Nach Negativ-Rezension: Rapper schlägt Journalisten k.o.

Berlin - Dieser Fall sorgt in der HipHop-Szene für Aufsehen: Ein Berliner Rapper hat einen Musikjournalisten nach einem negativen Text k.o. geschlagen.

Auslöser war eine negative Rezension auf dem Fachportal rap.de: Deren Chefredakteur Marcus Staiger hatte sich das neue Album von Blokkmonsta & Rako zur Brust genommen. Die Platte "Wir bringen das Drama" sei "fast unhörbar", schreibt Staiger. Sein Fazit: "So richtig geil ist das alles nicht, aber ich musste dann doch öfter mal lachen. Ob diese Wirkung allerdings beabsichtigt ist, weiß ich nicht und anstrengend war das Durchhören übrigens auch. Sehr anstrengend!"

Diese Plattenkritik brachte Blokkmonsta auf die Palme und löste einen Streit aus, der wohl seinesgleichen sucht und in einem K.O.-Schlag von Blokkmonsta gegenüber Staiger gipfelte.

In einem offiziellen Statement bestätigt der Künstler den Vorfall und erklärt, wie es dazu kam. "Negative Kritik stört mich an sich nicht. Aber was mich gestört hat war der Ton der Review. Ich wurde in dem Text als kompletter musikalischer Totalversager hingestellt, der höchstens noch unfreiwillig komisch ist. Ich hatte den Eindruck, es ging ihm nicht darum, das Album zu besprechen, sondern mich als Idioten abzustempeln."

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Der Rapper stellte den Journalisten zur Rede - zunächst am Telefon. Dabei fühlte er sich nicht ernst genommen. "Staiger meinte nur, das sei eine normale Review." Zudem habe er ihn ausgelacht. Also fuhr er mit einigen Musiker-Kollegen zur Chefredaktion nach Kreuzberg, um den Rezensenten persönlich zur Rede zu stellen.

Mehrere HipHopper standen also vor der rap.de-Zentrale und diskutierten mit deren Chefredakteur. Als ein Journalistenkollege hinzukam, eskalierte die Situation. Blokkmonsta: "Ich wollte den Typ wieder ins Gebäude schieben, als ich ihn anfasste, schubste Staiger mich weg, daraufhin hab ihm aus Reflex einen Schlag verpasst. Staiger ging zu Boden und war k.o. Das war nix mit Mit-sechs-Mann-bei-rap.de-einreiten-und-Staiger-verprügeln, wie jetzt überall gesagt wird. Das war ein Schlag, sonst hat ihm keiner was getan."

Die Sache sei inzwischen telefonisch ausgeräumt, sagt Blokkmonsta, der gleichzeitg bekräftigt: "Ich sch*** doch auf negative Kritik, das ist nicht das Problem, aber ich finde es behindert, wenn Staiger, der ansonsten cool zu mir ist, mich öffentlich als Trottel hinstellen will. Staiger wollte das irgendwie nicht einsehen."

Staiger selbst will von einer Anzeige absehen und sagt in einem Statement: "Wir haben in unserer Review niemanden beleidigt oder verletzt. Wir haben niemanden beschimpft oder gedemütigt. Was wir gemacht haben ist, dass wir uns über gewisse Dinge lustig gemacht haben, die allerdings ohnehin schon vollkommen übertrieben waren. Ich denke, dass wir als freie Presse ein Recht darauf haben, Satire einzusetzen und über gewisse Dinge Witze zu machen. Damit muss jeder klar kommen, der sein Werk einer gewissen Öffentlichkeit zur Schau stellt, genau so, wie ich mit den Reaktionen auf die von mir betreute Seite klar kommen muss. Das nehme ich ja auch mit Humor."

al/pm

Rubriklistenbild: © dpa

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