Zwischen Junkie und „Rotlicht-Dame“

Ungewöhnliche Krippenszene: Maria im Flüchtlingsboot

Köln - Die hochschwangere Maria in einem Flüchtlingsboot aus dem Mittelmeer - diese ungewöhnliche Krippenszene zeigt jetzt eine Kölner Kirchengemeinde. Doch das ist noch nicht alles.

Das sieben Meter lange Holzboot war vor einigen Jahren von der Maltesischen Armee beschlagnahmt und später vom Erzbistum Köln aufgekauft worden. 80 bis 100 Flüchtlinge waren darin aus Libyen geflohen.

Zurzeit befindet sich das Boot in der ehemaligen Schifferkirche St. Maria in Lyskirchen am Rheinufer. Es ist eine der zwölf romanischen Kirchen Kölns aus dem Mittelalter. Die Gemeinde besitzt eine große Krippe, die seit Jahrzehnten immer wieder um reale Figuren aus der unmittelbaren Umgebung erweitert wird: So kamen eine „Rotlicht-Dame“ und eine Obdachlose dazu und auch ein jüdischer Apotheker, der vor den Nazis nach Schweden floh. Den Stern von Bethlehem hält derzeit ein Junkie hoch. Die letzten von Künstlern neu gestalteten Figuren sind ein Roma-Mädchen und ein Flüchtling aus Eritrea, der heute in Berlin arbeitet.

In der biblischen Erzählung findet auch die Heilige Familie keine Herberge und muss später vor dem tyrannischen König Herodes fliehen. In der Kölner Krippenszene wird das Geschehen mit der Gegenwart kombiniert. So registriert der Schreiber der biblischen Volkszählung jetzt Flüchtlinge unter Anwendung deutscher und europäischer Paragrafen.

„Faszinierend ist, wie viele Schulklassen hierherkommen“, berichtet Krippenbauer Benjamin Marx. „Das hat sich wahnsinnig rumgesprochen.“ Das Flüchtlingsboot soll später ins Bonner Haus der Geschichte.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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