Dieses Castor-Camp hat einen Whirlpool

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Gorleben - So unterschiedlich wie die Unterkünfte für Anti-Castor-Demonstranten und Polizisten ist auch die Verpflegung auf beiden Seiten. Mancher Gegner darf es sich im "Wellness-Camp" im Pool bequem machen.

Demonstrieren mit Wellness-Faktor

Bis zu 2000 Castor-Gegner zelten im Camp Köhlingen. Der aufgeweichte Matschboden wird teilweise von Holzpaletten überbrückt. Dixi-Toiletten stehen am Eingang, und für den Abend liegt Feuerholz bereit. “Damit heizen wir den Whirlpool an“, sagt Ehlers und zeigt auf eine große blaue Wanne, die von einer Zeltplane überdacht wird. Die Bilder zeigen, wie mehrere Gegner sich von den Protest-Strapazen erholen. Sie sind leicht bekleidet, möglicherweise sogar nackt, zumindest ist auf den Bildern keine Badebekleidung zu sehen. Für den Fotografen zeigte Adjoa (siehe Foto oben) dem Fotografen auch bereitwillig das Anti-Castor-Logo auf ihrer Wange. Baden als Protest, sozusagen. Fans haben das Lager schon “Wellness-Camp“ getauft.

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Atomkraftgegner und Polizisten haben beim Castor-Einsatz im Wendland ihre ganz eigene Infrastruktur. In der Polizei-Großkantine am Verladebahnhof Dannenberg teilt das Küchenpersonal Putengeschnetzeltes aus, dazu Curry mit Reis. “Das war richtig lecker“, freut sich ein Polizist in einer Pause zwischen den Einsätzen. Ein paar Kilometer weiter schälen Demonstranten eigenhändig Kartoffeln: Im Demo-Camp Metzingen gibt es vegane Kost ohne tierische Produkte aus der “Volxküche“ und Bio-Lebensmittel aus der Region.

Peter-Wilhelm Timme ist begeistert. “Wir haben unglaublich viele Spenden für unsere Küche“, sagt der Organisator des Anti-Castor- Camps. “Unsere Gäste sollen gut versorgt werden - ohne Mampf kein Kampf.“ Eine Tonne Reis wurde frei Haus angeliefert, dazu Äpfel und Milchreis. “Wir haben schon mit einem anderen Camp kiloweise Nudeln gegen Marmelade getauscht.“ Am Vortag hat die Küche 2000 Essen ausgegeben. Bei Einsätzen außerhalb des Camps rollt sogar eine Gulaschkanone mit ins Feld.

So unterschiedlich wie die Verpflegung ist auch die individuelle Ausrüstung: Knieschützer, Brustpanzer, Helm und Stiefel gehören für Eva Leidl dazu. “Allein die Uniform wiegt einige Kilo“, sagt die Bundespolizistin aus dem bayrischen Deggendorf. “Nach ein paar Stunden kann das schon mal schwer werden.“ Zur Schutzkleidung hinzu kommt noch ein breiter, schwarzer Ledergürtel mit Pistole, Schlagstock, Pfefferspray und Schreibsachen. “Was man eben so braucht beim Einsatz“, sagt Leidl, die ihren ersten Castor-Transport mitmacht.

Auch die Gegenseite ist bestens gerüstet: Nie ohne Zelt losziehen, sagt Wolle, der weder seinen Namen, noch sein Alter verraten will. Wer als Demonstrant ins Wendland komme, um gegen den Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll zu protestieren, wisse oft nicht, wo er nachts schlafen kann. “Ich ziehe schon seit einer ganzen Weile von Camp zu Camp“, sagt der junge Mann. “Aber die sind alle voll.“ Wolle trägt am Körper, was er für den Protest braucht: Auf dem Kopf eine Russenmütze aus dickem Fell, Regenkleidung, Schlafsack, und Isomatte. Im Rucksack stecken warme Pullover, dicke Socken und lange Unterhosen.

Immerhin hier treffen sich Polizistin und Demonstrant. Denn Leidls Rezept gegen die Novemberkälte im Wendland lautet: “Ich zieh immer gleich mehrere Schichten Pullover und T-Shirts an.“ Dazu noch dicke Wollsocken, Handschuhe und etwas, das auf keinen Fall fehlen darf: “Lange Unterhosen“, gesteht sie lachend.

dpa

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