Brief an die Landesregierung

„Schädigung wächst ins Unermessliche“: Friseure sollen ab Februar öffnen, fordert Handwerkskammer

Eine Friseurin föhnt in einem Friseursalon einer Kundin mit Maske die Haare.
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Friseure stehen im Lockdown vor extremen Problemen. Während andere Händler immerhin „Click & Collect“ anbieten können, bleibt ihnen nur eines: Abwarten. Das jedoch wollen viele nicht hinnehmen.

In einem Brief an die baden-württembergische Landesregierung fordert die Handwerkskammer Ulm gemeinsam mit Betreibern von Friseur- und Kosmetikstudios eine Wiedereröffnung.

Ulm - Wegen der Entwicklungen rund um das Coronavirus* (BW24 berichtete) wurden die Beschränkungen in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland bis zum 14. Februar verlängert. Der harte Lockdown* trifft den Handel, die Gastronomie und Dienstleister besonders stark. Unter den Maßnahmen und Verboten zum Infektionsschutz* leiden vor allem Betreiber von Friseur-, Kosmetik- und Nagelstudios sowie Barbershops. Die Handwerkskammer Ulm macht sich nun für eine zeitnahe Wiedereröffnung dieser Handwerksbetriebe stark. Gemeinsam mit Friseur- und KosmetikerInnungen ihres Bezirks hat die Handwerkskammer einen Brief an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann* (Grüne), an Sozialminister Manfred Lucha sowie Wirtschafts- und Arbeitsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut geschrieben.

In ihrem Brief an die Landesregierung haben die Handwerkskammer Ulm und die Betriebe ihre existenzbedrohende Situation deutlich gemacht. Sie haben auf die schwierige Lage von Friseuren und Kosmetikerinnen hingewiesen und eine Wiedereröffnung der Betriebe gefordert. „Zwangsschließung, ohne dass Entschädigungen ankommen: Das ist eine Mischung, die viele nicht aushalten“, wird Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm, in einer Pressemitteilung zitiert. „So kann es nicht einfach immer weiter und weiter gehen.“

Coronavirus in Baden-Württemberg: Friseure, Kosmetikstudios und Co. kämpfen ums Überleben

Die Schließung der Friseur- und Kosmetikstudios dauert mittlerweile schon seit Mitte Dezember an. Viele Betriebe kämpfen ums nackte Überleben und auch um den Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Schon in der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr haben Friseure eine schwierige Phase durchlebt. Hygienekonzepte seien teils unter erheblichem finanziellen Aufwand umgesetzt worden, so die Handwerkskammer. Dass im Dezember ein erneuter Shutdown folgte, akzeptieren die Betriebe zunächst, da sie Verständnis für die schwierige Lage wegen Corona und der wieder ansteigenden Zahlen hatten. Aber nun sei die Situation eine andere, sagt Joachim Krimmer.

„Wir halten die Schließungen jetzt nicht mehr für verhältnismäßig. Die Schädigung von Betrieben wächst ins Unermessliche - ohne Ausgleich, und das trotz vorliegender Konzepte, die die Sicherheit gewährleisten“, sagt Joachim Krimmer. Angekündigte Hilfsgelder des Bundes ließen weiter auf sich warten. Im regionalen Handwerk wächst deshalb der Unmut.

Die Auszahlung der Novemberhilfen für Kosmetikstudios und Co. läuft schleppend an. Bis Ende vergangener Woche hätten die Förderbanken der Länder gerade einmal mehr als 400 Millionen Euro überwiesen. Das entspricht schlappen neun Prozent der zur Verfügung stehenden knapp fünf Milliarden Euro. Nicht einmal jeder zweite Antragssteller hat Abschlagszahlungen erhalten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Auszahlung für Dezemberhilfen hat noch nicht begonnen

Für die Dezemberhilfen stehen vom Bund weitere mehr als drei Milliarden Euro bereit, reguläre Auszahlungen hat es bisher aber noch nicht gegeben. Bislang haben lediglich rund 36 Prozent der Betroffenen Abschläge erhalten. Wer, wie Friseure, erst Mitte Dezember schließen musste, kann demnächst nur die Überbrückungshilfe III beantragen. Die Antragstellung hierzu sei jedoch noch nicht möglich.

Die Handwerkskammer Ulm teilte auf ihrer Facebook-Seite kürzlich eine bundesweite Petition, an der mittlerweile fast 20.000 Unterstützer in Deutschland beteiligt sind. In der Petition heißt es: „Die Haare wachsen auch im Lockdown. Der Schwarzmarkt boomt und täglich werden in Deutschland Haare geschnitten und gefärbt.“ Dies fände in einem unkontrollierbaren Umfeld, ohne Hygienekonzept und Kontaktnachverfolgung statt. Unter dem Hashtag #NurSicherBeimFriseur fordern die Unterstützer, Friseursalons schnellstmöglich wieder zu öffnen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Schwarzmarkt boomt - Friseure im Nachteil

Der große Nachteil der Friseure liegt laut der Petition darin, dass sie im Gegensatz zu anderen Händlern im Lockdown keinen „Click & Collect“- Service anbieten könnten. Das Bedürfnis nach einer gepflegten Optik vieler Menschen bestehe jedoch auch im Lockdown. Der Schwarzmarkt erlebe deshalb einen „riesigen Boom“. Reale Nachfragen und legale Angebote befänden sich in einer Schieflage.

Im Bezirk der Handwerkskammer Ulm gibt es von der Ostalb bis zum Bodensee insgesamt 1.381 Kosmetikbetriebe und 1.699 Friseure. Knapp Zehntausend Beschäftigte arbeiten in diesen Betrieben. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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