„Das wahrscheinlichste Szenario“

Dritte Welle unausweichlich? Lauterbach gehen Corona-Beschlüsse viel zu weit: „Spätestens Anfang April ...“

Der Corona-Gipfel der Regierung machte deutlich: der Lockdown bleibt zwar bestehen, doch viele Corona-Regeln werden gelockert. Ganz zum Unmut von Gesundheitsexperte Lauterbach. Der News-Ticker.

  • Am Mittwoch, 3. März 2021, fand der Corona-Gipfel von Bund und Ländern statt.
  • Ärzteverbände warnen vor unkoordinierten Lockerungen der Corona*-Maßnahmen in Deutschland.
  • Für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gehen die Beschlüsse zu weit (Update vom 4. März, 10.10 Uhr)
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 4. März, 16.04 Uhr: Erstmals ist die Ausfuhr von Corona-Impfstoff aus der Europäischen Union in einen Drittstaat über die neue Exportkontrolle gestoppt worden. Italien verhinderte den Export von 250.000 Dosen Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca an Australien, wie EU-Kreise am Donnerstag bestätigten. Zuerst hatte die Financial Times darüber berichtet.

Update vom 4. März, 14.43 Uhr: „Aktuell wird in Deutschland deutlich weniger PCR-getestet als zum Jahresanfang 2021“, teilt das Robert-Koch-Institut* (RKI) in seinem aktuellen Covid-19-Lagebericht vom Mittwochabend mit. „Der Anteil positiv Getesteter an allen PCR-Testdurchführungen (Positivquote) lag in KW 8/2021 bei 6,1 Prozent der erfassten Tests.“

Die theoretische maximale PCR-Testkapaziät liegt nach RKI-Berechnungen bei 2.317.339 durchführbaren PCR-Corona-Tests pro Woche. Weniger als die Hälfte - 1.135.355 - wurden in der 8. Kalenderwoche (22. bis 28. Februar) durchgeführt. Die Zahl der Tests können aber auch die Mehrfachtestung von Patienten enthalten, so das RKI. Zudem sind Nachmeldung möglich.

In einigen Laboren gebe es zudem einen Probenrückstau. Fast 4.000 Proben müssten noch untersucht werden. Dutzende nennen Lieferschwierigkeiten, bei „hauptsächlich Pipettenspitzen und Plastikverbrauchsmaterial.“

RKI-Grafik: Anzahl der SARS-CoV-2-Testungen in Deutschland (Stand 3.März.2021, 12 Uhr); KW=Kalenderwoche

Corona in Deutschland: Stiko ändert Empfehlung für AstraZeneca-Impfstoff

Update vom 4. März, 13.15 Uhr: Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts empfiehlt den AstraZeneca-Impfstoff jetzt auch für Menschen ab 65 Jahren. „Das ist eine gute Nachricht für alle Älteren, die auf eine Impfung warten. Sie können schneller geimpft werden“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag in Berlin. Bislang hatte die Stiko wegen mangelnder wissenschaftlicher Daten die Verabreichung des Vakzins nur für Menschen unter 65 empfohlen; entsprechend wurde auch verfahren.

Update vom 4. März, 11.40 Uhr: Intensivmediziner gehen angesichts des Öffnungs-Fahrplans von Bund und Ländern in der Pandemie von einer deutlichen Zunahme der Corona-Fälle aus. „Ich rechne damit, dass wir durch die beschlossenen Öffnungsszenarien deutlich steigende Zahlen von Neuinfektionen erleben werden - und dann auch vermehrt Intensivpatienten mit Covid-19“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Die Sorge ist, dass wir in eine dritte Welle rutschen.“

„Auch wenn der Lockdown grundsätzlich verlängert wurde, sind diese Beschlüsse ein Strategiewechsel in Richtung Öffnung - und das auch schon vor dem 1. April“, betonte Marx. Hintergrund sind Prognosen der Fachgesellschaft, wonach frühe Lockerungen, je nach Impftempo und Ausbreitung der ansteckenderen Varianten, zu einer erneut hohen Belastung der Intensivstationen führen könnten.

Corona in Deutschland: Intensivmediziner prognostozieren schlimmes Szenario

Im schlimmsten Szenario war von einer nicht mehr zu bewältigenden Zahl von 25.000 zu versorgenden Covid-19 Patienten* die Rede. Zum Höhepunkt der zweiten Welle lagen rund 6.000 Betroffene auf Intensivstationen. „In welchem Umfang die Beschlüsse die Intensivstationen belasten könnten, wird in unsere Modellrechnungen einfließen - dazu können wir aber erst kommende Woche Zahlen vorlegen“, erläuterte Marx von der Uniklinik Aachen.

„Wir hätten uns drei weitere Wochen Zeit für das Umsetzen der Impfstrategie gewünscht“, bilanzierte Marx. So würden die Entscheidungen vom Mittwoch angesichts der steigenden Infektionszahlen mit Sorge betrachtet. „Vor allem, da die Mutante B.1.1.7 bereits 46 Prozent Anteil an den Infektionen hat. Die Reproduktionszahl liegt etwa bei 1 - und sollte aus Sicht von uns Intensivmedizinern auf keinen Fall höher ausfallen. Aber man muss ja bedenken: Das ist alles noch unter den aktuellen Lockdown-Bedingungen.“

Dritte Welle unausweichlich? Lauterbach gehen Corona-Beschlüsse viel zu weit: „Spätestens Anfang April ...“

Update vom 4. März, 10.10 Uhr: Die neuen Beschlüsse von Bund und Ländern dürften bei vielen Bürgern für Begeisterung sorgen, schließlich wird der strenge Lockdown des Winters endlich gelockert. Doch viele Experten zeigen sich von der raschen Ausbreitung der Mutationen besorgt, eine dritte Welle scheint für viele von ihnen unausweichlich. Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bewertet die teils starken Lockerungen des Lockdowns als gefährlich.

Wie der Mediziner und Politiker über Twitter erklärt, könnten die bei dem Corona-Gipfel beschlossenen Lockerungen eine dritte Welle noch begünstigen. „Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass mit diesem Beschluss die dritte Welle langsam anläuft“, so Lauterbach in dem Tweet. So könnte es sein, dass vor allem das Einkaufen mit vereinbartem Termin zunächst klappen würde. „Aber spätestens Anfang April liegt die Inzidenz über 100 und das Intermezzo ist beendet“, prognostiziert Lauterbach weiter. Über die düstere Vorahnung von Lauterbach berichtet auch ruhr24.de*

Corona in Deutschland: RKI veröffentlicht aktuelle Infektionszahlen

Update vom 4. März, 7 Uhr: Am Tag nach den Corona-Gipfel-Verhandlungen meldet das Robert Koch-Institut wieder einen relativ stabilen Wert der Neuinfektionen. Binnen eines Tages wurden offiziell 11 912 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 359 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 11 869 Neuinfektionen und 385 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der innerhalb von sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, lag laut RKI am Donnerstag bundesweit bei 64,7 - und damit etwas höher als am Vortag (64,0). Vor vier Wochen, am 4. Februar, hatte die Inzidenz noch bei 80,7 gelegen. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwoch bei 0,93 (Vortag 0,94). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 93 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Corona in Deutschland: Bundesland hält Lockerungen für „nicht vertretbar“ - Tourismus-Überraschung gekippt

Update vom 3. März, 23.08 Uhr: Die Tourismus-Überraschung bleibt nun doch aus. Zuvor gab es Hinweise, dass die Vermietung von Ferienwohnungen und Wohnmobilen wieder gestattet werden könnte. Bund und Länder wollen die Situation nun am 22. März neu bewerten und entscheiden.

