„ABBA The Show“ in Festhalle

Nostalgie unter der Discokugel

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Katja Nord und Camilla Hedrén kommen dem Original stimmlich sehr nahe - die Kostüme sind nachgeschneidert.

Frankfurt - Eine Discokugel findet man heute nur noch selten in den Clubs der Großstädte. Bei „ABBA The Show“ in Frankfurts Festhalle hängt ein recht großes Exemplar über der Bühne. Bloß bemerkt man sie während des gut zweistündigen Konzerts kaum. Von Thomas Ungeheuer

Vielleicht gilt sie auch mehr als glitzerndes Maskottchen für die dreißig Musiker, die mit spürbarer Freude über zwanzig Songs jenes Pop-Quartetts interpretieren, dessen Mitglieder in Schweden als Nationalhelden gefeiert werden. Natürlich durchweht ein nostalgisch wärmender Wind die Festhalle, wenn Camilla Hedrén als Agnetha Fältskog und Katja Nord als Anne-Frid „Frida“ Lyngstad auftreten. Schließlich tragen und wechseln die Sängerinnen einige recht schrille Kostüme, die originalgetreu denen nachgeschneidert sind, die Kostümdesigner Owe Sandström in den 1970ern und frühen 1980ern exklusiv für ABBA entworfen hatte. Allzu modern darf denn auch die Lichtshow nicht geraten, während Camilla Hedrén und Katja Nord zu Liedern wie „Honey Honey“, „Summer Night City“ oder „Knowing Me, Knowing You“ über die Bühne tanzen - wie es ihre Idole einst in hochhackigen Schuhen taten.

Allerdings gibt es eine Neuerung: Hinter den Musikern des „National Symphony Orchestra Of London“ und der Begleitband „Waterloo“ befinden sich mehrere große LED-Leinwände, auf denen allerlei bunte Muster und abstrakte Farbfelder erscheinen. Einmal, bei „Money, Money, Money“, sieht man sogar die Gesichter von Camilla Hedrén und Katja Nord in Großaufnahme, wenn sie in einem Video-Clip von allerlei Euro-Scheinen überschwemmt werden. In solchen Momenten schwindet die Illusion. Mögen die Stimmen von Hedrén und Nord den Pop-Ikonen erstaunlich nah kommen - ihr Erscheinungsbild, vor allem das von Nord, ist es nicht mehr. Den Reiz dieser an sich herausragenden Show schmälert das nicht. Eher schon die blechern klingende Akustik der Festhalle. Wer die Show in der Jahrhunderthalle erlebt hat, weiß welch volle und harmonische Klangbilder das Orchester, die Band und deren Sängerinnen zaubern können.

Eröffnung des ABBA-Museums in Stockholm

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Gern übt das Publikum bei „Mamma Mia“ den „Schwedischen Fingertanz“, singt bei „Fernando“ den Refrain mit und klatscht dem über 70 Jahre alten Saxophonisten Ulf Andersson begeistert Applaus, wenn er wie damals 1975 im Studio bei „I Do I Do I Do I Do“ sein Solo spielt. Doch erst als die ersten Takte des Ohrwurms „Dancing Queen“ erklingen, erhebt sich das Publikum geschlossen und klatscht ausgelassen im Rhythmus der Musik mit - bis zum letzten, viel sagenden Song: „Thank You For The Music“.