Lena und der Grand-Prix

Locker bleiben!

Lena Meyer-Landrut wird den Grand-Prix – wie wir den Eurovision Song Contest aus nostalgischer Verklärtheit immer noch nennen dürfen – wohl nicht gewinnen. Ihr „Satellite“ braucht ein paar Wiederholungen, um in die Ohrwurm-Umlaufbahn zu gelangen: Ein kurzer Auftritt könnte nicht reichen, um auch die letzten Ukrainer und Slowenen zu überzeugen. Von Martin Krigar

Trotzdem hat das 19-jährige Nachwuchssternchen (mehr ist sie noch nicht) schon gewonnen. Sie hat erreicht, dass deutsche Fans den Spaß am Grand-Prix wiederentdeckten. Millionen Fernsehzuschauer werden an diesem Samstag bangen, ob und von wem es zwölf Punkte gibt. (Österreich macht ja zum Glück nicht mehr mit…)

Die TV-Nation befindet sich in positiver Erwartungshaltung, ohne Zwang und Verkrampftheit. So viel lockere Fröhlichkeit gab es zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt, bei einem gewissen Guildo Horn. Auch er hat damals, rein wettbewerbsmäßig, nicht gewonnen. Aber auch er war ein wahrer Sieger, ein wunderbares, selbstironisches Aushängeschild. Auf ein Neues: Die Fans feiern und haben sich lieb.

Lenas Grand-Prix-Auftritt ist ein Triumph für den Pro-Sieben-Star Stefan Raab und für die ARD. Der öffentlich-rechtliche Sender mit Oma-Image wagte den Schulterschluss mit dem Privatsender und wurde mit einem Image-Gewinn an Jugendlichkeit belohnt. Der Entertainer Raab wiederum erfand ein erstaunlich ernsthaftes, qualifiziertes TV-Event. Was Raab anfasst, wird zurzeit unweigerlich zum Erfolg, sogar als Gegenentwurf zur RTL-„Bild“-Bohlen-Masche.

Und das ist vielleicht der erfreulichste Aspekt an Lenas Erfolg: Sie hat‘s ohne „Bild“ und RTL geschafft, sogar gegen deren anfänglichen Widerstand. Sie verweigert sich der totalen Medienöffnung. Ihr Privatleben bleibt weitestgehend privat. Wir müssen uns schon mit der Meldung über Opa zufrieden geben, der einst für Richard von Weizsäcker das Bundespräsidialamt leitete.

Dass die Enkelin nicht nur nett, sondern auch eine Zicke sein kann, soll uns nicht stören. Sie ist gerade erst 19. Wir müssen sie auch nicht gleich zur „musikalischen Integrationsbeauftragten einer zerfallenden Gesellschaft“ überhöhen, wie dies gestern im überregionalen Feuilleton geschah.

Am Ende singt Lena einfach und tanzt etwas ungewöhnlich. Reicht doch! Wir wünschen einen schönen, lockeren Abend in Oslo.

@ leserbriefe@op-online.de

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