Tödliche Irrfahrt durch den Schwarzwald

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Die Leiche von Monika H. wurde in einem Fluss bei Villingen-Schwenningen gefunden.

Villingen-Schwenningen - Es war eine Irrfahrt in den Tod: Vier Tage und drei Nächte lang ist eine Frau mit dem Zug und zu Fuß durch den Schwarzwald geirrt, ohne dass sie Hilfe fand.

Am Ende verließen sie die Kräfte, sie starb an Erschöpfung. Ihre Leiche wurde am Sonntag von einer Spaziergängerin in einem Fluss bei Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) entdeckt, einen Tag später wurden die Ermittlungen abgeschlossen.

Wie die Schwäbische Zeitung meldet, handelt es sich dabei um die 61-jährige Monika H. aus Tuttlingen.

“Es war ein Wettlauf mit der Zeit. Wir haben ihn verloren“, sagt am Montag Polizeisprecher Wolfgang Schoch, als er die Akten schließt. Die 61 Jahre alte Frau, die wegen einer früheren Erkrankung unter Gedächtnisverlust und Orientierungslosigkeit litt, galt bereits seit Donnerstag als vermisst. Sie wollte zur Therapie, stieg aber in Tuttlingen in den falschen Zug ein.

Ein Fehler mit tödlichen Folgen: Mit verschiedenen Zügen und zu Fuß irrte sie Tag und Nacht auf einer Distanz von mehr als 130 Kilometern umher, durchquerte drei Landkreise. Die Polizei suchte fieberhaft und mit einem Großaufgebot nach ihr. Doch ohne Erfolg.

“Die Frau war nicht in der Lage, auf ihre hilflose Lage aufmerksam zu machen“, sagt Schoch. Zwar besuchte sie mehrere Gaststätten, um dort auf die Toilette zu gehen. Aber als die Wirte aufmerksam wurden, war die Frau schon wieder verschwunden. Suchhunde nahmen die Fährte auf. In den unübersichtlichen und menschenleeren Waldgebieten des Schwarzwalds verlor sich die Spur. “Sie hat vier Tage lang nichts gegessen und getrunken“, sagt Schoch. “Zudem ist es nachts im Schwarzwald noch sehr kalt.“

Orientierungslose stürzte Abhang herunter

Als die Kräfte schwanden, stürzte die Frau einen Abhang hinunter in den Fluss. Dort starb sie. “Sie hat keine äußeren Verletzungen, einzige Todesursache ist Erschöpfung.“ Selbstmord oder ein Gewaltverbrechen werden ausgeschlossen.

“In einer Großstadt wäre vielleicht früher jemand auf die Frau aufmerksam geworden“, sagt Schoch. In den Wäldern und abgelegenen Tälern des ländlich geprägten Schwarzwalds sei der Frau aber kaum jemand begegnet. Es könne daher niemandem ein Vorwurf gemacht werden. “Wir haben nicht den kleinsten Anhaltspunkt für unterlassene Hilfeleistung.“

Verwirrte und vermisste ältere Menschen sind für die Polizei und Rettungsdienste eine wachsende Herausforderung. Weil die Gesellschaft älter wird, steigt auch die Gefahr, dass alte und kranke Menschen die Orientierung verlieren und umherirren. “Unsere Gesellschaft muss sich darauf einstellen und sensibler werden“, sagt der Nürnberger Altersforscher Cornel Sieber. “Wir müssen wachsam sein und uns verantwortlich fühlen.“ Dies gelte auch für Senioreneinrichtungen, aus denen die Bewohner immer wieder verschwinden und dann gesucht werden müssen.

Jürgen Ruf, dpa/fro

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