibt es keinen Grund dafür, immer so ernst zu sein.“

...Lachen:

„Klar gab's auch mal andere Phasen. Aber aus diesen Phasen habe ich halt eben mitgenommen, dass es nichts bringt. Sonst stehst Du halt in der Ecke und guckst da rein. Und dann passiert gar nichts. Also immer wieder aufstehen und weitermachen. Und Lachen. Denn Lachen macht gesund.“

Ann Sophies Vita

Ann Sophie Dürmeyer wurde am 1. September 1990 in London geboren und kam später mit ihren Eltern nach Hamburg. In New York machte sie eine zweijährige Schauspielausbildung am Lee Strasberg Theatre and Film Institute. Mit ihrem souligen Popsong „Jump The Gun“ gewann sie im Februar die Wildcard zur Teilnahme am deutschen ESC-Vorentscheid. Dort rückte sie als Zweitplatzierte für Andreas Kümmert nach, der unmittelbar nach seinem Sieg auf einen Auftritt beim Eurovision Song Contest am 23. Mai in Wien verzichtete.

dpa

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