Update vom 3. März, 22.50 Uhr: Die Ministerpräsidenten beim Corona-Gipfel werden die Maßnahmen wohl gegen den Protest aus Sachsen beschließen. Wie ntv unter Berufung auf einen vorliegenden Entwurf vermeldet, fordert der Freistaat eine Protokollnotiz. Darin betont das Land, dass es „die hier beschlossenen umkonditionierten Öffnungen angesichts der aktuellen und absehbaren Infektionslage sowie Impfquote für nicht vertretbar“ hält. Öffnungen müssten viel mehr an ein funktionierendes und verpflichtendes Testregime gekoppelt sein.

Corona in Deutschland: 35er-Inzidenz gefallen - neue Beschlüsse bei Schnelltests

Update vom 3. März, 22.15 Uhr: Die Regierung hat auch in Bezug auf die angekündigten Schnelltests eine Einigung getroffen. Jeder Bürger soll einmal pro Woche einen kostenlosen Antigen-Schnelltest erhalten. Diese würden ein wichtiges Mittel darstellen, um mehr Normalität und sichere Kontakte zu ermöglichen. Möglich seien sollen die Testungen voraussichtlich aber doch schon ab der kommenden Woche in Testzentren oder Praxen.

Nach Informationen von bild.de soll sich die Ministerpräsidentenkonferenz den Inzidenz-Grenzwert von 35 für Lockerungen gekippt haben. Öffnungen sollen nun bei den Schwellwerten von 50 und 100 in Kraft treten. Eine Öffnung des Handels soll dann erst ab einer 7-Tages-Inzidenz von 50 wieder möglich sein. Auch für Theater und Kinos gäbe es dann eine Öffnungs-Perspektive.

Corona in Deutschland: Überraschender Beschluss im Tourismusbereich

Update vom 3, März, 20.15 Uhr: Lockerungen im Tourismus-Bereich waren für den heutigen Corona-Gipfel eher nicht erwartet worden und könnten nun für eine kleine Überraschung am Abend sorgen. Wie aus einer neuen Version eines Kompromisspapiers (Stand 14 Uhr, also vor den Beratungen) hervorgeht, die Merkur.de* vorliegt, könnte bereits nach Ostern ein Neustart des Tourismus erfolgen. Bei Inzidenzen unter 100 könnten dann Ferienhäuser und Ferienwohnungen wieder vermietet werden, ebenso wie Wohnmobile. In früheren Versionen der Beschlussfassung waren Lockerungen im Tourismus-Bereich noch nicht vorgesehen gewesen. Von einer Öffnung der Hotels ist in dem Entwurf bisher nicht die Rede.

Corona in Deutschland: Konsens bei der Impfstrategie - Erstimpfungen sollen priorisiert werden

Update vom 3. März, 19.35 Uhr: Nach Informationen von Merkur.de* sollen sich die Teilnehmer des Corona-Gipfels nun darauf geeinigt haben, dass die Spanne zwischen Erst- und Zweitimpfung weitestmöglich ausgereizt werden soll. Praktisch bedeutet diese Einigung, dass weniger Impf-Dosen zurückgehalten werden sollen und somit mehr Menschen baldmöglichst ihre erste Impfung erhalten sollen. Der Impfstoff von AstraZeneca soll dazu in Kürze auch an Menschen über 65 verimpft werden dürfen.

Update vom 3. März, 19.25 Uhr: Neben einer klaren Impfstrategie gilt auch eine Erhöhung der Testkapazitäten als wichtiger Schritt in der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Hierbei forderten mehrere Experten einen vermehrten Einsatz von Antigen-Schnelltest, die bereits in der Corona-Strategie Österreichs eine zentrale Rolle spielen. Nach Informationen von bild.de ist mit flächendeckenden Schnelltests jedoch nicht vor April zu rechnen. Der Grund? Es sind offenbar nicht genügend Schnelltest bestellt worden. Um die Bestellung soll sich nun eine Taskforce kümmern.

