Fehmarn: Schnee türmt sich bis zu drei Meter hoch

Fehmarn -  Schnee, Sturm, Hochwasser – die Ostseeinsel Fehmarn wurde von Tief „Daisy“ besonders hart getroffen. Wir fragten beim Redaktionschef des Fehmarnschen Tageblatts, Heiko Witt, nach:

Wird Ihnen angesichts von so viel Schnee langsam mulmig?

Lesen Sie zum Schneechaos im Norden auch im Fehmarnschen Tageblatt:

Schneesturm schneidet Dörfer ab

Durch tiefen Schnee in die Fluten

Video: Fehmarn kämpft gegen den Schneesturm

Witt: Naja, als am Sonntag 9.22 Uhr plötzlich der Strom ausfiel, war das kein schönes Gefühl. Ohne Strom bricht vieles zusammen. Da kam schonein bisschen Katastrophenstimmung auf, zumal keiner wusste, wie lange es dauern würde. Zum Glück war der Strom aber 10.05 Uhr wieder da. Es gibt auf Fehmarn drei Umspannwerke, zwei davon sind immer noch ausgefallen. Das heißt der ganze Strom hängt derzeit an einem einzigen Umspannwerk.

Wie ist derzeit die Lage auf der Insel?

Die Lage auf Fehmarn ist heute besser als gestern. Da waren alle Dörfer eingeschlossen. So war Ostermarkelsdorf von Samstag, 17 Uhr, bis Montag, 15.45 Uhr, komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Am Montag Nachmittag schneite es aber wieder heftíg - und dann sind auch noch sämtliche Schneefräsen ausgefallen.

Wie werden die denn versorgt? Aus der Luft?

Achwo, nein. Den Zustand haben wir doch erst seit Sonntagmorgen. Die haben alle noch genug zu essen. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, kann man immer noch mit einem Traktor durch die Schneewehen fahren.

Kam dieser Wintereinbruch überraschend?

Man muss sich das so vorstellen: Um Neujahr sind bei uns knapp 40 Zentimeter Schnee gefallen. Der blieb liegen. Und dann kam plötzlich dieser Nordoststurm. Das führte zu den heftigsten Verwehungen. Wir sind nun mal ein ganz flaches Eiland, da fegt der Wind ordentlich drüber. Die Räumfahrzeuge hatten überhaupt keine Chance, obwohl sie immer und immer wieder gefahren sind. Teilweise steckten sie dann selbst fest.

Fehmarn versinkt im Schnee

Kommt man denn noch von der Insel runter?

Wir sind mit dem Festland ja durch die Fehmarnsundbrücke verbunden. Die ist frei. Nur am Sonntag war sie für leere Lkw und Wohnwagen mit Anhängern gesperrt – einfach, weil der Sturm so stark war. Das hatte aber nichts mit dem Schnee zu tun.

40 Zentimeter Schnee – heißt das, auf Fehmarn läuft man jetzt Ski?

Nein, der Schnee hat sich ja verteilt. Wir haben an manchen Stellen zwei, oder sogar drei Meter hohe Verwehungen, aber auf den Feldern ist fast gar nichts mehr. Der Sturm hat sich überall Plätze gesucht, wo er sich einsammeln kann. Eine wunderschöne Winterlandschaft hatten wir über Neujahr, da sind tatsächlich einige Langlauf gefahren.

Aber jetzt haben Sie Schneesturm...

Ja, und dazu kommt auch noch Hochwasser. Am Fehmarnsund drohte ein Deich zu brechen. Inzwischen konnte er aber offenbar mit Sandsäcken stabilisiert werden.

Können die Kinder zur Schule gehen?

Nein, Schule musste ausfallen.

Wann hatten Sie das letzte Mal so viel Schnee?

Das war 1985. Aber die wirklich große Schneekatastrophe hatten wir zum Jahreswechsel 1978/79. Da waren die Dörfer tagelang abgeschnitten, keine Chance reinzukommen.

Hatten Sie diesmal auch Notfälle?

Ja, am Samstagabend wurde eine hochschwangere Frau mit Wehen von einem Feuerwehrfahrzeug abgeholt. Das Baby hatte es dann aber doch nicht so eilig, so dass die Frau aufs Festland ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Das sind in solchen Situationen immer die dramatischsten Einsätze: Schwanger, Alte und Kranke rechtzeitig zum Arzt zu bringen. Ich würde die derzeitige Lage aber nicht als Katastrophe bezeichnen. Das Baby ist übrigens inzwischen auf der Welt.

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Monika Reuter

Rubriklistenbild: © dpa

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