Mick Jagger als Star des Fotofestivals in Arles

Mick Jagger in Aktion.

Arles - Das südfranzösische Arles verwandelt sich in den Sommerwochen mit 60 Ausstellungen zum Mekka der zeitgenössischen Fotografie. Eine davon ist dem Rockstar Mick Jagger gewidmet.

Es gibt drei Gründe, im Sommer einen Abstecher nach Arles zu machen: der Reichtum antiker und romanischer Überreste, Stierkämpfe und das internationale Fotofestival. Dieses Jahr kommt noch ein vierter hinzu: Mick Jagger. Die Ausstellung, die dem Rolling-Stones-Sänger im Rahmen des 41. Internationalen Fotofestivals gewidmet wird, ist eine der größten weltweit und zeigt ausschließlich Porträts. Jagger als Dandy, Sexsymbol, aber auch als alternder Rockstar - Bilder, die keine subkulturellen Glamour- oder Fanfotos sind, sondern einzigartige Kunstporträts großer Fotografen wie Peter Lindbergh, Annie Leibovitz und Karl Lagerfeld. Eine Ausstellung zwischen Anspruch und Klischee. Mick Jagger gehört zu den meist porträtierten Musikern. In seiner Karriere stand er den bedeutendsten Fotografen der Welt Modell. Jagger ist fotogen bis in die Zehenspitzen und posiert wie kein anderer: Fast nackt für David Montgomery, satyrgleich für Anton Corbijn, im Pelzmantel für Karl Lagerfeld und einfach nur schön auf dem Porträt von Cecil Beaton. Für Beaton war Schönheit das wichtigste Wort im Wörterbuch.

Die Faszination, die die androgyne Figur Jaggers auf ihn ausübte, beschrieb der fanatische Ästhet folgendermaßen: “Maskulin und feminin, schön und hässlich, er wird für mich immer das Bild der verbotenen Leidenschaft bleiben.“ Die mehr als 70 Porträts wurden zwar von 67 Fotografen geschossen, doch bringt jedes von ihnen das zum Ausdruck, was das Idol zu einem Mythos machte: seine natürliche Sinnlichkeit. Die Porträts des Musikers sind in der Kirche der Trinitarier ausgestellt. Ein mehr als nur symbolhafter Ort für einen Sänger, dessen Leben für Sex, Drugs und Rock'n' Roll steht. Die Jagger-Ausstellung gehört auf “Les Rencontres d'Arles“ wie das jährliche Festival heißt, zur leichten Kost und dient als Aushängeschild für das breite Publikum.

Denn wie der Titel der 41. Veranstaltung, “Von schwer bis scharf“ (bis 19. September) besagt, gehören zu dem Programm auch Ausstellungen, die Gewalt, Elend, Hunger und Krieg zum Thema haben. So zeigt “Walk on my Eyes“ des 1970 in Amsterdam geborenen und in Italien aufgewachsenen Fotografen Paolo Woods Fotos aus dem Iran, die vor und nach den Wahlen des Präsidenten Mahmud Ahmadineschad aufgenommen wurden. Bilder von Toten und Verletzten blutiger Massendemonstration, aber auch Bilder aus dem Familienalltag, die ein Iran zwischen Modernität und Tradition darstellen. Zu der Mischung aus Reportage und Kunstfotografie gehören auch die Ausstellungen von Lea Golda Holterman. Unter dem Titel “Orthodox Eros“ zeigt die israelische Fotografin Bilder, die den Dialog zwischen Erotik und Religion widerspiegeln. Die Porträts sind intime, sinnliche Momentaufnahmen orthodoxer, zum Teil nur leicht bekleideter junger Männer. Von beeindruckender Ästhetik ist auch die Arbeit des Österreichers Ernst Haas. Seine Aufnahmen stellen Impressionen und Reflexionen einer Großstadt dar.

dpa

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