Nervenkrieg um Bombenleger geht in zweiten Tag

+
Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos vor dem Haus in Vierheim, in dem sich der Bombenleger aufhalten soll.

Viernheim - Der Nervenkrieg um den Bombenleger im südhessischen Viernheim ist ohne sichtbare Fortschritte in den zweiten Tag gegangen.

Lesen Sie dazu:

Nervenkrieg in Viernheim dauert an

Bombenleger liefert sich Nervenkrieg mit der Polizei

Explosion: Polizei verhandelt mit Bombenleger

Explosionen in Weinheim und Viernheim

Unverändert hält sich der 44-Jährige in der Wohnung eines mehrstöckigen Hauses verschanzt und droht mit weiteren Explosionen. Am Mittwochmorgen hatte er in einem Wohnhaus mehrere Sprengsätze gezündet und sich dann in seiner nahe gelegenen Wohnung vor der Polizei versteckt. Mögliches Motiv könnten Geldnot und eine Räumungsklage gegen ihn gewesen sein.

Sprengstoffkommando in Weinheim und Viernheim

Sprengstoffkommando in Weinheim und Viernheim

Die Polizei setzt bei ihrer Taktik auf Zeit und Verhandlungen. Sie hat mit einem massiven Aufgebot das Gebiet um die Wohnung abgesperrt. Rund 100 Menschen mussten ihre Häuser verlassen und die Nacht woanders verbringen. “Wir hoffen immer noch, dass der Mann rauskommt“, sagte Polizeisprecher Ferdinand Derigs am Donnerstagmorgen.

Gas im Umkreis abgestellt

Im Umkreis des Bombenlegers von Viernheim ist aus Sicherheitsgründen die Gasversorgung abgestellt worden. Das berichtete Viernheims Bürgermeister Matthias Baaß (SPD) am Donnerstag. Damit soll verhindert werden, dass es beim Zünden von weiteren Sprengsätzen zu einer Gas-Explosion kommt.

Baaß zeigte sich erschüttert darüber, dass der 44 Jahre alte mutmaßliche Täter am Mittwoch mehrere Detonationen verursacht hatte. “Es ist kaum zu glauben, dass hier auf ein Privathaus ein Anschlag verübt wurde.“ Baaß, der in der Nachbarschaft wohnt, sagte, er kenne den 44-Jährigen nicht näher. Die Polizei befürchtet, dass der Mann noch Sprengstoff hat.

SEK agiert äußert vorsichtig

Das Spezialeinsatzkommando agiert äußerst vorsichtig. Auf den Straßen sind große Lastwagen quergestellt und versperren die Sicht auf das belagerte Gebäude. Die Polizei vermutet, dass der von Nachbarn als Sprengstoff-Narr beschriebene 44-Jährige in der Wohnung noch weitere Sprengfallen installiert hat. Kein Risiko eingehen, lautet die Devise. “Wir wollen weder unsere Einsatzkräfte noch andere Personen gefährden“, sagt Derigs.

Bei dem Anschlag am Mittwoch wurde ein 32 Jahre alter Familienvater leicht verletzt, seine Frau und zwei Kinder erlitten einen Schock. Zu einem Motiv für die Explosionen und zu ihren Erkenntnissen über den Mann sagt die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nichts. Der Mann soll aber Schulden haben und als Handwerker auf unbezahlten Rechnungen sitzen.

Warten in der Sommerhitze

Der “Bild“-Zeitung sagte er, die Viernheimer Familie habe die Rechnung für eine von ihm installierte Heizung nicht bezahlt. Auch der Besitzer des Hauses in Weinheim, an dem am Mittwoch ein Sprengsatz gezündet wurde, habe ihm für Arbeiten am Haus 2000 Euro geschuldet. Dazu sei kurzfristig noch die Räumungsklage von seinem Vermieter gekommen.

So beginnt der zweite Tag des Bombenleger-Dramas, wie der erste endete: Mit Warten in der Sommerhitze. “Wir haben Kontakt zu dem 44- Jährigen“, sagt Derigs. “Aber wie lange das hier noch geht, weiß keiner.“

Von Joachim Baier

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare