Psychotherapeuten warnen vor IQ-Doping

Berlin - Die Bundespsychotherapeutenkammer hat davor gewarnt, psychoaktive Arzneimittel zur Leistungssteigerung bei gesunden Menschen einzusetzen.

“Bisher hat noch jede Pille, insbesondere Psychopharmaka, ihre Nebenwirkung“, sagte Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) am Mittwoch in Berlin.

“Rund fünf Prozent der Arbeitnehmer nutzen chemische Mittel zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit“ sagt Richter und beruft sich dabei auf den diesjährigen Gesundheitsreport der DAK. Umfragen in den USA zeigten, dass dort etwa jeder zehnte Student Amphetamine zu “nicht-therapeutischen Zwecken“ schlucke. “Das Beunruhigendste daran ist der Ansatz, sich nicht mehr auf seine eigenen Potenziale zu verlassen“, so Richter.

Schon bei Kindern mit Lernschwierigkeiten werde immer häufiger zu leistungssteigernden Medikamenten gegriffen. “Damit lernen sie schon früh, dass Probleme mit Pillen behandelt werden“, kritisiert der BPtK-Präsident. Ähnlich wie im Radsport drohe langfristig eine Verschiebung der Leistungsnormen: Um mithalten zu können, würden im Laufe der Zeit immer mehr Menschen zum IQ-Doping greifen. “Irgendwann wird der erste Nobelpreisträger unter Tränen gestehen, dass er seine Leistungen unter dem Einfluss von Medikamenten vollbracht hat“, sagt Richter.

Zu den Wirkstoffen, die aufgrund ihrer aufputschenden, stress- und angstlösenden Wirkung auch für Gesunde diskutiert werden, gehören nach Angaben der BPtK Amphetamine und Antidepressiva. Wie viel die Pharma-Industrie jedes Jahr mit psychotropen Substanzen umsetze, sei unklar.

ap

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