Studie: Schulden machen dick

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Eine Studie zeigt: Zwischen Schulden und Übergewicht besteht ein Zusammenhang.

Mainz - Zwischen Überschuldung und Fettleibigkeit besteht Mainzer Wissenschaftlern zufolge ein eindeutiger Zusammenhang.

Laut ihrer am Freitag veröffentlichten Studie haben überschuldete Menschen in Deutschland ein höheres Risiko, übergewichtig oder fettleibig zu sein als der Bevölkerungsdurchschnitt. Als Gründe nannten die Mediziner hohe Preise für gesunde Lebensmittel, fehlendes Wissen über gesunde Ernährung und vor allem die psychisch und sozial belastende Situation Überschuldeter: Diese könne zu einer Neigung zum “Trost-Essen“ und zu körperlicher Inaktivität führen.

Der Studie liegt eine schriftliche Befragung von 949 überschuldeten Menschen zugrunde: Von diesen waren 25 Prozent fettleibig - in der deutschen Bevölkerung insgesamt seien lediglich elf Prozent. Die Forscher betonten, normalerweise würden im Zusammenhang mit Krankheiten die Faktoren Einkommen, Bildung und Arbeit untersucht.

In dieser Studie habe man jedoch gezeigt, “dass die Überschuldung einer Privatperson mit der Wahrscheinlichkeit von Übergewicht und Fettleibigkeit einhergeht - und zwar unabhängig von den anderen genannten sozioökonomischen Faktoren“.

“Energiereiche Nahrungsmittel sind billiger“

Schulden könnten sich auf die Risikofaktoren für chronische Erkrankungen auswirken - etwa wenn weniger Freizeitaktivitäten stattfänden oder die Teilnahme an sozialen Ereignissen reduziert werde. “Energiereiche Nahrungsmittel wie Süßigkeiten oder fettige Snacks sind meistens billiger als Nahrungsmittel mit geringem Energiegehalt, etwa Früchte oder Gemüse“, sagte die Autorin der Studie, Eva Münster vom Institut für Arbeits-, Sozial und Umweltmedizin.

Sie warnte, dass sich die aktuelle Finanzkrise auch in gesundheitlicher Hinsicht auf die privaten Haushalte auswirken und das Problem eventuell noch verschärfen werde. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung schätzt die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland auf rund 3,5 Millionen.

AP

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