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Silvesternacht in Deutschland: Böller-Tote und Gewalt gegen Feuerwehr und Polizei

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Nach der Silvesterfeier am Brandenburger Tor zieht die Polizei Bilanz.

In der Neujahrsnacht blieb es nicht überall friedlich: Randalierer attackierten die Polizisten in Leipzig und Bremen. In Brandenburg gab es zwei Böller-Tote. 

Leipzig/Köln/Berlin/Triptis - In ganz Deutschland wurde in der Nacht der Jahreswechsel gefeiert. Es blieb laut ersten Polizeiberichten weitestgehend friedlich. In Leipzig jedoch kam es zu Ausschreitungen. Wir fassen hier die wichtigsten Polizeimeldungen zusammen. 

Mehrere Kinder beim Spielen mit Böllern verletzt

Mehrere Kinder sind am Neujahrstag von Böllern schwer verletzt worden. In Plettenberg im Sauerland wurden vier 12- bis 14-Jährige am Montagnachmittag verletzt, als sie mit einem Böller hantierten, der in der Nacht liegengeblieben war. Als dieser explodierte, wurde eines der Kinder an der Hand verletzt. Die anderen drei erlitten Verbrennungen und Knalltraumata. Alle vier wurden von einem Notarzt behandelt und in ein Krankenhaus gebracht.

Auf dem Marktplatz in Senden (Kreis Neu-Ulm) fanden zwei Cousins einen bis dahin nicht explodierten Böller aus der Silvesternacht. Der Jüngere von ihnen, ein Zwölfjähriger, zündete den Feuerwerkskörper - dieser explodierte sofort in der Hand des 14-Jährigen. Beide Jungen erlitten schwere Verletzungen an den Händen und im Gesicht sowie Knalltraumata. Auch ein 18 Jahre alter Cousin, der nach den anderen schauen wollte, erlitt ein Knalltrauma. Die drei wurden in ein Krankenhaus in Ulm gebracht.

Immer wieder warnt die Polizei vor illegalen Böllern und Pyrotechnik.

„Inakzeptabel“: Polizeigewerkschaften verurteilen Angriffe gegen Einsatzkräfte scharf

Polizeigewerkschaften haben Angriffe auf Polizisten, Sanitäter, Feuerwehrleute und Ehrenamtliche in der Silvesternacht verurteilt. „Die Attacken gegen Einsatzkräfte haben lebensbedrohliche Ausmaße angenommen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der „Welt“ (Montag, online). Immer wieder würden Silvesterraketen gezielt auf Personen oder Fahrzeuge gerichtet. Dadurch habe man die Einsatzkräfte „mindestens in die Gefahr schwerster Verletzungen“ gebracht.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, forderte „endlich eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, dass Gewalt in keiner Weise akzeptabel ist“. Radek sagte der Zeitung: „Das fängt im Elternhaus an und betrifft auch die Schulen.“ Selbst Beleidigungen seien eine Form von Gewalt. Es sei „besonders verwerflich, dass sich Gewalt ausgerechnet gegen jene richtet, die als Polizisten, Sanitäter oder Feuerwehrleute helfen und schützen wollen“. In der Silvesternacht seien auch Tausende Ehrenamtliche unterwegs gewesen, „um für Schutz und Ordnung zu sorgen“.

Recklinghausen: 70-Jähriger sticht zwei junge Männer nieder

Im Nordrhein-Wesfälischen Recklinghausen ist ein erzürnter Anwohner auf zwei junge Männer losgegangen und verletzte sie mit einem Messer schwer. Wie die Website der Westen berichtet, habe der Mann gegen halb zwei Uhr morgens nach einem Wortgefecht über die Lautstärke kurzerhand ein Messer gezückt und den Männern Anfang 20 schwere Verletzungen zugefügt. Diese hatten mit einer weiteren Freundin im selben Haus gefeiert. Der Täter wurde festgenommen, der Zustand der Opfer ist noch unklar.

Berlin: Silvesternacht in der Hauptstadt „im Großen und Ganzen störungsfrei“

Bei der größten Silvesterfeier Deutschlands rund um das Brandenburger Tor in Berlin herrschte großer Andrang. Alle Zugänge zur Festmeile wurden etwa eine Dreiviertelstunde vor Mitternacht komplett geschlossen, wie die Berliner Polizei mitteilte. Die Organisatoren bezifferten die Zahl der Menschen auf der knapp zwei Kilometer langen Partymeile auf "mehrere hunderttausend".

