„Spiegel“: Krümmel ging trotz Sicherheitsbedenken wieder ans Netz

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Das Kernkraftwerk Krümmel hatte sich nach seinem Neustart selbst abgeschaltet.

Hamburg - Das Kernkraftwerk Krümmel durfte im Juni dieses Jahres nach zweijähriger Pause laut einem Bericht des “Spiegels“ trotz Sicherheitsbedenken wieder ans Netz.

Das Hamburger Nachrichtenmagazin beruft sich in seiner Vorabmeldung vom Samstag auf vertrauliche Unterlagen und Gutachten.

Die schleswig-holsteinische Atomaufsicht wies die erhobenen Vorwürfe nachdrücklich zurück. “Entgegen Behauptungen des Spiegel standen dem Wiederanfahren des Kernkraftwerks Krümmel nach dem fast zweijährigen Stillstand im Juni 2009 keine sicherheitstechnischen Gesichtspunkte entgegen. Dies gilt auch für die vom Spiegel selektiv zitierten, aus dem Zusammenhang herausgerissenen Aussagen aus einem Gutachten des Öko- Instituts aus dem Jahre 2007“, sagte der Leiter der Reaktorsicherheitsabteilung, Wolfgang Cloosters. Zu diesem Ergebnis sei die Reaktorsicherheitsbehörde auch in Übereinstimmung mit den Gutachtern des Öko-Instituts gelangt. Auf der Basis der Dauerbetriebsgenehmigung aus dem Jahre 1983 sowie des geltenden Atomgesetzes habe das Ministerium deshalb nach Abschluss der Sanierungsarbeiten und Mängelbeseitigungen die Zustimmung zum Wiederanfahren erteilen müssen. Hierauf bestand ein Rechtsanspruch, wie das Ministerium erklärte.

Nach dem Trafo-Brand am 28. Juni 2007 hatte das für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerium Experten des Öko-Instituts beauftragt, die Aufarbeitung des Ereignisses durch den Betreiber Vattenfall zu bewerten. Diese monierten dem Bericht zufolge eine generell mangelhafte Lernbereitschaft beim Kraftwerkspersonal, wie der Spiegel schrieb. Vor allem in Bereich “Organisation und Kommunikation“ gebe es gravierende Defizite. Insgesamt müsse man davon ausgehen, “dass bisher der Erfahrungsrückfluss und die Erfahrungsauswertung im Kernkraftwerk Krümmel unzureichend gepflegt“ wurden, berichtet das Magazin und zitiert: “Dies kann maßgeblichen Einfluss auf die Sicherheitslage haben.“

Funktionierendes Sicherheitsmanagement gefordert

Die von Vattenfall nach dem Brand in einem “Maßnahmenpaket“ vorgeschlagenen Änderungen im Bereich der “Organisation und Kommunikation“ seien, “gemessen an den vorliegenden Erkenntnissen, unvollständig“. Die Gutachter empfahlen demnach “ein funktionsfähiges Sicherheitsmanagementsystem“ aufzubauen. In ihrer Stellungnahme zum Stand der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen von Ende Mai 2009 merken die Gutachter laut Spiegel zum Thema “Anfahrrelevanz“ an: “Kann voraussichtlich vor Wiederanfahren nicht geklärt werden.“ Am 19. Juni ging das Kernkraftwerk Krümmel dennoch wieder ans Netz. Nach mehreren Problemen wurde der Reaktor schließlich am 4. Juli wegen einer Störung in einem der beiden Maschinentransformatoren per Schnellabschaltung vom Netz genommen und ist bis heute abgeschaltet.

AP

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