16-Jähriger beeindruckt am Klavier

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Um junge Elitepianisten zu hören, braucht man nicht in die Alte Oper zu gehen; Ein intimeres Erlebnis versprechen die Bieberer Hauskonzerte.

Offenbach-Bieber - Um junge Elitepianisten zu hören, braucht man nicht in die Alte Oper zu gehen; Ein intimeres Erlebnis versprechen die Bieberer Hauskonzerte. Der Raum im Hause Schmidt platzte beim 57. Konzert aus allen Nähten, solche Anziehungskraft bewies der Auftritt des Jüngsten aus der Meisterklasse Lev Natochenny. Von Eva Schumann

Der 16-jährige Valentin Fheodoroff zeigte mit einer Spannweite von Mozart bis Liszt vortrefflich seine individuelle Ausdrucksfähigkeit. Mozarts F-Dur-Sonate KV 533/494, deren Kopfsatz nicht mit eingängiger Melodik schmeichelt, sondern an barocken Kontrapunkt anknüpft, spielte er glasklar und mit Grazie. Von Beethoven wählte der Pianist ebenfalls keine der effektvoll virtuosen Sonaten, sondern das fast romantische Opus 90. Fheodoroff gelang es überzeugend, Beethovens Anweisung „Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck“ umzusetzen. Auch hier beeindruckte seine souveräne Ruhe. Die Wirkung der Kontraste und brillanten Passagen kam keineswegs zu kurz. „Nicht zu geschwind und sehr singbar vorgetragen“ steht über dem zweiten Satz. Über das Tempo pflegen die Auffassungen stark zu differieren; Fheodoroff ließ den Gesang innig aufblühen, vermied jedoch romantische Gefühligkeit.

Aus der Sammlung „Harmonies poétiques et religieuses“ von Liszt trug der Pianist die „Bénédiction de Dieu dans la solitude“ vor. Das Stück lag dem Pianisten offenbar besonders gut. Bei aller Beherrschung der technischen Anforderungen ließ er die Musik in ihrer Poesie und Entrücktheit leuchten.

Den Höhepunkt setzte dann Liszts Programmstück „Après une Lecture de Dante. Fantasia quasi Sonata“. Die Danteschen Höllen- und Himmelfahrten vermittelte der Künstler gestalterisch sicher, transparent, höchst expressiv und nie effekthascherisch. Sympathisch waren auch die Zugaben: Schumanns „Träumerei“ und Liszts Bearbeitung von Schuberts „Ständchen“.

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