Corona in Deutschland: Scholz fordert Lockdown-Lockerungen für Geimpfte

Update vom 3. März, 17.34 Uhr: Die Bundesregierung diskutiert wohl auch darüber, ob man Beschränkungen für Personen, die bereits gegen das Coronavirus geimpft wurden, schon bald aufheben könne. „Nachdem erste Studien nun nahelegen, dass Geimpfte die Virus-Erkrankungen nicht mehr übertragen und damit kein Ansteckungsrisiko darstellen, sollten wir als Nächstes diskutieren, welche Beschränkungen für diese Gruppe wegfallen können“, so Vizekanzler Olaf Scholz gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Der SPD-Politiker sprach von Szenarien, in denen Geimpfte unter anderem wieder Kinos, Theater oder ähnliche Einrichtungen besuchen könnten. „Ich kann mir gut vorstellen, dass der Impf-Nachweis wie ein negativer Schnelltest genutzt werden kann. Geimpfte erhalten Zugang zu all jenen Orten, die ansonsten nur mit einem Schnelltest zugänglich sind“, erklärte Scholz.

Corona in Deutschland: Regierung diskutiert über Impfstrategie - Reihenfolge bald nur noch Orientierung?

Update vom 3. März, 16.55 Uhr: Beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern, der momentan stattfindet, wird auch über die Fortsetzung der Impfstrategie diskutiert, die Deutschland langfristig aus der Krise führen soll. Während Gesundheitsminister Spahn die Freigabe des Vakzins von AstraZeneca für über 65-Jährige in Aussicht stellt, fordert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ein Umdenken bei der Impfstrategie. „All you can vaccinate“, müsste das Motto lauten. Keine Impfdosis soll also übrigbleiben.

Dafür sollen nach Vorschlag Söders alle Ärzte eingebunden werden (also auch Hausärzte) eingebunden werden, um eine schnelle Verimpfung der verfügbaren Dosen zu gewährleisten. Nach Informationen von bild.de könnte es auch zu einer drastischen Veränderung der Impfreihenfolge kommen. Nach einer neuen Impfverordnung könnten Arztpraxen nach eigener Verantwortung entscheiden, wer geimpft wird und müssten die Prioritätenlisten nur noch als Grundlage heranziehen.

Corona in Deutschland: Lockerungen im Einzelhandel - Beratung über Terminshopping

Update vom 3. März, 14.09 Uhr: Lockerungen für den Einzelhandel sind zunächst eigentlich ab einer Inzidenz von 35 vorgesehen. Noch steht nicht fest, ab welchem Wert gelockert werden soll. Aktuell laufen die Bund-Länder-Gespräche. Während gerade über Inzidenz-Schwellwerte diskutiert wird, prescht Bundesland Bremen vor. Als eine Lockerung der Corona-Regeln erlaubt Bremen die Öffnung von Geschäften für einzelne Kunden nach Voranmeldung. Die „Möglichkeit des Terminshoppings für den Einzelhandel“ heißt es im Beschluss des Bremer Senats.

Einkaufs-Hammer vor Corona-Gipfel: Bundesland prescht bei Lockerungen vor

Beim sogenannten „Date & Collect“ dürfen Kundinnen und Kunden Geschäfte nach vorheriger Vereinbarung eines Termins wieder betreten und sich beraten lassen. Die Kundin oder der Kunde muss sich dabei die ganze Zeit von einer Verkäuferin oder einem Verkäufer begleiten lassen. Als Kundschaft zählt dabei eine Einzelperson oder auch ein ganzer Haushalt. Auch eine Namensliste zur Nachverfolgung muss geführt werden.

„Hiervon werden vor allem die kleineren Geschäfte in den Stadtteilzentren profitieren“, so die Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linkspartei) laut einer Pressemitteilung der Hansestadt. Der Bremer Senat hatte das Terminshopping bereits am Dienstag (2. März) beschlossen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Bremen bei 75,3. Übrigens: Blumenläden und Gartencenter konnten in Bremen schon seit dem 20. Februar wieder öffnen. Der Bremer-Senatsbeschluss tritt in Kraft, wenn die Bürgerschaft zustimmt. Das soll in den kommenden Tagen erfolgen.

