Rentner leugnet Mordabsicht gegen Zeugen Jehovas

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Ein Rentner in Bielefeld ist angeklagt, einen Mordanschlag auf eine Zeugen Jehovas verübt zu haben.

Bielefeld - Nach dem Maschinenpistolen-Überfall auf mehr als 80 Zeugen Jehovas in Bielefeld hat der angeklagte Rentner jede Mordabsicht abgestritten.

Vor dem Landgericht berichtete am Donnerstag ein Psychiater aus den Gesprächen mit dem 83-Jährigen nach der Tat. Dabei habe der Angeklagte behauptet, er habe mit der Aktion auf die Gefährdung der Zeugen Jehovas durch Islamisten aufmerksam machen wollen. Die Anklage wirft dem Mann 81-fachen versuchten Mord vor. Er soll im Juli 2009 versucht haben, mit einer Maschinenpistole im Gemeindesaal möglichst viele der Anwesenden “heimtückisch zu erschießen“.

Die Waffe versagte aber, der Mann wurde überwältigt. Im Prozess hat sich der 83-Jährige bisher nicht zur Tat geäußert. Staatsanwalt Klaus Metzler sprach am Rande der Verhandlung von einer “abstrusen Geschichte“, die der Mann aus Halle/Westfalen aufgetischt habe. Metzler vermutet als Motiv vielmehr Rache für die Entfremdung des Rentners von seiner Tochter, einer Anhängerin der Zeugen Jehovas. Der Psychiater berichtete am Donnerstag, wie der gelernte Maurer und langjährige Justizvollzugsbeamte die Vorgeschichte der Tat geschildert habe.

Geschichte um die Waffe

Demnach habe sein Hund die Waffe im Wald gefunden. Der Rentner habe sie gereinigt, ausprobiert und sei von der Feuerkraft beeindruckt gewesen. Zu der Zeit habe der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor der Gefährdung durch islamistische Terroristen gewarnt. Eine besonders christliche Gemeinschaft wie die Zeugen Jehovas müssten doch besonders gefährdet sein, gab der Psychiater die Aussage des 83-Jährigen wieder. Darum habe er die Waffe und die Munition in einer Tasche bei der Gemeinde abstellen wollen. Der Fund sollte dann die Gefahr verdeutlichen. Zugleich habe er so die illegale Waffe und die Munition loswerden wollen. Er habe vor der Tat mit einem Zeugen Jehovas aus der Gemeinde in Halle über die Gefahr gesprochen. Dieser habe seine Befürchtungen nicht geteilt.

Der Rentner habe sich angeblich aber gesagt: “Gottes Schutz ist gut und schön, aber eine gut geölte Waffe ist besser.“ Am Tatabend habe er sich vermummt, um nicht erkannt zu werden. Die Waffe sei die ganze Zeit in einer Tragetasche gewesen. Dann habe er die vielen Frauen und Kinder in der Gemeinde gesehen und sei umgekehrt. Der Beschuldigte habe betont, er würde nie auf Frauen und Kinder schießen, berichtete der Psychiater. Anzeichen für Demenz sehe er nicht.

Zeugen Jehovas zeichnen anderes Bild

Zwei der Zeugen Jehovas, die am Abend des 30. Juli anwesend waren, zeichneten ein ganz anderes Bild. Demnach hatte der 83-Jährige die Waffe offen in der Hand und hantierte damit herum. Besonders auffällig sei der große Schalldämpfer gewesen. Uneins waren sich die Zeugen aber, ob ein Munitionsmagazin an der Waffe angebracht war. Beide berichteten, dass sie Todesangst gehabt hätten und viele Gemeindemitglieder immer noch unter Alpträumen litten. Nach Untersuchungen von Waffenexperten der Polizei war die tschechische Maschinenpistole voll funktionsfähig. Die Verhandlung wird am 24. Februar fortgesetzt.

dpa

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