Die miesen Maschen der Menschenhändler

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Viele Frauen landen in Bordellen (Symbolfoto)

Boppard - Rumänische Frauen werden häufiger Opfer von Menschenhändlern - und landen oft in deutschen Bordellen, wo sie unter Mottos wie "Für 8,99 eine Frau, ein Würstchen, ein Bier" angeboten werden. Die Menschenhändler haben drei Maschen.

“Sie haben meist keine Chance, sich zu widersetzen, weil ihre Familien das Geld brauchen“, sagte die katholische Ordensschwester Lea Ackermann, die vor 26 Jahren den Frauenschutzverein “Solwodi - Solidarität mit Frauen in Not“ gründete. Die rumänischen Familien - oft Sinti und Roma - treibe ihr Elend dazu, ihre Mädchen zu verkaufen. Ein weiterer Grund: “In der von Männern dominierten Gesellschaft gelten Frauen nicht viel“, sagte Ackermann in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Boppard. Die Menschenhändler nutzten genau dies aus.

Dabei gebe es drei Maschen: “Die Frauen werden verschleppt, sie werden unter Vorspielung falscher Tatsachen gelockt oder mit “Loverboy“-Verhalten überzeugt“, betonte die 74-jährige Ackermann. Das heißt, dass die Frauen mit vorgespielter Liebe zur Prostitution überredet werden.

Die Organisation von Ackermann kümmert sich um Migrantinnen, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution geworden sind. Die Frauen, die zu ihnen kämen - im vergangenen Jahr waren es allein aus Rumänien 76, die erstmals bei ihnen Hilfe suchten - seien aber nur die “Spitze des Eisberges“.

Über die tatsächlich Betroffenen wolle sie nicht spekulieren. Das Bundeskriminalamt listete für 2009 insgesamt 710 Opfer von “Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung“ auf - fast die Hälfte der Frauen kam aus Rumänien oder Bulgarien, wie Ackermann berichtet. “Und es werden immer mehr, insbesondere Rumäninnen.“ Das Schicksal, das diese Frauen hier ereilt, sei kaum vorstellbar: “Einige werden eingesperrt, bei Vielen ist das aber auch nicht nötig, sie wissen eh nicht, an wen sie sich wenden können.“

Unter welchen Bedingungen diese Frauen hier als Prostituierte arbeiten müssten, zeige ein Beispiel: “In einem Bordell nahe Hannover wurde Reklame gemacht: “Für 8,99 eine Frau, ein Würstchen, ein Bier““, erinnert sich Ackermann. Die Polizei habe das nicht glauben wollen. “Als sie anrückte, traf sie auf drei rumänische Frauen und 100 Freier in der Schlange.“ Da sich die Frauen in so einer Situation aber im Regelfall nicht trauten, zu sagen, dass sie gezwungen worden seien, gebe es keine Handhabe. “Es ist ungeheuerlich, dass Frauen vermarktet werden wie Essen und Trinken.“

Was kann getan werden? “In einem ersten Schritt muss es eine Bestrafung von Freiern geben, die erkennen, dass die Frau zur Prostitution gezwungen wird, und trotzdem die Dienste in Anspruch nehmen“, sagte Ackermann.

Imke Hendrich, dpa

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