Abgeklärter Blick nach vorn

Francis International Airport machen extrem viel richtig. Sie wirken fast schon wie Musterknaben. Schadet aber nichts. Von Stefan Michalzik

Die Musik des 2005 von dem Sänger, Gitarristen und Songtexter Markus Zahnradnicek gemeinsam mit seinem Bass spielenden Bruder David in dem kleinen niederösterreichischen Ort Hohenberg gegründeten Quintetts, das im Offenbacher Hafen 2 gastierte, ist ambitioniert. Formbewusstsein scheint der verschworen wirkenden Band freilich keine Last, sondern vielmehr ein Mittel zur Freiheit zu sein.

Die Raffinesse der Arrangements ist bemerkenswert, der Stil ist charakteristisch und eigenständig. Wiedererkennbarkeit des Klangbilds ist gewährleistet, derweil die Band von Song zu Song mit immer neuen Variationen aufwartet. Zu Beginn des Offenbacher Konzerts präsentiert sie sich als reine Gitarrenband.

Mal sorgt das afrikanische Lamellophon Mbira für einen durchaus nicht ethnomusikalischen Farbtupfer. Dann wieder begleitet sich Markus Zahnradnicek für einen Song auf der Mandoline. Abgesehen vom Schlagzeuger Manuel Riegler spielt jeder Musiker auch Keyboards. Bisweilen meint man es gar mit einer veritablen Synthiepopband zu tun zu haben.

Keinen Platz für das improvisatorische Moment

In Wirklichkeit aber schließen Francis International Airport in freigeistiger Weise an den Artrock der 70er Jahre an. So versiert ihre Musik auch sein mag, ertüftelt mutet sie nicht an. Nichts scheint dem Zufall überlassen, das improvisatorische Moment hat keinen Platz. Auch das im Oktober vergangenen Jahres vorgelegte Album „In The Woods“, das zweite nach dem Debüt „We Are Jealous. We Are Glass“ von 2008, ist stäubchenfrei sauber produziert.

Unterkühltheit ist Francis International Airport indes weder mit Blick auf den Liveauftritt noch hinsichtlich der Studioproduktion zu bescheinigen. Sinnlichkeit und durchdachte Strukturen, pulsierende Rockrhythmen mit funky Unterströmungen fließen mit den geschliffenen Arrangements zu einer Einheit zusammen. Die hohe, bisweilen von Harmoniegesängen flankierte Stimme des Sängers Markus Zahnradnicek vermittelt eine gewisse Melancholie, die von ernstlicher Schwere frei ist und stattdessen souverän und abgeklärt wirkt.

Francis International Airport bauen zwar auf Errungenschaften pophistorischer Vorbilder. Doch sie agieren unabhängig von ihnen. Diese Musik verweist nicht unmittelbar auf die Zukunft – auf die Vergangenheit ist die Blickrichtung aber gewiss nicht fixiert!

Rubriklistenbild: © Paul-Georg Meister/pixelio.de

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