Oktoberfest: Gäste feiern trotz El Kaida-Drohungen

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Wiesnbesucher im Weinzelt.

München - Trotz der Drohungen des Terror-Netzwerks El Kaida: Auf dem Münchner Oktoberfest wird unbeschwert weitergefeiert.

Schulklassen tobten am Dienstag über das Festgelände, Besucher in festlicher Tracht strömten zur Theresienwiese. Die Wirte registrierten nur einige wenige Stornierungen. "Ich kann niemandem abraten, auf die Wiesn zu gehen", betont Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer. "Ich bin auch da - auch privat."
In zwei von sechs Drohvideos war auf das Münchner Oktoberfest Bezug genommen worden. Zwei in München lebende mutmaßliche Islamisten wurden bis zum Ende des Volksfestes vorbeugend in Polizeigewahrsam genommen. Die Verantwortlichen wollen jede Panik vermeiden. "Wir haben alle Maßnahmen ergriffen, die notwendig sind, um eine sichere Wiesn zu gewährleisten", sagt Schmidbauer. Und Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl ruft: "Herzlich willkommen auf der sicheren Wiesn!"

Polizeibusse, Streifenwagen und Lastwagen blockieren die Zufahrtsstraßen zum größten Volksfest der Welt. Mancher Besucher muss den Rucksack oder die Tasche öffnen. Polizeibeamte in teils schwarzen Anzügen, die als Ausrüstung auch Maschinenpistolen dabeihaben - nicht unbedingt ein friedfertiges Bild. Doch Sorgen machte sich kaum jemand. "Wir haben davon gehört", sagt Besucher Giacomo Baldo aus Kalabrien zu den Terror-Drohungen. "Je mehr man darüber redet, desto schlimmer macht man es - besser nicht soviel reden."

Manche Wirte halten es für möglich, dass bis zu einem Viertel der Besucher wegbleibt. "Es kann sein, dass ein paar Leute weniger kommen", sagte Wirtesprecher Toni Roiderer. Vorrang habe aber die Sicherheit. Sollte es wirklich Absagen geben, "freuen sich die anderen, die dann einen Platz haben". Manche spekulierten sogar auf Absagen, um selbst einen Tisch zu ergattern, berichtete der Wirt des Armbrustschützenzelts, Peter Inselkammer. "Bei uns haben Leute angerufen und gefragt, ob es Stornierungen gibt." Gutscheine für Essen und Getränke könnten nicht rückerstattet, sondern nur eventuell in den Gaststätten der Wirte eingelöst werden, sagt Roiderer. "Wenn du eine Stadionkarte hast, und es regnet und du gehst nicht hin -dann spielen sie auch nicht für dich noch mal."

Goldenes Herbstwetter mit milden Temperaturen sorgt schon seit Beginn der Wiesn für unbeschwerte Feststimmung. "Es war traumhaft, wir hätten bisher kein Zelt gebraucht, sondern alles unter freiem Himmel abhalten können", sagt Löwenbräu-Festwirt Ludwig Hagn. Von Umsatzrekorden kann er dennoch nicht berichten. "Man merkt, dass die Leute weniger in der Tasche haben". Viel mehr als sonst werde mit kleinen Fünf-, Zehn- oder 20-Euro-Scheinen gezahlt, dafür seien weniger 100-Euroscheine in der Kasse.

Wegen der Bedrohung macht sich keiner der Wirte Sorgen. "Mir sind heute schon 20 Gruppen aus Kindergarten und Schulen begegnet", sagt Festwirt Peter Schottenhamel. Wenn es eine ernste Bedrohung gäbe, wären diese Besuche abgesagt worden. Auch die Mitarbeiter auf dem Oktoberfest ließen sich nicht abschrecken. "Nach dem 11. September hatte ich einige Absagen von Bedienungen, sagt der Hofbräu-Junior-Chef Friedrich Steinberg. Diesmal hingegen seien alle zur Arbeit gekommen. Absolut tabu ist in diesem Jahr allerdings ein Wort: Bombenstimmung.

Sabine Dobel

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