ESC-Designer Florian Wieder

Über ein Prince-Konzert zum Eurovision Song Contest

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Florian Wieder gestaltet die Bühne für den Eurovision Song Contest in Wien.

Wien - Der ESC ist für Florian Wieder trotz immenser Erfahrung als Bühnendesigner eine besondere Herausforderung. Das gilt auch für das Geschehen hinter dem großen „Auge“.

Ein Konzert von Prince in der Münchner Olympiahalle mit großer Bühnenshow war für Florian Wieder das entscheidende Erlebnis. „Seitdem wusste ich, entweder will ich auf der Bühne stehen oder sie zumindest gestalten“, erzählt der 47-Jährige über den künstlerischen Weckruf. Er studierte Musik in den USA, war Gitarrist, belegte an der Münchner Kunstakademie die Kurse zum Bühnenbild - und war später oft zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten am richtigen Ort, wie er bekennt. Sei es in der Anfangszeit des Privat-TV, als er das Erscheinungsbild von Pro7 (heute: ProSieben) mitentwickelte, oder als der Kontakt mit dem britischen Castingshow-Experten Simon Cowell ihm Wege öffnete.

Florian Wieder ist so etwas wie der deutsche „Mr. Show“ - mit zwei Büros und 50 Mitarbeitern in München und Los Angeles. Er und sein Team haben in den vergangenen 25 Jahren viele hundert Auftritte der ganz Großen künstlerisch gestaltet. Auf „seinen“ Bühnen standen Robbie Williams, U2, Beyoncé und Jennifer Lopez. Für 20 MTV-Awards hat er das Set entworfen, TV-Shows wie „Wetten, dass..?“ hat er ins rechte Licht gesetzt. Der diesjährige Höhepunkt: Der Eurovision Song Contest (ESC) im Mai in Wien.

Rund 200 Millionen Menschen werden dann sehen, was sich Wieder diesmal für eine künstlerisches Konzept ausgedacht hat. „Es ist eine besondere Herausforderung wegen der vielen Teilnehmer“, sagt Wieder mit Blick auf die 40 Nationen. „Die Umbauzeit zwischen den einzelnen Acts beträgt 45 Sekunden“, erzählt er. Hinter der Bühne müssen auf rollenden Plattformen die Instrumente und Requisiten für jeden Interpreten bereitgehalten werden. Die Szenerie in den Kulissen der Wiener Stadthalle werde einem Rangierbahnhof ähneln.

Zum dritten Mal ESC

Den ESC gestaltet Wieder nun zum dritten Mal, nach Deutschland (2011) und Aserbaidschan (2012). Die Stadthalle in Wien, in den 1950er Jahren gebaut, sei ein „sehr anspruchsvoller Standort“, aber auf alle Fälle besser als die Hallen in den Mitbewerber-Städten Graz und Innsbruck, sagt der Spezialist für Effekte.

Die Bühne selbst ist umrahmt von einem 44 Meter breiten, 14 Meter hohen und 22 Meter tiefen „Auge“ aus fast 1300 einzelnen Licht-Röhren. Die Optik solle das auf Gemeinsamkeit ausgerichtete diesjährige ESC-Motto „Building Bridges“ unterstreichen, meint Wieder. Seine Sorge als künstlerischer Leiter gilt dabei weniger einem Versagen der Elektronik als Problemen bei den mechanischen Teilen. Die beiden riesigen LED-Wände im Bühnen-Hintergrund müssen von Motoren wie Schiebetüren hin und her bewegt werden.

Wieder über die besondere Herausforderung

„Bei den MTV Video Music Awards vor zwei Jahren sollte sich eine große Skulptur nach jedem Künstler drehen - aber nach Lady Gaga ließ sie sich nicht mehr bewegen“, erinnert sich Wieder an einen für ihn dunklen Moment, den die Zuschauer aber gar nicht mitbekommen hätten.

Hauptaufgabe seines Teams aus 15 Kreativen bis zum ESC sei der „Show-Look“ der LED-Wände zu den Songs, sagt Wieder. Die Nationen hätten ein Vorschlagsrecht, welche optische Inszenierung die Wirkung der Lieder erhöhen könne. Nicht alle machen davon Gebrauch. „Es gibt perfekt ausgearbeitete Konzepte, die wir praktisch nur noch umsetzen müssen. Es gibt aber auch Nationen ohne Idee oder mit nur kargen Vorschlägen.“ Im Sinne der Show und der Fairness mache sich das Kreativteam aber in jedem Fall viel Mühe mit dem Bild zum Lied. Eine besondere Herausforderung: „Was machen Sie, wenn es viermal um das Thema Feuer geht?“

dpa

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