Hundertausende feierten friedlich auf der größten Silvesterparty Deutschlands.

Die Feier sei "im Großen und Ganzen störungsfrei" verlaufen. Zu der Partymeile am Brandenburger Tor zählte dieses Jahr eine speziell für Frauen eingerichtete Schutzzone, die sogenannte "Women's Safety Area". Nach Angaben der Veranstalter wurde sie im Lauf der Silvesternacht von vier Frauen aufgesucht. Der Polizei zufolge wurden in der Nacht 13 Anzeigen wegen sexueller Übergriffe erstattet, zumeist wegen "Beleidigung auf sexueller Grundlage". Sieben Tatverdächtige konnten demnach festgenommen werden.

Salzgitter: Zwölfjährige wird angeschossen und muss Notoperiert werden

Im niedersächsischen Salzgitter ist in der Silvesternacht eine 12-Jährige von einer Kugel im Oberkörper getroffen worden. Sie musste sofort in Krankenhaus und notoperiert werden. Nach Polizeiangaben ist das Mädchen außer Lebensgefahr. Ob es sich bei dieser Tat um einen Unfall handelt ist noch unklar. Wie die Polizei weiter vermeldet, wurden drei Verdächtige danke Zeugenaussagen festgenommen werden. Diese werden aktuell von den Beamten vernommen. Anschließend wird entschieden, ob sie dem Haftrichter vorgeführt werden.

Brandenburg: Zwei Böller-Tote in Brandenburg

In Brandenburg sind laut der Märkischen Allgemeinen in der Silvesternacht zwei Männer (19 und 35 Jahre alt) durch Explosionen ums Leben gekommen. Im Landkreis Märkisch-Oderland explodierte ein Böller direkt vor dem Körper eines 35-Jährigen. Er starb noch vor Ort. In Kleinmachnow (Landkreis Potsdam-Mittelmark) explodierte ein Böller vor dem Gesicht eines 19-Jährigen. Auch er starb an der Unfallstelle. 

Außerdem wurde in Flecken Zechling (Landkreis Ostprignitz-Ruppin) ein elfjähriger Junge schwer im Gesicht verletzt. Er wird in einer Spezialklinik behandelt. Laut dem Polizeibericht wollte er sich mit seinen Eltern nur das Feuerwerk anschauen, als Unbekannte einen Böller in die Gruppe warfen. Dieser explodierte vor dem Jungen. 

Kaiserslautern: Frau will Rakete anzünden und wird von Auto erfasst

Zu einem fatalen Unfall kam es in der Silvesternacht in Kaiserslauten (Rheinland-Pfalz). Laut Polizeibericht wollte eine Frau einen Böller anzünden, als sie angefahren wurde. „Sie stand auf dem Gehsteig, als sie von dem Auto erfasst wurde und eine Böschung runtergeschleudert wurde. Sie ist im Krankenhaus schon mehrfach operiert worden“, so ein Polizeisprecher laut focus.de. Das Auto sei erheblich beschädigt worden, der Fahrer floh. Eine Fahndung nach ihm mit einer Wärmebildkamera blieb zunächst erfolglos. 

Leipzig: Randalierer bewerfen Polizisten mit Böllern und Steinen

In der Silvesternacht haben Randalierer in Leipzig Polizisten mit Böllern und Steinen beworfen. Bis Mitternacht hatten sich etwa 1000 Menschen im Bereich des Connewitzer Kreuzes versammelt. Nachdem dort mehrere Mülltonnen und verschiedene Gegenstände angezündet worden seien, sei die Polizei mit Wasserwerfern angerückt, um die Brände zu löschen. 40 bis 50 Personen hätten daraufhin Flaschen, Steine und Böller gegen die Fahrzeuge und die eingesetzten Polizisten geworfen.

Über Lautsprecher hätten die Beamten die Angreifer verwarnt, teilte die Polizei in Leipzig am Neujahrsmorgen mit. Da sich die Gruppe weiterhin widersetzt hätten, habe die Polizei Wasserwerfer eingesetzt. Mehrere Personen wurden wegen schweren Landfriedensbruchs in Gewahrsam genommen. Die Polizei ermittelt.

