Ralph Siegel: "Nicht mal ABBA hätte das gewagt"

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Ralph Siegel (l.) amüsiert sich mit dem Ehepaar Drews am Dienstag auf dem Münchner Oktoberfest

Berlin - Im Interview spricht Ralph Siegel über seinen 65. Geburtstag, seine lange Karriere - und das Vorhaben von Lena, beim Grand Prix gleich wieder anzutreten.

Der Komponist und Musikproduzent Ralph Siegel feiert am Donnerstag (30. September) seinen 65. Geburtstag und sein 50. Berufsjubiläum. Er schrieb unter anderem Songs für bekannte Sänger wie Udo Jürgens, Mary Roos, Heino, Rex Gildo, Costa Cordalis und Mireille Mathieu. 1974 gründete er seine eigene Plattenfirma Jupiter-Records und nahm zum ersten Mal mit einem Titel am Finale des Eurovision Song Contest teil. In den vergangenen Jahren schrieb 19 Titel für den Wettbewerb, 1982 den Siegersong “Ein bisschen Frieden“ für Nicole. 

dapd-Korrespondent Axel Schock sprach mit Siegel über dessen Musicalprojekt, die Grand-Prix-Gewinnerin Lena und das Geburtstagsgeschenk an seine Fans.

Dass Sie sich mit 65 in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen, kann man sich bei Ihnen nicht vorstellen. Werden Sie dennoch, zumal nach Ihrer überstandenen Krebserkrankung, für Ihren nun beginnenden Lebensabschnitt andere Schwerpunkte setzen?

Siegel: Selbstverständlich sollte man die Welt mit 65 Jahren auf dem Buckel ein bisschen anders betrachten als mit 30. Das liegt allein schon an der Erfahrung, die ich inzwischen auf allen Gebieten des Lebens gemacht habe, und so setzt man natürlich Prioritäten in beruflicher wie in privater Hinsicht. Pläne habe ich aber viele und gesetzte Ziele erst recht - möge der liebe Gott mir dabei helfen!

Sie haben sich mit Ihrer CD-Box “Lebenswerk eines Komponisten (Teil 1)“ selbst ein Geburtstagsgeschenk gemacht. Nach welchen Kriterien haben Sie dafür die Lieder aus Ihren über 2000 veröffentlichten Kompositionen ausgewählt?

Siegel: Es sind 14 CDs und eine DVD, mit über 100 Chartserfolgen und weiteren hundert Liedern, die mir sehr am Herzen liegen und eben teilweise nie die Hörer oder Käufer erreichen konnten: heimliche Lieblingslieder, lustige Lieder, Weihnachts- und christliche Lieder sowie internationale Songs aus meiner Feder, die mit Sicherheit vielen Menschen auch ein bisschen über mein Gesamtschaffen und die Vielfalt meiner Arbeit als Komponist die Augen und Ohren öffnen werden - das wünsche ich mir auf jeden Fall. Besonders aber auch die DVD “The Exclusiv Collection - Mr. Grand Prix” mit fast allen Eurovision-Liedern dürfte für die Fans eine große Freude werden.

Seit zwei Jahrzehnten bereits arbeiten Sie an Ihrem Musicalprojekt “Clowntown“. Ist dies zu Ihrer neuen Herausforderung geworden?

Siegel: Ich habe immer wieder daran weitergearbeitet, manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. Ich freue mich, dass wir am 17. und 18. Oktober wieder ein “Reading”, eine Demonstrations-Aufführung mit rund 30 Mitwirkenden, in New York haben. Hier könnte sich entscheiden, ob wir nach 25 Jahren doch endlich den Sprung auf den “großen Broadway” schaffen! Meine Frau Kriemhild hat übrigens gemeinsam mit mir und dem amerikanischen Autor, Doug Cooney, das neue Buch geschrieben. Die Musik wurde von mir immer wieder umgearbeitet und neu komponiert - man darf eben nie aufgeben.

Sie waren als Komponist 19 Mal mit Liedern im Finale- bzw. Halbfinale des Eurovision Song Contest dabei. Zehnmal schafften Sie es in die Top Ten der Endwertung. Macht dieser Wettbewerb süchtig?

Siegel: Eine gewisse Sehnsucht, immer wieder an diesem Wettbewerb teilzunehmen und damit ein Lied einer halben Milliarde Menschen vorstellen zu können, kann ich nicht verleugnen. Es ist für einen Komponisten eine der wenigen Möglichkeiten ein Lied, das man meist allein an seinem Klavier geschrieben hat, der ganzen Welt vorzutragen. Wenn man dann auch noch ganz vorne liegt, weil Europa dich wählt, und das gelang mir ja oft genug, macht das sehr glücklich und bestätigt auch deine Arbeit.

Lena will bekanntlich beim nächsten Eurovision Song Contest ihren Siegertitel verteidigen. ätten Sie seinerzeit Nicole von einem solchen Vorhaben abgeraten?

Siegel: Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, sondern habe als Komponist im nächsten Jahr sogar ausgesetzt, um den anderen eine Chance zu lassen. Außerdem hätte ich Nicole davon abgeraten, denn nicht mal Abba hätte dies gewagt. Selbst der gute Johnny Logan wartete nach seinem ersten Sieg jahrelang und trat auf Wunsch der irischen Bevölkerung noch einmal an. Er gewann mit “Hold me now” vor “Lass die Sonne in dein Herz”, genau wie 1980, als er “Theater” auf den zweiten Platz verwies. Er ist eben der einzige, der das mit Glück und Können geschafft hat, und im Übrigen ein großer Sänger!

Wie werden Sie Ihren Geburtstag verbringen?

Siegel: Einen Tag vor meinem Geburtstag feiere ich mit Freunden und Lebensbegleitern mein 50-jähriges Komponistenjubiläum, auf das ich mich unendlich freue. Es werden sicher ein paar sehr nostalgische und in der Vergangenheit schwelgende Stunden, die ich auch mit Menschen verbringen möchte, mit denen ich jetzt und in der Zukunft arbeiten will. Einige ältere Künstler, die ich eingeladen habe und gerne gesehen hätte, sind leider bei einer Aufzeichnung der ZDF-Silvester-Show. Das aber zeigt immerhin, dass sie noch gefragt sind, und das macht mich stolz und tröstet mich. Um Mitternacht feiern wir dann in meinen Geburtstag hinein. Da freue ich mich besonders, meine Freunde und meine Familie in die Arme zu nehmen zu können - und ganz besonders meine Kriemhild!

Interview: Axel Schock, dapd

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