Im Alter von 88 Jahren

"Ekel Alfred"-Erfinder Menge ist tot

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TV-Autor Wolfgang Menge (88) ist tot

Berlin - Der TV-Autor Wolfgang Menge ist tot. Das sagte ein Sprecher der Familie am Donnerstag. Der Erfinder der Figur "Ekel Alfred"  und der Sendung "Das Millionenspiel" starb im Alter von 88 Jahren.

Der Film- und Fernsehautor Wolfgang Menge ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 88 Jahren im Kreis seiner Familie in einem Berliner Krankenhaus, wie ein Sprecher der Familie am Donnerstag sagte.

Der am 10. April 1924 in Berlin geborene Sohn eines Studienrats erregte erstmals 1970 mit dem visionären Spektakel „Das Millionenspiel“ Aufsehen. Darin geht es um eine fiktive Spielshow, in der ein Kandidat (Jörg Pleva) eine Million Mark gewinnen kann, wenn er eine Hetzjagd von Killern überlebt. In seinem Dokumentarspiel „Smog“ stellte er bereits 1973 die Folgen einer Umweltkatastrophe dar.

Menge erfand "Ekel Alfred" und schrieb "Tatort"-Krimis

Menge hatte ein ungewöhnlich breites thematisches Spektrum. Er schrieb Geschichten über den Alltag im Preußen des 18. Jahrhunderts ebenso über eine Flugzeugentführung, den Versuch, eine deutsche Atombombe zu bauen, den Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin oder auch von der „tödlichen Liebe“ des Politikerpaares Petra Kelly und Gert Bastian.

Auch eine Reihe von "Tatort"-Krimis stammen aus seiner Feder. Das breite Fernsehpublikum begeisterte Menge mit TV-Serien wie „Ein Herz und eine Seele“ (25 Folgen zwischen 1973 und 1976) mit der von ihm erfundenen Figur „Ekel Alfred“ - gespielt von Heinz Schubert. An der Seite des reaktionären Familienoberhaupts trat als Ehefrau Elisabeth Wiedemann auf, die Tochter spielte Hildegard Krekel und den Schwiegersohn Diether Krebs.

2002 war Menge für sein Lebenswerk geehrt worden

Menge erfand auch die Figur des Zollfahnders Kressin nach dem Muster von James Bond. Für heftige Kontroversen sorgte 1993 seine Satire-Serie „Motzki“ über einen Berliner Frührentner.

Geprägt wurde der in Berlin geborene Autor von seinem Familienschicksal. Die Nazis ermordeten alle Angehörigen seiner jüdischen Mutter. Nach dem Krieg wurde er Reporter beim German News Service, dem Vorläufer der Deutschen Presse-Agentur dpa. 1949 ging er zum „Hamburger Abendblatt“. Als Korrespondent für „Die „Welt“ berichtete er ab 1954 aus Tokio und Hongkong über Ostasien.

Als Moderator der von ihm mitbegründeten Bremer Talkshow „III nach 9“ gelang es ihm, Unterhaltung und Journalismus zu verbinden. 2002 erhielt Menge den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk. Der gebürtige Berliner hinterlässt eine Frau und drei Söhne.

Um Menge zu Gedenken ändert die ARD am Samstag ihr Programm.

„Mit der Serie "Ein Herz und eine Seele" und dem legendären TV-Nörgler "Ekel Alfred" hat er der deutschen Gesellschaft in den 70er Jahren einen Spiegel vorgehalten, in dem sie sich selbst erkennen und zugleich über sich lachen konnte“, sagte Programmdirektor Volker Herres am Donnerstag. Deshalb wiederholt die ARD am Samstag zwei Folgen von „Ein Herz und eine Seele“: Um 12.03 Uhr den „Besuch aus der Ostzone“, um 12.50 Uhr „Schlusswort“.

dpa/dapd

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