„Toleranz sieht anders aus“

Unverschämt? Schilder dieses Burgerladens sorgen für Diskussionen

Köln - In Köln herrscht Karnevals-Ausnahmezustand - mit allen positiven wie negativen Folgen. Die Schilder eines Burgerladens sorgen nun für Diskussionen.

„Do bes e Jeföhl“, „De Zoch kütt“, „Jede Jeck es anders“, „Drink doch ene met“. Wenn Sie jetzt nur Bahnhof verstehen, sind Sie wohl kein Kölner. Und auch kein Fan des Karnevals. Die Rhein-Metropole steht derzeit Kopf, Einheimische und Touristen feiern Arm in Arm. Noch bis nächsten Mittwoch ist der Karneval dort in vollem Gange. Und das Kölsch fließt in Strömen.

Wo oben viel reinläuft, muss unten viel raus - und weil man mit dem Gang auf die Toilette nicht zu lang warten kann, sucht man halt die nächstbeste Möglichkeit. Zum Leidwesen manches Restaurants. Denn die Toiletten in der Gastronomie sind natürlich zuallererst für die Kunden vorgesehen.

Die Burger-Braterei Freddy Schilling im Kwartier Latäng hat sich deswegen zu einem drastischen Schritt entschieden: Sie tapeziert ihr Schaufenster mit ausdrücklich unfreundlichen Plakaten. „Keine Toilette!!!“ oder „Kein WC“ ist dort zu lesen, wie der Express dokumentiert.

„Wir waren es einfach leid, an den jecken Tagen gefühlt 800 Mal gefragt zu werden”, sagte ein Mitarbeiter dem Blatt. Auf Nachfrage unserer Onlineredaktion hieß es: Man werde die Sache durchziehen und weiter plakatieren.

Unter dem Facebook-Beitrag des Express meldet sich der Betreiber zu Wort und stellt klar, dass die Schilder nicht lügen. Soll heißen: Es gebe auch für die Kunden keine Toilette in dem Imbiss. Und es werde auch kein Bier ausgeschenkt. „Kein Bier, kein Klo, das ist leider nur mal so :)“ In einer anderen Filiale gebe es eine Toilette.

Dass das Schaufenster mit Plakaten tapeziert ist, sorgt dessen ungeachtet natürlich trotzdem für Diskussionen. „Man braucht einfach mehr öffentliche Toiletten“, fordert Maurice S. bei Facebook und berichtet von einem drastischen persönlichen Notfall. „2 € pro Toilettengang dann könnte der Laden n gutes Geschäft machen“, schlägt Sandy F. vor. Davut I. kritisiert: „Nützen wollen die Jecken alles sehr gerne, aber nur für lau ..... so feiert man aber nicht!“

Astrid L. hingegen findet: „Als ob man sich da was vergibt ... Toleranz sieht anders aus.“ Was natürlich nichts daran ändert - wo keine Toiletten sind, kann man auch keine für Kunden freigeben.

Ähnliche Probleme wie in Köln kennt man übrigens auch in München: Dort gibt es zur Wiesn-Zeit auch viele Menschen mit dringendem Toiletten-Drang - und pinkeln sogar an eine Kirche, wie tz.de 2010 berichtete. Die Kollegen bieten auch eine Karte mit öffentlichen Toiletten in München an.

lin

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