Nach Schulschließungen

Corona-Nachhilfeprogramm von Baden-Württemberg wird zur Blamage - Schüler sind die Leidtragenden

Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg dürfen alle Kinder seit Ende Juni wieder zur Schule gehen. In den Sommerferien ist ein Nachhilfeprogramm geplant - doch Kultusministerin Eisenmann erntet Kritik.

  • Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg waren die Schulen im Land für mehrere Wochen geschlossen.
  • Erst seit Ende Juni herrscht wieder Regelbetrieb an den Schulen im Land - Kultusministerin Susanne Eisenmann wird für ihre Schulpolitik jedoch stark kritisiert.
  • Für das Nachhilfeprogramm in den Sommerferien haben sich offenbar zu wenige Lehrer gemeldet, weshalb Schüler abgewiesen werden mussten.

Stuttgart - Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) einzudämmen, waren die Schulen im Land für mehrere Wochen geschlossen und öffneten nur schrittweise wieder. Da sich das Coronavirus seit einiger Zeit langsamer verbreitet als zu Hochzeiten der Corona-Pandemie, hat die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann* im Juni das Ende der Schulschließungen in Baden-Württemberg* beschlossen. Normalität ist deshalb trotzdem nicht wieder eingekehrt - und Kultusministerin Susanne Eisenmann wird für ihre Schulpolitik während der Corona-Krise stark kritisiert.

Zum 29. Juni hat Kultusministerin Eisenmann die vollständige Öffnung aller Bildungseinrichtungen veranlasst. Zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg* gelten jedoch weiterhin bestimmte Hygieneauflagen. Seit der Öffnung kam es bereits mehrfach zu Neuinfektionen an Schulen im Land: In der Landeshauptstadt Stuttgart* waren zuletzt mindestens fünf Schulen und zwei Kitas betroffen. Laut Gesundheitsamt geht der Corona-Ausbruch an den Schulen in Stuttgart* auf das sorglose Verhalten einer Großfamilie zurück. Weitere Fälle gab es im Kreis Göppingen: Dort hat eine Mutter drei ihrer Kinder mit dem Coronavirus infiziert*, das Virus verbreitete sich daraufhin in Schulen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Schulleiter kritisieren, dass für die geplanten Lernbrücken nicht genug Lehrkräfte zur Verfügung stünden.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Susanne Eisenmann wird für Lernbrücken-Konzept kritisiert

Seit Öffnung der Schulen zeigt sich auch, welchen verheerenden Schaden das Coronavirus in Baden-Württemberg bei Schülern hinterlassen* hat. Durch den entfallenen Unterricht aufgrund der Corona-Krise haben viele Schulen im Land bereits einen erheblichen Nachholbedarf ihrer Schüler gemeldet. In den letzten beiden Wochen der Sommerferien wird es in Baden-Württemberg deshalb ein Nachhilfeangebot - sogenannte Lernbrücken - geben. So soll während der Schulschließungen versäumter Stoff nachgeholt werden. Gewerkschaften und Elternvertreter kritisieren jedoch das Konzept von Kultusministerin Eisenmann.

Geplant war, dass landesweit an rund 2.000 Schulen Lernbrücken zur Verfügung gestellt werden. Nach Angaben des Kultusministeriums nehmen mehr als 61.000 Schüler an dem freiwilligen Angebot teil. Gedacht ist das Konzept vor allem für Schüler, die während des Fernunterrichts wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg schlecht erreicht worden sind und Lerninhalte nun wiederholen müssen.

Susanne Eisenmann lobte den freiwilligen Einsatz der Lehrkräfte. Laut Ministerium habe es keine Probleme bei der Organisation gegeben. Außergewöhnliche Zeiten - wie das Coronavirus in Baden-Württemberg - erforderten bekanntlich außergewöhnliche Maßnahmen, sagte die Kultusministerin. Für die Lernbrücken haben sich knapp 5.000 Lehrer, 700 Lehramtsbewerber und 500 pädagogisch geschulte Personen gemeldet.

Wegen Coronavirus in Baden-Württemberg entfallener Unterricht kann offenbar nicht von allen Schülern aufgeholt werden

Schulleiter berichten dagegen, dass sich zu wenig Lehrer gemeldet hätten und Schüler deshalb abgewiesen werden mussten. Es sei offen, wie viele Lehrkräfte für die Kurse gewonnen werden konnten und an wie vielen Schulen damit ein Angebot möglich sein wird, berichtet der SWR. Auch der FDP-Bildungsexperte Timm Kern kritisierte, dass nicht überall genügend Lehrkräfte zur Verfügung stünden. Angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg hält der Landeselternbeiratsvorsitzende Michael Mittelstädt das Angebot zudem nicht für zielführend, wie er dem SWR sagte. Es sei zu kurzfristig anberaumt worden. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert zudem, mit den freiwilligen Lernbrücken werde das Kultusministerium seiner Verantwortung nicht gerecht, weil viele Schüler gar nicht erreicht würden. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Stefan Fulst-Blei sagte kürzlich, Eisenmanns Politik sei derzeit ein „mittleres Desaster“*.

Das von Susanne Eisenmann beschlossene Nachhilfeprogramm in den Sommerferien, mit dem Lernlücken der Schüler geschlossen werden sollen, greife laut Fulst-Blei viel zu kurz. Kinder aus schwächeren Familien erreiche man mit dem freiwilligen Angebot in den letzten beiden Ferienwochen nicht. Stattdessen fordert die SPD ein Nachhilfebudget für das gesamte nächste Schuljahr, weil die durch das Coronavirus in Baden-Württemberg entstandene Bildungsmisere sonst weiter verschärft würde.

Seit Mitte Juni findet an allen Schulen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg ein Unterricht im Schichtbetrieb* statt, der im Wechsel mit Fernunterricht und mit einem eingeschränkten Stundenplan durchgeführt wird. Ende Juni durften auch Grundschulen und Kitas wieder öffnen. Das Abstandsgebot soll - wie bereits jetzt an Grundschulen und Kitas - nach den Sommerferien auch an den weiterführenden Schulen entfallen. Dafür soll an allen weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg eine Maskenpflicht gelten*. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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