Am Dienstag gibt‘s die Entscheidung

Welcher Begriff wird „Unwort des Jahres“?

Darmstadt - Unter den in Frage kommenden Einsendungen für das „Unwort des Jahres“ gibt es viele Begriffe zum Thema Flüchtlinge. Die Jury will am Dienstag ihre Entscheidung bekanntgeben.

Das „Unwort des Jahres 2016“ könnte wieder ein Begriff aus der Flüchtlingsdebatte werden. Von den etwa 20 Schlagwörtern in der engeren Diskussion hätten etwa drei Viertel mit dem Thema zu tun, sagte die Sprecherin der Jury, die Darmstädter Sprachwissenschaftlerin Nina Janich (48). Die Jury richtet sich aber nicht danach, wie oft Begriffe eingesendet werden, sondern entscheidet unabhängig. Das „Unwort des Jahres 2016“ soll am Dienstag (10.1.) in Darmstadt bekanntgegeben werden. Für 2015 war es die häufig von Rechtspopulisten verwendete Bezeichnung „Gutmensch“.

Im Rennen sind diesmal Bezeichnungen wie „Rapefugee“ oder „Umvolkung“. Im ersten Fall werden die englischen Worte für Vergewaltigung (rape) und Flüchtlinge (refugee) verbunden. Der zweite Begriff entstammt der Terminologie der Nationalsozialisten. Es werde eine schwierige Wahl werden, meinte Janich. „Ich kann überhaupt nicht sagen, was rauskommt.“ Sie selbst würde sich für „flexible Solidarität“ aus der Debatte um Flüchtlingsquoten entscheiden: „Wenn man vor den Begriff „Solidarität“ noch „flexibel“ davorstellt, kann man es auch lassen.“

„Nafri“ hat eher geringe Chancen

Das kürzlich gebrauchte Schlagwort „Nafri“ - im Polizeijargon für „nordafrikanischer Intensivtäter“ verwendet - habe aber vermutlich weniger Chancen, sagte Janich. „Eine Abkürzung für eine Menschengruppe ist nicht unbedingt diffamierend, vom Klang her relativ neutral.“ Das Schlagwort „Fake News“ für absichtliche Falsch-Informationen falle eigentlich auch weg, die Bedeutung stamme aus der englischen Sprache.

Die „Unwort“-Aktion gibt es seit 1991. Sie will auf „undifferenzierten, verschleiernden oder diffamierenden öffentlichen Sprachgebrauch aufmerksam machen“. Die Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten.

Das „Wort des Jahres“: „postfaktisch“

Für 2016 sind 1064 Einsendungen mit 594 verschiedenen Vorschlägen eingegangen. 2015 hatte es 1644 Einsendungen gegeben, mehr als in den Jahren 2014 (1246) und 2013 (1340).

Zuletzt waren vor „Gutmensch“ die Wörter „Lügenpresse“ (2014), „Sozialtourismus“ (2013), „Opfer-Abo“ (2012) und „Döner-Morde“ (2011) ausgewählt worden.

Unabhängig vom „Unwort des Jahres“ gibt es auch das „Wort des Jahres“. Diesen Begriff wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden aus. Für 2016 entschied sie sich für das Schlagwort „postfaktisch“. Die Begründung: in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen gehe es zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten.

dpa

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