Jugendbande wegen Prügelattacke vor Gericht

Stuttgart - 21 mutmaßliche Mitglieder der Jugendbande “Black Jackets“ stehen seit Mittwoch in Stuttgart wegen versuchten Mordes vor Gericht. Es ist ein Mammutprozess mit 75 Beteiligten.

Der Prozess mit rund 75 Beteiligten - davon 42 Verteidigern - musste aus Platzgründen in den Sitzungssaal des Oberlandesgerichts in Stammheim ausgelagert werden. Die 17 bis 24 Jahre alten Männer sind auch wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs angeklagt. Wegen der Vielzahl der Beteiligten, Besucher und Sicherheitsvorkehrungen begann der Prozess mit rund eineinhalbstündiger Verspätung. Für den Prozess sind bis Dezember noch 68 Verhandlungstage angesetzt.

Den jungen Männern wird zur Last gelegt, am 26. Juni 2009 auf einem Esslinger Schulhof eine Gruppe von 12 bis 15 jungen Leuten mit Baseballschlägern, Eisenstangen und Teleskopschlagstöcken angegriffen zu haben. Ein damals 26-jähriger Unbeteiligter wurde fast zu Tode geprügelt. Er musste notoperiert werden und lag mehrere Wochen im Koma. Es gab einige Schwerverletzte. Die mit Sturmhauben vermummten Angeklagten sollen mit voller Wucht und gezielt auf die Köpfe ihrer Opfer eingeschlagen haben. Teilweise sollen sie zu mehreren gegen einzelne junge Leute vorgegangen sein. Sie ließen von ihren Opfern erst ab, als die Polizei anrückte.

Hintergrund der Tat soll laut Staatsanwalt Gernot Blessing ein Streit der “Black Jackets“ mit der Esslinger Gang “La Fraternidad“ (LF) gewesen sein. Wie er vor rund 130 Besuchern im voll besetzten Sitzungssaal ausführte, soll der Bruder eines 20 Jahre alten Angeklagten zuvor von LF-Mitgliedern geschlagen und provoziert worden sein. Die Tat wird als geplante “Vergeltungsaktion“ eingestuft. Viele Mitglieder der “Black Jackets“ gelten als gefährlich. Kurz nach Prozessbeginn meldeten sich einzelne Verteidiger zu Wort: Einer stellte einen Befangenheitsantrag gegen die Richter, ein anderer rügte die Zusammensetzung der Schöffen. Diesen Gesuchen schloss sich jeweils eine Vielzahl anderer Verteidiger an.

dpa

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