U-Bahn-Pfusch: Druck auf Baukonzern wächst

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Der Bauschacht der U-Bahn Baustelle Heumarkt  in Köln. In dem Bauschacht Heumarkt in Rhein-Nähe gehen die Arbeiten zum Schutz vor Hochwasser weiter.

Köln - Nach neuen Enthüllungen zum Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau macht der Baukonzern Bilfinger Berger eine Kehrtwende: Es werde eine “gründliche und schonungslose Ursachenforschung“ geben.

Bilfinger hat die Federführung bei der Ausführung des Milliarden-Projekts. Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) hatte die Informationspolitik des Konzerns als völlig unzureichend kritisiert. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) - Bauherr der unterirdischen Nord-Süd-Stadtbahn - prüfen derzeit eine Kündigung des Vertrags mit dem Baukonsortium um Bilfinger Berger.

Der Konzern wolle die Vorgänge nun umfassend aufklären, betonte Bodner. Ziel sei es, durch “enge Kooperation“ mit den Behörden und einer “offenen Kommunikation“ das Vertrauen in die Baumaßnahme wieder herzustellen. Er nannte es “unbegreiflich“, dass stabilisierende Eisenbügel an den Schlitzwänden nicht eingebaut wurden. Trotz falscher Messprotokolle an den Wänden sei es aber zu “keinen geometrischen Abweichungen gekommen“, die die Standsicherheit gefährden würden. Das hätten Berechnungen der am Bau beteiligten Unternehmen ergeben.

Staatsanwalt ermittelt gegegn 12 Personen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit dem U-Bahn- Bau in mehreren Fällen gegen insgesamt zwölf Personen, darunter auch Mitarbeiter von Bilfinger. Drei Mitarbeiter hatte der Konzern wegen der Vorwürfe freigestellt. Wer Schuld hat an den Missständen, ist noch unklar. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt in mehreren Fällen. Auch der Einsturz des Stadtarchivs am 3. März 2009 - das Gebäude lag direkt an einer der ins Visier geratenen drei Baustellen - steht im Zusammenhang mit den unterirdischen Arbeiten.

Unterdessen gingen am Bauschacht Heumarkt in Rhein-Nähe am Donnerstag die Arbeiten zum Schutz vor Hochwasser weiter. Schwere Stahlplatten sollen laut KVB dafür sorgen, dass bei steigenden Wassermassen der Druck von außen auf die Wände nicht zu hoch wird. Zudem werden Vorbereitungen getroffen für eine Flutung der Grube, die im Notfall bei Extrem-Hochwasser nötig werden könnte. Die Baumaßnahmen sollen bis Ende der Woche fertig sein. Dann wird nach den Prognosen auch der Rheinpegel steigen, der derzeit mit 2,7 Metern noch unkritisch ist.

Ab 6,50 Meter Rheinpegel U-Bahn-Grube fluten

Die Stadt Köln will bei einem Pegelstand des Rheins von 6,50 Meter eine gefährdete U-Bahn-Großbaustelle in der Innenstadt fluten. Stadt und Verkehrsbetriebe haben mit den Vorbereitungen für die kontrollierte Flutung begonnen. “Wir richten uns darauf ein, ab einem Pegelstand des Rheins von 6,50 Meter eine solche Maßnahme umzusetzen“, sagte der Stadt-Sprecher Gregor Timmer am Donnerstag und bestätigte einen Bericht der “Kölnischen Rundschau“. Die Stabilität der unterirdischen Schutzwände ist Experten zufolge bei Rhein- Hochwasser in der Baugrube am Heumarkt gefährdet, da dann auch der Grundwasserspiegel steigt und extrem auf die Wände drückt.

In der Baugrube fehlen in großem Stil stabilisierende Eisenteile, die gestohlen und an Schrotthändler verkauft worden sein sollen. Die Hochwasser-Schutzzentrale der Stadt Köln rechnet ab dem Wochenende mit einem Ansteigen des Pegels, der derzeit noch unter drei Meter liegt. Demnächst könnten aber wegen Schneeschmelze bis zu acht Meter erreicht werden.

dpa

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