Künstliche Bakterien in Deutschland umstritten

München/Bielefeld - Das neu geschaffene Bakterium mit künstlichem Erbgut ist in Deutschland höchst umstritten.

Es gebe aus juristischer Sicht keinen Einwand dagegen, ein solches Lebewesen auch in Deutschland herzustellen. Das sagte der Biotechnologe Prof. Alfred Pühler von der Universität Bielefeld am Freitag. “Craig Venter hat ein Genom genutzt, wie es in der Natur auch vorkommt.“

Pühler verwies darauf, dass bereits jetzt einzelne Gene von Lebewesen einer Art in die einer anderen verpflanzt werden. Doch an der neuen Technik gab es auch viel Kritik. Man dürfe die Möglichkeiten eines Missbrauchs, etwa für Biowaffen, nicht ausblenden, sagte der Kölner Stammzellforscher Jürgen Hescheler am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Im gesellschaftlichen Konsens müssten klare Regeln entstehen “Was will man und was will man nicht.“

Auch der Biotechnik-Kritiker Christoph Then warnte vor Biowaffen aber ebenso vor Umweltgefahren: “Die Auswirkungen einer Verbreitung synthetischer Gene oder Organismen in der Umwelt können nicht abgeschätzt werden.“ Der langjährige Gentechnik-Experte von Greenpeace leitet jetzt den Verein Testbiotech, der die Folgen der Biotechnologie analysiert. Er forderte klare gesetzliche Verbote.

Ein Team um den US-Genetiker Craig Venter hatte das Erbgut eines natürlichen Bakteriums aus einzelnen Erbgutstückchen nachgebaut und dieses Kunstgenom in eine andere Bakterienart eingesetzt. Venter möchte auf diese Weise Bakterien entwickeln, die etwa Impfstoffe oder Biokraftstoffe herstellen. Seine Arbeit stellte er im Journal “Science“ von diesem Freitag vor. Nach Angaben Heschelers hat Venter für seine Technik riesige Summen investiert.

Spezialisierte Geräte-Parks seien vonnöten, die in deutschen Labors aber nicht vorhanden seien, sagte der Professor am Kölner Uniklinikum. Für die militärische Forschung würde er Experimente mit künstlichen Bakterien strikt verbieten. Denn es seien damit Waffen möglich, die durch nichts mehr neutralisiert werden könnten. Pühler hält die Gefahr hingegen für gering, dass mit der synthetischen Biologie Biowaffen hergestellt werden.

Ziel der Forscher weltweit sei eher, die Mikroorganismen in großen Tanks ein gewünschtes Produkt herstellen zu lassen - dazu nehme man ihnen oft alle Gene weg, die für sie nicht lebenswichtig sind. “Diese Minimalzellen können in der freien Natur normalerweise nicht überleben“, sagte Pühler. Er sieht hohe technische Hürden, Krankheitserreger herzustellen. Die lange Evolution der Erreger könne man nicht kurzfristig am Schreibtisch nachvollziehen. “Biowaffen sind leichter aus der Natur zu holen.“

Pühler ist Mitautor der “Stellungnahme Synthetische Biologie“, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der Akademie Acatech herausgegeben wurde. Der Vatikan hat noch keine klare Meinung zur Schaffung des Bakteriums. “Wenn die Entdeckung für das Gute genutzt wird, um Krankheiten zu heilen, können wir nur positiv darauf reagieren“, erklärte der Präsident des vatikanischen Rats für das Leben, Monsignore Rino Fisichella, im Ersten Italienischen Fernsehen. “Sollte sich hingegen das Gegenteil herausstellen, ändert sich unser Urteil“, so der Vatikanspezialist für Bioethik.

Simone Humml

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