Andere Bundesländer könnten beim Terminshopping nachziehen. Schon am Mittwochmorgen vor dem Corona-Gipfel war von Lockerungen ab einer stabilen Inzidenz von unter 100er die Rede. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet deutete einen Kurswechsel* im Kampf gegen die Corona-Pandemie an.

In Baden-Württemberg dagegen dämpfte Ministerpräsident Winfried Kretschmann* die Hoffnungen auf Lockerungen. Fest steht nur, dass die Baumärkte dort, wie in Bayern, demnächst öffnen sollen.

Update vom 3. März, 13.57 Uhr: Die Corona-Regeln sind für viele Menschen in Deutschland schwer zu verstehen. Aktuelle Fallzahlen von Covid-19-Patienten auf Intensivstationen befeuern dieses Problem dramatisch. Eine Aussage von RKI-Chef Lothar Wieler lässt tief blicken, wie Merkur.de* berichtet.

Corona: Mehr als 3 Millionen Corona-Impfdosen sind noch nicht verimpft

Update vom 3. März, 13.22 Uhr: Die Zahl der in ausgelieferten Corona-Impfdosen überschreitet mit 10.377.045 Dosen die Zehn-Millionen-Marke. Das teilt das Bundesgesundheitsministerium am Mittwoch mit. Bisher haben demnach mindestens 4.389.074 Personen eine Erstimpfung erhalten. Davon sind 2.215.504 Personen bereits vollständig geimpft. Die Zahl der noch nicht verimpften Corona-Impfdosen erhöht sich damit auf rekordverdächtige 3.772.467.

Corona-Mutationen - Deutschland verlängert Grenzkontrollen bis zum 17. März

Update vom 3. März, 11.40 Uhr: Obwohl das RKI auch in Deutschland erneut steigende Zahlen verzeichnet, beratschlagen Bund und Länder am Mittwoch über Öffnungen und Lockerungen in der Corona-Pandemie. Währenddessen spitzt sich die Lage im Nachbarland Tschechien immer weiter zu. Nachdem bereits vor Wochen Grenzregionen abgeschottet wurden, ein Anstieg in grenznahen Regionen in Deutschland aber ebenfalls verzeichnet wurde, verzeichnet das Land nun einen traurigen Höhepunkt und einen explosionsartigen Anstieg der Pandemie.

Lothar Wieler ist Präsident des Robert Koch-Instituts.

Corona in Deutschland: Hamburger Kindertagesstätten planen bereits Regelbetrieb

Update vom 3. März, 11.20 Uhr: Die Hamburger Kindertagesstätten gehen am 15. März aus dem Not- in einen eingeschränkten Regelbetrieb. Dies werde parallel mit dem Wiederanfahren des Schulbetriebs nach dem Ende der Frühjahrsferien erfolgen, sagte der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Für einen besseren Infektionsschutz seien für Kita-Mitarbeiter zwei Corona-Schnelltests pro Woche vorgesehen. In einer vierwöchigen Anlaufphase würden die Tests kostenlos von der Stadt gestellt, im Anschluss seien die Kita-Träger dafür verantwortlich.

Zudem sind Erzieherinnen und Erzieher laut Helferich ab sofort zur Corona-Schutzimpung aufgerufen. Auch andere Kita-Beschäftigte, die direkten Kontakt zu den Kindern haben, könnten im Zentralen Impfzentrum einen Termin vereinbaren und sich impfen lassen. Betroffen seien gut 20 000 Personen.

Corona in Deutschland: Lockdown bis Ostern? Jens Spahn will Impf-Tempo drastisch erhöhen

Update vom 3. März, 10.45 Uhr: Einen sprunghaften Anstieg der Corona-Zahlen verzeichnete das RKI am Mittwoch im Vergleich zu vergangener Woche (siehe Update von 7.15 Uhr). Doch die Zahl der in Deutschland vollzogenen Impfungen gegen das Coronavirus verharrt weiterhin auf einem konstanten Niveau. Um die Geschwindigkeit bei den Corona-Impfungen zu beschleunigen, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn möglichst bald auch über 65-Jährige mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen lassen.

