Ein Abend der Entdeckungen

Eine Entdeckung stand am Anfang des Klavierabends von Guzal Enikeeva in der Stadtbücherei Ober-Roden. Zu Beginn ihres Konzerts bei der Musikgemeinde Rödermark führte die aus Tadschikistan stammende junge Pianistin ein lange vergessenes Jugendwerk von Richard Strauss auf. Von Axel Zibulski

Dass jene „14 Improvisationen und Fuge“, die Strauss dem Dirigenten Hans von Bülow zugeeignet hat, von recht äußerlicher Virtuosität sind, sollte zwar nicht verschwiegen werden – allerdings war der Einsatz der Pianistin für das erst 2006 von Denys Proshayev in der Strauss-Stadt Garmisch-Partenkirchen uraufgeführte Werk sympathisch.

Gewichtigeres ließ Guzal Enikeeva mit den Fantasiestücken op. 12 von Robert Schumann folgen. Hier zeigte die junge Pianistin eine lyrische Gestaltungskraft mit erstaunlich klarem und prägnantem Tonansatz. Weitgehend dezent ihr Pedaleinsatz, nie verschwommen ihr Legato-Spiel, souverän die technische Gestaltung der acht knappen Klavierstücke.

Den zweiten Teil ihres Programms hatte die in Taschkent und Moskau ausgebildete Pianistin ausschließlich einem bedeutenden Liebespaar der Kulturgeschichte gewidmet. In einer Auswahl von Sergej Prokofjews 10 Stücken aus „Romeo und Julia“ op. 75 zeigte sie, wo nötig, einen markant gehärteten Anschlag. Und die Klavierbearbeitung von Peter Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre „Romeo et Juliette“ fiel so üppig und vollgriffig aus, dass kleinere Stimmungstrübungen des Flügels hier nicht mehr ins Gewicht fielen. Das Publikum begeisterte sich zunehmend für ihr so impulsives wie präzises Spiel; die Zugabe war ein „Lyrisches Stück“ von Edvard Grieg.

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