Mediziner erneut angeklagt

Tödliches Brechmittel: Ex-Polizeiarzt sagt aus

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Der angeklagte Mediziner hatte einem Mann ein Brechmittel verabreicht, worauf dieser starb.

Bremen - Ein ehemaliger Polizeiarzt muss sich zum dritten Mal vor Gericht verantworten, weil er einem mutmaßlichen Drogendealer ein Brechmittel verabreicht hatte. Der Mann war darauf gestorben.

Er hatte dem 35-Jährigen vor mehr als acht Jahren Brechsirup über eine Magensonde eingeflößt, damit dieser verschluckte Kokainkügelchen erbricht. Dieser fiel dabei ins Koma und starb später. Am Dienstag brach der Angeklagte in dem neu aufgerollten Prozess erstmals sein Schweigen und bedauerte, was mit dem Opfer in jener Nacht geschehen sei.

Sein Tod ist mir sehr nahe gegangen“, sagte der 49 Jahre alte Mediziner. „Ich habe bis zum heutigen Tage sehr schwer an diesem Vorfall zu tragen.“ Bereits zweimal hatte er wegen des tödlichen Brechmitteleinsatzes vor dem Landgericht gestanden. Beide Verfahren endeten mit Freisprüchen, die der Bundesgerichtshof aber anschließend kippte. Jetzt muss eine neue Kammer den Fall wieder von vorne verhandeln, alle Zeugen und Gutachter erneut befragen.

Was damals geschah, damit haben sich die Richter in den vorherigen Prozessen eingehend beschäftigt. Doch woran der 35-Jährige starb, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Zwei Polizisten hatten den mutmaßlichen Dealer aus Sierra Leone im Dezember 2004 festgenommen. Als er sich im Präsidium weigerte, Brechsirup zu schlucken, fesselten ihn die Beamten mit Händen und Füßen an einen Stuhl. Der Arzt setzte dem Verdächtigen eine Magensonde, über die er ihm Brechmittel und Wasser einflößte.

Der 35-Jährige brach während der schmerzhaften Prozedur zusammen, dennoch setzte der Mediziner die Magenspülung fort. Schließlich fiel der Mann ins Koma und starb Tage danach im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 49-Jährigen deshalb fahrlässige Tötung vor. Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs kommt auch die erheblich härter bestrafte Körperverletzung mit Todesfolge infrage. Dieses werden die Richter im Laufe des Prozesses genauso klären müssen wie die Frage nach der Todesursache.

Der angeklagte Mediziner verteidigte sein Vorgehen von damals. Er habe keine gesundheitlichen Probleme bei dem 35-Jährigen bemerkt. „Ich war überzeugt, dass er bei Bewusstsein ist und absichtlich nicht gesprochen hat.“ Vor der Magenspülung habe er den Mann gründlich untersucht und nichts gefunden, was gegen die Prozedur gesprochen habe. „Daher hatte ich keinen Entscheidungsfreiraum“, sagte er. Hätte er das Brechmittel nicht verabreicht, hätte ihm Ärger gedroht.

Fünf weitere Verhandlungstage hat das Landgericht bis Mitte Mai angesetzt. Die Nebenklage-Anwältin Elke Maleika, die die Mutter des Opfers vertritt, zeigte sich zuversichtlich, dass der Prozess diesmal nicht mit einem Freispruch enden wird. „Wir haben zwei Urteile des Landgerichts, die der Bundesgerichtshof aufgehoben hat. Das heißt, hier ist eindeutig was falsch gelaufen.“ Es müsse nun endlich geklärt werden, wer für den Tod des 35-Jährigen verantwortlich sei.

dpa

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