Neue Haftbeschwerde der Demjanjuk-Anwälte

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Demjanjuk im April, offensichtlich gut zu Fuß.

München - Die Anwälte des mutmaßlichen Nazi-Verbrechers John Demjanjuk haben erneut Haftbeschwerde eingelegt.

Es bestehe kein dringender Tatverdacht, sagte sein Münchner Anwalt Günther Maull am Freitag. "Die Beweise langen nicht." Er werde sich deshalb einer Beschwerde seines Kollegen Ulrich Busch anschließen. Es gelte die Unschuldsvermutung. Deshalb müsse der 89 Jahre gebürtige Ukrainer in ein Krankenhaus oder Pflegeheim gebracht werden - "wo ukrainisch gesprochen wird, oder eine ihm sonst verständliche Sprache".

Demjanjuk soll 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden geleistet und die Menschen in die Gaskammern getrieben haben. Nach seiner Abschiebung aus den USA sitzt er seit vergangenem Dienstag in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft München will in wenigen Wochen Anklage gegen ihn erheben. Maull geht davon aus, dass ein Prozess frühestens Mitte oder Ende September begonnen werden kann. Nach einer Anklage gebe es eine Äußerungsfrist, dann müsse die Anklage zugelassen sowie terminiert werden, im August sei Ferienmonat. Seinem Mandanten gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Maull, der Demjanjuk bereits mehrfach besucht hat. "Er sitzt im Rollstuhl, er kann aufstehen und ein paar Schritte laufen. Er ist medizinisch in guten Händen."

dpa

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