Veterinäramt schließt Betrieb im Kreis Rottweil

Nach Tierquälerei in Mastbetrieb: Schweinen droht dieses schreckliche Schicksal

Schweine stehen in einem Stall eng zusammen.
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Ein Landwirt hatte im Kreis Rottweil seine Schweine gequält. Der Betrieb wurde geschlossen. /Symbolbild)

Wegen Tierquälerei wurde ein Schweinemastbetrieb im Kreis Rottweil geschlossen. Jetzt droht den Schweinen ein trauriges Schicksal.

Update, 8. Oktober: Erst gequält, jetzt geschlachtet. Dieses traurige Schicksal droht offenbar einigen Tieren aus dem im Kreis Rottweil in Baden-Württemberg geschlossenen Schweinemastbetrieb. Der Rest der Schweine würde auf andere Betriebe verteilt. Was dort langfristig mit ihnen passiert, ist bislang nicht bekannt.

Tierquälerei in Schweinemastbetrieb aufgedeckt - jetzt droht Tieren die Schlachtung

Der Schweinemastbetrieb im Kreis Rottweil war von den Behörden Anfang der Woche dicht gemacht worden, nachdem das ARD-Magazin „Report Mainz“ die dort herrschenden widerlichen Zustände aufgedeckt hatte. Demnach hatten die Schweine vor Ort im Dreck gelebt und sich gegenseitig schlimme Verletzungen zugefügt.

Auch der Landwirt selbst hatte die Tiere offenbar geprügelt. Gegen ihn wurde Anzeige wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Unter anderem sei es um Platzmangel in den Ställen gegangen. Wie eine Sprecherin des Landratsamtes in Rottweil mitteilte, hätten die Schweine Verhaltensauffälligkeiten gezeigt.

Schweinemastbetrieb wegen Tierquälerei geschlossen - Staatsanwaltschaft ermittelt

Nach der Aufdeckung des Skandals in dem Schweinemastbetrieb durch das ARD-Magazin hagelte es Kritik. „Und wieder wird erst reagiert, als der Skandal bundesweit bekannt wird. Da muss man sich schon seine Gedanken machen“, sagte der tierschutzpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Jonas Weber. Wieder hätten investigative Journalisten sowie Soko Tierschutz e.V. die Arbeit der Behörden machen müssen.

Der Verein hatte Videoaufnahmen der gequälten Schweine aus dem Kreis Rottweil dem „Report Mainz“ zugespielt. Behörden hatten trotz der Feststellung erheblicher Mängel offenbar nicht umfassend genug reagiert. Angeordnete Maßnahmen hatte der Landwirt nicht umgesetzt und seine Tiere im Schweinemastbetrieb weiter gequält. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Der Schweinemastbetrieb wurde vorläufig geschlossen.

Tierquälerei in Schweinemastbetrieb: Soko Tierschutz in kurzer Zeit zum zweiten Mal aktiv

Auch bei einem Schlachthof im baden-württembergischen Gärtringen* hatte erst die Soko Tierschutz e.V. die Zustände publik gemacht, ehe der Betrieb geschlossen wurde.

Rottweil: Tierquälerei in Schweinebetrieb wohl seit Juli bekannt

Erstmeldung, 8. Oktober: Schreiende Schweine, Tiere die andere massiv beißen, Dreck überall und ein Landwirt, der seine Schweine prügelt. Es ist nur schwer mitanzusehen, welche Zustände in einem Schweinemastbetrieb im Kreis Rottweil in Baden-Württemberg herrschten. Noch schwerer zu verstehen ist allerdings, warum offenbar trotz vorliegender Beweise nicht schneller gehandelt wurde. Wie die am gestrigen Mittwoch ausgestrahlte Sendung von „Report Mainz“ nahelegt, brachten erst die Recherchen des ARD-Magazins den Stein ins Rollen. Nun wurde der Betrieb wegen „unhaltbarer Zustände“ geschlossen.

Wie echo24.de* im Bezug auf „Report Mainz“ berichtet, hatte ein Anwohner schon im Juli beim zuständigen Veterinäramt in Rottweil auf die Tierquälerei im Mastbetrieb hingewiesen. Er habe beim Spaziergang die Schweine schreien hören. „Dann hab ich gesehen, wie die Schweine alle in Käfigen drin liegen, die kleiner sind, als sie selber“, sagt der Mann gegenüber „Report Mainz“. Er habe mit seinem Smartphone gemachte Aufnahmen an das Veterinäramt weitergegeben.

Wie das Landratsamt mitteilt, waren daraufhin bei einer ersten Überprüfung des Betriebs Ende Juli bereits „erhebliche tierschutzrelevante Mängel“ zutage getreten. Daraufhin seien „umfassende Maßnahmen gegenüber dem Betrieb“ angeordnet worden. Doch in Rottweil passierte offenbar nichts. Wie die Reportage des ARD-Magazins zeigt, könnte ein unglaublicher Grund dahinterstecken.

Rottweil: Er quälte Schweine - Landwirt ist politisch gut vernetzt

Demnach war der Landwirt aufgrund seiner politischen Aktivitäten kein Unbekannter. Wie der Anwohner gegenüber „Report Mainz“ andeutet, habe es im Kreis Rottweil deshalb Bedenken gegeben, gegen den Tierquäler vorzugehen. „Er gilt als politisch gut vernetzt, auch mit dem Landrat, der für das Veterinäramt zuständig ist. Der Landwirt trat aber auch bei Veranstaltungen mit dem Landwirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Peter Hauk, und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (beide CDU) auf“, schreibt der SWR.

Weil die Schweine weiter litten, wendete sich der Anwohner an die Tierrechtsgruppe Soko Tierschutz e.V. Diese wiederum dokumentierten laut „Report Mainz“ die widerlichen Zustände im Mastbetrieb im Kreis Rottweil über einen längeren Zeitraum. „Selbst nach den Maßstäben der Massentierhaltung ist dieser Stall wirklich ein Albtraum“, sagt Friedrich Müll von der Soko Tierschutz e.V. gegenüber dem ARD-Magazin.

Kreis Rottweil: Tierquälerei - Schweinehaltung dicht gemacht

Erst dessen Anfragen führten dann wohl am vergangenen Wochenende endlich zu einer erneuten Kontrolle der Schweinehaltung in Rottweil - und zu sofortigem Handeln. Zuvor hatte der Tierrechtsverein seine Videoaufnahmen „Report Mainz“ zugespielt.

Und endlich: 200 Ferkel wurden bereits am Wochenende in einen anderen Betrieb gebracht. Nach und nach sollen alle Schweine tierschutzgerecht anderweitig untergebracht werden. Gegen den Halter der Schweine wurde unterdessen wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Anzeige erstattet.

Tierquälerei im Kreis Rottweil: Nicht der erste Fall seiner Art

Die Tierquälerei im Kreis Rottweil ist leider nicht der erste Fall dieser Art. Auch die Zustände in einem Schlachthof im baden-württembergischen Gärtringen.sorgten bundesweit für Entsetzen. In den dortigen Skandal sind möglicherweise auch amtliche Tierärzte verwickelt.

Und auch in Tauberbischofsheim in Baden-Württemberg erhob die Soko Tierschutz schon 2018 schwere Vorwürfe gegen einen Schlachthof*. Das Verfahren gegen drei Tierärzte in diesem Zusammenhang wurde kürzlich allerdings eingestellt. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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