In Leipzig blieb es nicht friedlich. 

Bremen: Bahnmitarbeiter und Polizisten mit Raketen beschossen

Auch in der Hansestadt Bremen gab es Gewalt in der Silvesternacht. Etwa 50 Randalierer haben Bahnmitarbeiter und Polizisten mit Raketen beschossen und mit Böllern beworfen. Ein Beamter sei am Oberschenkel verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich auf dem Bahnhofsvorplatz. Einsatzkräfte nahmen mehrere Männer vorläufig fest und erteilten Platzverweise.

Auch im Bremer Szeneviertel Steintor kippte ab Mitternacht die Stimmung: Raketen und Böller flogen auf Polizisten. Mehrere Beteiligte erhielten Strafanzeigen. Insgesamt sprach die Polizei von einem arbeitsreichen Jahreswechsel mit 313 Einsätzen, darunter mehr als 50 Schlägereien. Die Einsatzkräfte mussten aber nicht so häufig ausrücken wie in den beiden Vorjahren. Die Polizei führte dies auf den starken Regen zurück.

Berlin: Feuerwehrmänner mit Waffen bedroht

Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr wurden in Berlin-Mitte mit Schusswaffen bedroht. Sie alarmierten die Polizei, die daraufhin zwei scharfe Schusswaffen sicherstellte, berichtet die Berliner Zeitung. Im Stadtteil Lichtenrade ist ein Feuerwehrmann durch einen Faustschlag ins Gesicht verletzt worden. In Charlottenburg erlitt ein weiterer Feuerwehrmann Verletzungen durch einen Feuerwerkskörper. Insgesamt habe es 57 Angriffe auf Einsatzfahrzeuge gegeben, dabei sei erheblicher Sachschaden entstanden. Diese Vorfälle mache die Berliner Feuerwehr „sehr nachdenklich und betroffen“, heißt es auf Twitter. 

Triptis: Jugendliche (14) droht zu erblinden

Eine 14-Jährige hat im thüringischen Triptis durch einen explodierenden Böller schwere Augenverletzungen erlitten. Der Feuerwerkskörper war in der Silvesternacht von einer unbekannten Person in die Menschengruppe geworfen worden, in der das Mädchen stand, wie ein Polizeisprecher am frühen Montagmorgen sagte. Die Wucht der Explosion habe ihr die Brille „weggesprengt“. Ihr Augenlicht sei gefährdet. Ein gleichaltriger Junge wurde an Gesicht und Hand verletzt. 

Die beiden Jugendlichen kamen in ein Krankenhaus. Bei dem Sprengkörper soll es sich ersten Ermittlungen zufolge um einen sogenannten Polen-Böller handeln, wie der Sprecher sagte. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Köln: Einsatzlage vergleichbar mit „normalen Wochenendtag“

Die Kölner Polizei ist in der Silvesternacht zu mehreren Schlägereien im ganzen Stadtgebiet ausgerückt. Neun Frauen hätten zudem angegeben, unsittlich angefasst worden zu sein, sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen. Hier seien drei Tatverdächtige identifiziert worden. Insgesamt sei die Einsatzlage in etwa vergleichbar mit der an einem normalen Wochenendtag. „Es waren unfassbar viele Menschen in der Stadt“, sagte der Sprecher. Szenen wie in der berüchtigten Kölner Silvesternacht vor zwei Jahren habe es nicht gegeben. So sei es nirgendwo zu Zusammenrottungen von mehreren hundert Menschen gekommen.

In der Silvesternacht 2015/16 waren in Köln viele Frauen von Männergruppen sexuell bedrängt und bestohlen worden. Unter den Beschuldigten waren viele Nordafrikaner und Flüchtlinge.

München: Arbeitsreiche Nacht für die Polizei 

In der bayerischen Landeshauptstadt gab es am Silvesterabend bis 5 Uhr am Neujahrsmorgen zwar 170 „silvestertypische Einsätze“, meldet die Polizei.  Es handelte sich hauptsächlich um Streitereien und Randalierer (50), Einsätze im Zusammenhang mit pyrotechnischen Gegenständen (21), Sachbeschädigungen (10), Körperverletzungen (20), Ruhestörungen (41) und Brände (35).

mag mit Material der dpa

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