Getötete Mary-Jane: Hunderte wollen Abschied nehmen

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Kerzen stehen vor einem Bild der von einem noch unbekannten Täter getöteten siebenjährigen Mary-Jane aus Zella-Mehlis.

Zelle-Mehlis - Hunderte Einwohner der Kleinstadt Zella-Mehlis wollen sich am Donnerstagabend mit Blumen und Kuscheltieren von der getöteten Mary-Jane verabschieden. Ihre Angst vor dem Täter bleibt.

Zum Abschied spielen sie ihr Lied, das Lieblingslied der siebenjährigen Mary-Jane. Ihre Mutter hat es für die Trauerfeier in einer großen Halle im thüringischen Zella-Mehlis ausgewählt. Hier soll auch die Urne der Grundschülerin stehen, die am Freitag ihr erstes Zeugnis bekommen hätte. An diesem letzten Schultag vor den Sommerferien wird ihr Verschwinden genau zwei Wochen her sein - einen Tag später wurde sie tot im Wald von Zella-Mehlis gefunden. Seitdem leben die Einwohner der Kleinstadt im Thüringer Wald in Angst vor einem Mörder. Die Polizei sucht fieberhaft, hat aber bislang keine heiße Spur.

Kerzen, Bilder, vor allem aber Plüschtiere erinnern im ganzen Ort an das fröhliche Mädchen, dessen Leben ein so grausames Ende fand. Vor der Haustür des Plattenbaus, in dem Mary-Jane mit ihrer Mutter wohnte, wuden die Kerzen kurz nach der Tat immer wieder vom Regen erstickt. Die Stadt wirkt wie betäubt.

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Bei der öffentlichen Trauerfeier haben die Anwohner am (heutigen) Donnerstagabend nun noch einmal die Gelegenheit, sich von Mary-Jane zu verabschieden. Die Mutter der Siebenjährigen hat drei Lieder ausgewählt, die Titel hat das Bestattungsunternehmen nicht bekannt gegeben. Sprechen wird eine professionelle Trauerrednerin, die nicht den Schmerz des Verlustes, sondern den Reichtum des Lebens mit Mary-Jane in den Mittelpunkt stellen will.

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Auch Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) will zum Abschied kommen. “Der Tod eines Kindes ist ein besonders schmerzlicher, ein durch nichts zu erklärender Verlust“, erklärte sie vorab. Als Mutter ahne sie, wie groß der Schmerz für die Eltern sein müsse. “Ich wünsche der Familie, dass sie Trost, Kraft und eines Tages auch wieder Zuversicht finden möge.“ Nach der Trauerfeier wollen Mary-Janes Angehörige für sich allein sein. Beerdigt wird das Mädchen im engsten Kreis, ganz privat.

Für die Menschen in Zella-Mehlis aber ist die Angst damit nicht vorbei. “Die Trauerfeier ist ein wichtiger Baustein, um die schreckliche Sache in unserer Stadt aufzuarbeiten, abgeschlossen ist sie aber noch lange nicht“, sagte Bürgermeister Karl-Uwe Panse (parteilos). Nach wie vor sei die Anspannung groß, weil der Täter nicht gefasst sei. Eltern sorgten sich um ihre Kinder und ließen sie kaum alleine vor die Tür.

Denn trotz rund 800 Speichelproben der Bürger, Hunderten Befragungen im Umfeld, Fahndungsaufrufen im Fernsehen und Suchaktionen im Wald hat die Polizei noch immer keinen entscheidenen Hinweis. “Es gibt relativ wenige Spuren“, sagte Innenminister Jörg Geibert (CDU). Gerade das mache die Ermittlungen so aufwendig. Wichtig sei jetzt vor allem, sich nicht unter Zeitdruck zu setzen und sorgfältig allen Hinweisen nachzugehen.

Nach Worten des Suhler Polizeisprechers Eberhard Wagner ist die Suche in dem Waldgebiet abgeschlossen und hat nichts gebracht, “was in diesem Fall von Bedeutung wäre, wie etwa den Schulranzen des Mädchens“. Die Sonderkommission geht mehr als 700 Hinweisen nach - doch es kann noch dauern, bis Zella-Mehlis und seine Bürger wieder zur Ruhe kommen.

dpa

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