Bei den Burgfestspielen Dreieichenhain

Maybebop: Wundertüte des Gesangs

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Da waren die Füße noch einigermaßen trocken: Lukas Teske, Jan Malte Bürger, Oliver Gies und Sebastian Schröder von Maybebop.

Dreieichenhain - Maybebop zählen zu den angesagtesten deutschen A-cappella-Formationen. Beim Gastspiel im Dreieichenhainer Burggarten ließ sich das Quartett nicht vom strömenden Regen abhalten - auch die Zuschauer harrten tapfer aus. Von Carsten Müller 

Die Konzerte von Maybebop gleichen einer Wundertüte. Zwar weiß das Publikum ungefähr, was drinnen steckt, aber nicht, was im Laufe eines überaus unterhaltsamen Abends aus diesem Füllhorn des Klangs hervorgezaubert wird. Die A-cappella-Pop-Formation ist spontan und hat ein reichhaltiges Repertoire. Kein Auftritt gleicht dem anderen. So wechseln in den gut zweieinhalb Stunden aktuelle Stücke aus dem neuen Album „Weniger sind mehr“, das auch der Tournee ihren Namen gab, mit einem interaktiven Wunschkonzert und Improvisationen auf Zuruf. Und als Mini-Vorprogramm tritt ein Workshop-Chor auf, der kurz zuvor den Schlager „Eine neue Liebe...“ einstudiert hat, natürlich nach einem Arrangement von Oliver Gies, dem musikalischen Kopf der Gruppe, die in der Sängerszene bestens vernetzt ist. Der Bariton schreibt Arrangements und Kompositionen, die von modernen Chören mit Begeisterung eingeübt werden - Gies und die Seinen geben ihr Können gern an Laien weiter.

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Maybebop-Shows feiern die Leichtigkeit des Schweren. Alles läuft wie am Schnürchen. Ob Rap oder Samba, Reggae oder Volkslied, die Choreografien des tanzenden, schauspielernden und singenden Ensembles sitzen so perfekt wie die Stücke, etwa die gewitzte Uptempo-Nummer „Weniger sind mehr“, der zum coolen Crooner-Song gewendete Hit „Happy (Snap Along)“ von Pharrell Williams, die Clash-Komödie „Fahrgefühl“, in der Yuppie und Öko zusammenfinden, eine Vertonung von Goethes „Erlkönig“ oder die mit viel schauspielerischem Einsatz dargebotene Liebesschnulze „Nimm mich mit“.

Harmoniegesang in ausgefeilten Arrangements und manchmal nachdenkliche, gelegentlich kritische, meist humorvolle Texte sind Markenzeichen der Nordlichter, die auch mal die Rampensau rauslassen. Etwa wenn Gies sich zum Wunsch-Hit „Panzerfahrn“ die Kleider vom Leib reißt, Lukas Teske vor seinem Vocal-Percussion-Solo von einer entbehrungsreichen Jugend kalauert oder Countertenor Jan Malte Bürger um den „Gummibaum“ herumprollt. Und bei der obligatorischen Improvisation auf Publikumszuruf bringt Gies sogar den Bandwurm-Begriff „Holzhackschnitzelheizkraftwerk“ unter.

Auftakt der Burgfestspiele 2014

Auftakt der Burgfestspiele 2014

Pathos haben die Vier gleichfalls im Gepäck: Die Night of the Proms“-Hymne „Music“ wird ebenso andächtig zelebriert wie der „König in Thule“, den Bassist Sebastian Schröder in tiefste Tiefen treibt. Stimmungsvoll auch das Duett mit Zuschauer Patrick, der sich per E-Mail beworben hatte, um mit der Unterstützung von Maybebop den von Gary Jules recycelten Tears-For-Fears-Hit „Mad World“ zum Besten zu geben.

Maybebop sind nah am Publikum, und das Publikum ist nah bei Maybebop. Diese Verbindung kann selbst ein Gewitter nicht erschüttern, das sich pünktlich zu Konzertbeginn über dem Burggraben entlädt und erst im zweiten Teil des Programms nachlässt. Freilich hätte eine Unterbrechung dem Abend gut getan - und der Stimmung keinen Abbruch.

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