Chemikalien belasten Schnuller

+
Chemikalien belasten Schnuller.

Berlin - Für viele Eltern sind Schnuller die letzte Hoffnung, schreiende Babys zu beruhigen. Einige der Saugnuckel jedoch sind laut BUND-Untersuchung zufolge hochbelastet mit Chemikalien.

Alle zehn in einer zufälligen Stichprobe ausgewählten Latex- und Silikon-Schnuller wiesen demnach Bisphenol A auf. Diese Substanz steht im Verdacht, Unfruchtbarkeit, Schädigungen der Gehirnentwicklung und Brustkrebs hervorzurufen. Verschiedene Hersteller wiesen die Ergebnisse umgehend zurück. Die hormonell wirksame Substanz Bisphenol A wurde den Angaben zufolge nicht nur in allen Kunststoffschildchen der Schnuller gefunden, sondern - was besonders bedenklich sei - auch in sechs der zehn Saugteile selbst, wie Chemieexpertin des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Patricia Cameron, sagte.

Sie forderte die Hersteller auf, künftig auf Bisphenol zu verzichten. Dieses Verbot müsse nicht nur für Schnuller und ebenfalls teilweise hochbelastete Babyflaschen gelten, sondern für alle Kleinkinderartikel und Produkte, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Es gebe auch alternative, unbedenkliche Materialien.

Zufällige Auswahl

Zwar sei die Auswahl der Schnuller bei diesem Test zufällig, aber wenn sich in allen die Chemikalie nachweisen lasse, sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie sich auch in Schnullern anderer Anbieter nachweisen lasse, sagte Cameron. Sie kündigte eine Ausweitung der Untersuchung an.

Der Studie zufolge ist die Belastung der Schnuller allerdings höchst unterschiedlich. BUND-Experte Heribert Wefers wies auf eine Untersuchung des Umweltbundesamt vom vergangenen Jahr hin, nach der sich im Urin von 99 Prozent der untersuchten Kinder die Substanz befand. “Das ist der Nachweis, dass der Stoff bei den Kindern ankommt“, sagte er.

Diffusion befürchtet

Die Kunststoffschildchen der untersuchten Schnuller bestanden mit einer Ausnahme aus Polycarbonat, bei dessen Herstellung Bisphenol A eingesetzt wird. Wie viel davon schließlich Kinder tatsächlich aufnähmen, liege unter anderem an der Länge und Häufigkeit der Nutzung des Schnullers, sagte Ibrahim Chahoud, Toxikologe an der Berliner Charité.

Cameron wies darauf hin, dass Babys Schnuller bis zu 15 Stunden am Tag im Mund hätten, auch die Kunststoffschildchen seien beim Saugen in ständiger Berührung mit den Lippen des Kindes. Die gefährliche Chemikalie wurde auch in sechs der zehn Saugteile entdeckt. Eine mögliche Erklärung wäre, dass Bisphenol A aus den Hartkunststoff-Schildchen in den weichen Saugteil diffundiere, sagte Cameron.

Hersteller befragt

Der BUND befragte eigenen Angaben zufolge die Hersteller, ob sie die Chemikalie einsetzen. Mehrere Hersteller hätten angegeben, ausschließen zu können, dass Bisphenol A im Saugteil ihrer Schnuller vorhanden sei, obwohl die BUND-Untersuchung dies nun infrage stelle, sagte Cameron. Einige Hersteller hätten jedoch eingeräumt, dass die Kunststoffschildchen aus Polycarbonat bestehen und daher Bisphenol A enthalten. Der Hersteller NUK betonte, durch seine Schnuller gebe es keine Gesundheitsgefährdung. D

as eigene mit den Prüfungen beauftragte Labor habe bestätigt, dass die untersuchten Silikon- und Latexsaugteile nachweislich kein Bisphenol A enthielten. NUK räumte aber ein, bei einigen Schnuller-Modellen würden “glasklare Kunststoffteile“ für Mundplatten und Ringe sowie Knöpfe gebraucht, die aus Polycarbonat hergestellt würden, in dem Spuren von Bisphenol enthalten sein könnten. Allerdings werde eine Diffusion aus den Kunststoffmundplatten ausgeschlossen.

AP

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare