Aalglattes Handwerk

Frankfurt - Juli gehören zusammen mit Silbermond, Christina Stürmer und Wir sind Helden zu einer Reihe von Bands und Musikern, die in deutscher Sprache in den deutschen Hitparaden zu reüssieren vermochten und allesamt eine Frau im Zentrum stehen haben. Von Stefan Michalzik

Dem Schlagerpop des Gießener Quintetts, das in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle gastierte, ist eine musikalische wie textliche Seichtigkeit zu bescheinigen, angesichts derer die Vorväter Maffay, Grönemeyer und Westernhagen fast wie waschechte Rocker mit anspruchsvoller Lyrik dastehen.

Die Musik der Band um Sängerin Eva Briegel, die mit den beiden Gitarristen Jonas Pfetzig und Simon Triebel auch das Schreiberische besorgt, ist harmonisch aalglatt konstruiert. Reines Handwerk, bar jeder Originalität, fern einer individuellen Ausdruckskraft. Spannend ist immer das Außergewöhnliche, die Abweichung. Doch genau das eben ist nicht gewollt. „Wir sind wie Maschinen. Wir müssen funktionieren“: Derlei wird im kritischen Impetus gesungen, derweil die Ästhetik präzis dem scheinbar gegeißelten Prinzip entspricht.

Das vor wenigen Monaten herausgekommene Album „In Love“, aus dem in Vermischung mit Hitnummern wie der auf das Jahr 2004 zurückgehenden Debütsingle „Die perfekte Welle“ ein Gutteil des Konzertrepertoires gespeist ist, handelt vor allem vom Scheitern der Liebe. Mit dem Resultat eines höheren Balladenanteils. Die Nummer „Süchtig“ hat Eva Briegel all jenen gewidmet, die in Ermangelung eines Babysitters in jüngerer Zeit keine Klubkonzerte besuchen konnten. Das klingt fast wie ein Beitrag zur aktuellen Mutterschaftsdebatte im Lande. Was die deutsche Sprache anbelangt, haben Juli bekundet, dass sie eine Belobigung für deren Gebrauch merkwürdig finden. Damit sind sie auf Distanz zu den Verfechtern einer Deutschquote gegangen. Das ehrt sie.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare