Alkoholfahrt: Was wird aus Bischöfin Käßmann?

Hannover - Nach einer nächtlichen Krisenberatung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird am Mittwoch Klarheit über die Zukunft von Bischöfin Margot Käßmann erwartet.

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Bischöfin Käßmann fuhr mit 1,54 Promille

Die EKD-Chefin war am Samstagabend mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Sie hatte zuvor im Zentrum von Hannover eine rote Ampel missachtet. Zur Bewertung der Trunkenheitsfahrt hatte der Rat der EKD sich in einer Telefonkonferenz beraten wollen. Käßmann hatte die Fahrt zutiefst bedauert und erklärt, sich den rechtlichen Konsequenzen zu stellen. Neben der EKD muss sich auch die hannoversche Landeskirche mit dem Verkehrsvergehen ihrer Bischöfin auseinandersetzen. Je nach dem, für wie schwerwiegend und belastend die kirchlichen Spitzengremien den Vorfall halten, wird Käßmann selbst reagieren können.

Einen Rücktritt hatte sie bereits 2007 nach ihrer Ehescheidung erwogen, war wegen des klaren und großen Rückhalts aus der Landeskirche aber im Amt geblieben. Für den Fall eines Rückzuges von der EKD-Spitze stünde Käßmanns Stellvertreter, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider bereit. Formell droht der Bischöfin als kircheninterne Konsequenz allerdings nur eine Rüge. Für das weitere Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ist unterdessen die Stellungnahme von Käßmanns Verteidiger von Bedeutung.

Klarheit gibt es möglicherweise auch zu den Umständen von Käßmanns Alkoholfahrt. Ob sie dienstlich oder privat unterwegs war, und warum sie niemand von der Fahrt abhielt, ist noch nicht bekannt. Zumeist lenkt ein Chauffeur den Dienstwagen von Käßmann. Am Dienstagabend hatte sich erstmals ein führendes EKD-Mitglied zu der Trunkenheitsfahrt öffentlich geäußert. “Das ist nicht akzeptabel, dass man mit 1,5 Promille Auto fährt“, sagte die Präses der EKD- Synode und Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt in der ARD- “Tagesschau“. Sie wisse aus persönlichen Gesprächen mit Käßmann, dass diese über ihr Fehlverhalten selbst am meisten betroffen sei. “Und deswegen respektiere ich, dass sie sich jetzt zurückzieht für eine Zeit.“

Käßmann hat in dieser Woche sämtliche Termine abgesagt. Göring-Eckardt betonte, sie schätze wie viele andere auch die Arbeit Käßmanns als EKD-Ratsvorsitzende “außerordentlich“. Als Präses der Synode, des EKD-Kirchenparlaments, steht Göring-Eckhardt an der Spitze einer der wichtigsten EKD-Gremien. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hofft, dass Bischöfe und Landeskirche der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann nach ihrer Alkoholfahrt Rückendeckung geben. “Ich hoffe, dass die Gläubigen der Landeskirche Niedersachsen und die Bischofskollegen der EKD zu Frau Käßmann stehen und sie stützen. Dann wird sie auch diesen groben Fehler heil überstehen“, sagte Thierse den “Stuttgarter Nachrichten“ und der “Kölnischen Rundschau“ (Mittwoch). Geistliche seien auch nur Menschen, die Heiligkeit der Kirche beziehe

 sich nicht auf die Heiligkeit der Amtsträger. “Frau Käßmann genießt durch ihre öffentlichen Bekenntnisse zu ihrer Scheidung und Krebserkrankung einen großen Sympathievorsprung. Ich glaube nicht, dass dieser Vorsprung nun aufgebraucht ist“, sagte Thierse weiter. Er bedauerte eine verbreitete Häme als Grundton der politischen Kommunikation: “Ein bevorzugtes Objekt ist jeder, der in irgendeiner Weise moralische Autorität beansprucht oder besitzt. Moralische Autoritäten sind offenbar für hämische Menschen schwer zu ertragen. Wenn es Anlass gibt, stürzen sie sich drauf.“

dpa

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