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Affenpocken: Kurz vor Rock am Ring warnt WHO vor Superspreader-Festivals – „Das Potenzial ist hoch“

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Von: Patrick Mayer

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Gibt nach zwei Jahren Corona sein Comeback: „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring in der Eifel.
Gibt nach zwei Jahren Corona sein Comeback: „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring in der Eifel. © IMAGO / POP-EYE

Die Affenpocken-Fälle in Deutschland werden mehr. Vor den Sommerfestivals wie Rock am Ring warnt die WHO vor der Ansteckungsgefahr bei großen Feiern.

München/Nürburg - Deutschland erholte sich gerade erst von der Coronavirus-Pandemie und ihren massiven Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben, da machte sich Mitte Mai diese Nachricht breit: In München ist ein erster Fall der sogenannten Affenpocken festgestellt worden. Kollektives Zusammenzucken war zu vernehmen. Doch schnell gab der Chef-Mahner aus Corona-Krisenzeiten Entwarnung: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erwartet keine neue Pandemie.

Affenpocken in Deutschland: Infektionen mit dem Virus nehmen überschaubar zu

Auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) stellte wegen der Übertragung von Affenpocken kein größeres Risiko für einen möglichen Massenausbruch fest. 100 Millionen Dosen Pockenimpfstoff habe der Bund eingelagert, der Impfstoff wirke auch gegen Affenpocken, erklärte Hoch der Rhein-Zeitung.

Deutschland wäre gut auf gehäufte Infektionen vorbereitet, meinte er weiter. Am späten Dienstagabend (31. Mai) waren 33 Affenpocken-Fälle in Deutschland bekannt. Betroffene gab es in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Die Anzahl stieg im Verlauf des Mittwochs (1. Juni) auf 44. Unter anderem wurde eine erste Infektion mit dem Affenpockenvirus in Niedersachsen festgestellt sowie eine zweite in Hamburg.

Infektionen mit dem Affenpockenvirus: Was Symptome sind - und wie hoch die Ansteckungsgefahr ist

Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI), Stand 27. Mai 2022

Affenpocken in Deutschland: Infektionen und Erkrankungen verlaufen in der Regel mild

Zur Einordnung: Dass die Affenpocken allgemein lebensbedrohlich sein könnten, ist nach den ersten Fällen in Deutschland bislang nicht bekannt.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) aus Berlin erklärt in einer wissenschaftlichen Stellungnahme vom 27. Mai 2022 zu den Krankheitsverläufen: „Im Gegensatz zu den seit 1980 ausgerotteten Menschenpocken (Variola) verlaufen Affenpocken in der Regel deutlich milder; die meisten Menschen erholen sich innerhalb von mehreren Wochen. Insgesamt ist die Prognose daher als günstig zu bewerten, allerdings können bei einigen Betroffenen auch schwere Verläufe auftreten.“

Erste Symptome der Krankheit seien Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und/oder geschwollene Lymphknoten. „Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber entwickeln sich Hautveränderungen, welche simultan die Stadien vom Fleck bis zur Pustel durchlaufen und letztlich verkrusten und abfallen. Der Ausschlag konzentriert sich in der Regel auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen“, erklärt das RKI zu den Symptomen weiter. Und wie verhält es sich mit den Ansteckungen?

Im Video: Affenpocken - Wissenswertes zur Virus-Erkrankung

Das RKI beschreibt in einem Frage-und-Antwort-Katalog auf seiner Website: „Übertragungen von Mensch-zu-Mensch sind nach aktuellen Erkenntnissen selten, aber möglich, vor allem bei engem Kontakt.“ Genau an diesem Punkt kommt die anstehende Festival-Saison in Deutschland und in Europa ins Spiel. Schließlich holen Veranstalter und Fans nun auf einen Schlag alles nach, was sie zwei Jahre lang wegen Corona verpasst haben.

Affenpocken in Deutschland: WHO warnt vor Ansteckungen bei Festivals wie „Rock am Ring“

Der erste große Höhepunkt: Am Pfingstwochenende steigt von Freitag, 3. Juni, bis Sonntag, 5. Juni, „Rock am Ring“ auf dem Nürburgring in der Eifel. Das Musikfestival vermeldete schon Anfang der Woche mit 90.000 verkauften Tickets einen neuen Besucherrekord - lange bevor die erste Band die Bühne betrat. Just zum Start der Konzertsaison hat das Europabüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) indes eine Warnung ausgegeben. Die WHO warnt demnach vor einer weiteren Verbreitung der Affenpocken bei Festivals und großen Feiern.

„Das Potenzial für eine weitere Übertragung in Europa und anderswo im Sommer ist hoch“, erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge. Die Festivals böten seiner Ansicht nach aber auch die Möglichkeit, um bei jungen Menschen das Bewusstsein für die Krankheit zu steigern und das Schutzverhalten zu stärken. (pm)

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