„Aus England und Schottland liegen jetzt Daten vor, dass Astrazeneca bei den über 65-Jährigen sehr gut wirkt“, sagte Spahn am Mittwoch im ARD-“Morgenmagazin“. Er habe deshalb die Ständige Impfkommission (Stiko) gebeten, die Empfehlung für das Vakzin auszuweiten, und gehe von einer Entscheidung „in wenigen Tagen“ aus. Bislang wurde das Vakzin des Herstellers Astrazeneca nur an unter 65-Jährige verimpft. Die Stiko hatte dies mit mangelnden Daten für die Wirkung des Impfstoffs bei Älteren begründet.

Die Stiko teilte kürzlich bereits mit, dass sie an einer Überarbeitung der Impfempfehlung sitze. Der Vorsitzende des Gremiums, Thomas Mertens, sagte allerdings am Dienstagabend im SWR, ob ein Einsatz des Astrazeneca-Produkts bei Älteren empfohlen werde, stehe noch nicht fest: „Die Frage der Altersempfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff ist jetzt Gegenstand intensivster Prüfung, aber das Ergebnis ist offen.“

Corona in Deutschland: Vor Corona-Gipfel - Mediziner warnt vor voreiligen Lockerungen

Update vom 3. März, 9.40 Uhr: Während Bund und Länder am Mittwoch über vorsichtige Lockerungen in der Corona-Pandemie beratschlagen, sind Experten und Mediziner alarmiert. Viele von ihnen befürchten schon bald den Beginn der dritten Welle. Bereits am heutigen Mittwoch hatte das RKI einen sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen im Vergleich zur vergangenen Woche registriert.

Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis hat aus genau diesem Grund nun zur Vorsicht bei der Lockerung der Corona-Bestimmungen gewarnt. Die Intensivmediziner treibe die große Sorge um, „dass uns diese britische Mutante um die Ohren fliegt“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) am Mittwoch im WDR. „Wir können sicherlich zu einem gewissen Grad selbst sowas wie Läden eröffnen, aber was wir brauchen, ist eine extreme Disziplin.“

Wichtig sei, dass Masken getragen würden, am besten medizinische Masken, und dies müsse von den Geschäften auch richtig kontrolliert werden. „Was man merkt, ist, dass wir eine Lockdown-Effektivität hatten jetzt nach Weihnachten, die ungefähr nur halb so gut war wie die im Frühjahr“, sagte Karagiannidis. Besondere Gefahr für eine dritte Welle bestehe durch die Corona-Mutation, die als noch ansteckender als das ursprüngliche Virus eingestuft wird. Durch die britische Mutante drohe man derzeit wieder in ein exponentielles Wachstum hineinzukommen, und das müsse unbedingt verhindert werden, um eine Überlastung der Intensivstationen zu vermeiden.

Corona in Deutschland aktuell: Mehr als der Beginn der dritten Corona-Welle? RKI verzeichnet sprunghaften Zahlen-Anstieg

Update vom 3. März, 7.15 Uhr: Während viele Experten bereits vor einer dritten Welle in der Coronavirus-Pandemie warnen, beratschlagen Bund und Länder am Mittwoch über erste vorsichtige Lockerungen. Die am Mittwoch vom Robert Koch-Institut übermittelten aktuellen Fallzahlen zeigen nun jedoch einen erneuten Anstieg der in Deutschland registrierten Infektionen. Demnach wurden binnen eines Tages 9019 Corona-Neuinfektionen gemeldet - und damit gute 1000 mehr als vor genau einer Woche.

Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 418 weitere Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 8007 Neuinfektionen und 422 neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Mittwochmorgen bundesweit bei 64,0 - und damit etwas niedriger als am Vortag (65,4).

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstag bei 0,94 (Vortag 1,01). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 94 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Corona-Gipfel in Deutschland aktuell: Gastronomie fordert „klaren Fahrplan“ - Doch Ärzte warnen vor voreiligen Lockerungen

Ursprungsmeldung vom 3. März 2020: Berlin - Vor dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern am Mittwoch sind bereits erste Details durchgesickert*. Grundsätzlich sollen die aktuellen Lockdown-Maßnahmen wohl bis zum 28. März verlängert werden. In einigen Bereichen könnte aber nach dem Wunsch der „4er-Runde“ um Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und die Landeschefs Markus Söder (CSU) und Michael Müller (SPD) schneller gelockert werden.

Corona in Deutschland news: Ärzteverbände warnen vor unkoordinierten Lockerungen

Ärzteverbände haben vor voreiligen und unkoordinierten Lockerungen des Lockdowns* in Deutschland gewarnt und eine Ausweitung von Corona-Tests* gefordert. „Es wäre falsch, einfach einige Bereiche zu öffnen, weil die Menschen lockdownmüde sind“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der deutschen Amtsärzte, Ute Teichert, der Rheinischen Post. Öffnungen sollten nur in Verbindung mit einer gezielten Test- und Nachverfolgungsstrategie erfolgen, mahnte sie. „Keinesfalls dürfen wir dem Virus den roten Teppich ausrollen“, so Teichert.

Es gehe jetzt darum, die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zurückzugewinnen. „Das Virus ist im Augenblick immer noch schneller als unsere Maßnahmen, wir reagieren nur. Das muss sich ändern.“ Teichert forderte daher mehr Tests in den Schulen, in den Betrieben „und auch beim Friseur“. Außerdem müsse noch viel mehr auf Virus-Varianten* getestet werden, um einen besseren Überblick über deren Ausbreitung zu erhalten.

Corona in Deutschland: Marburger Bund mahnt zur Vorsicht - Öffnungen „langsam und stufenweise“

Der Marburger Bund argumentierte ähnlich. „Die Öffnungen sollten langsam und stufenweise erfolgen. Es ist wichtig, Folgewirkungen abzuwarten, bevor man den nächsten Schritt macht“, erklärte die Vorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Gefahr einer dritten Infektionswelle mit hochansteckenden Virus-Varianten betreffe nicht nur ältere Patienten, sondern „auch jüngere, insbesondere Risikopatienten“. „Wir reden hier von einem Viertel der Bevölkerung“, sagte Johna. Sollte die dritte Welle vergleichsweise ungebremst auf sie treffen, komme es zwangsläufig zu einem Wiederanstieg der Covid-19-Patienten* auf den Intensivstationen.

Corona in Deutschland: Gastronomie und Hotellerie fordern Öffnungen

Die Gastronomie und Hotellerie erwartet sich vom Corona*-Gipfel hingegen eine klare Öffnungsperspektive. Am Dienstag kamen in Stuttgart Gastronomen und Hoteliers aus ganz Baden-Württemberg zu einer Demonstration zusammen. „Wir fordern einen klaren Fahrplan, mit dem Restaurants und Hotels noch vor Ostern wieder öffnen können“, sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) dem Tagesspiegel.

Die Politik müsse dafür allerdings von den bisherigen Kriterien abweichen. „Die ausschließliche Ausrichtung am Inzidenzwert muss aufgegeben werden und andere vom RKI* empfohlene Messwerte berücksichtigt werden“, forderte Hartges. „Die Politik muss jetzt dringend ihre Hausaufgaben machen und aus den drei Bausteinen Impfen, Schnelltests und digitaler Aufrüstung der Gesundheitsämter ein Konzept entwickeln, das Öffnungen erlaubt und gesellschaftliches Leben ermöglicht“, so die Dehoga-Chefin. (ph/dpa) *Merkur.de und ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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