Abschied vom Winter

Offenbach - Die Classic Lounge im Offenbacher Capitol widerstand dem Diktat des Karnevals und entführte ihr Publikum mit einer Uraufführung in den Frühling, zum japanischen Kirschblütenfest. Patrik Bishay, für die Neue Philharmonie Hauskomponist, hatte eine „Kirschblütensonate“ für Chor, Licht, Wasser und Orchester komponiert. Von Eva Schumann

Die vier Sätze spiegeln den Jahreslauf und zugleich die Lebensalter wider. Beginnend mit dem Sakuralied für die Kirschblüte, werden japanische Haikus und andere Gedichte gesungen. Zu den „Gräsern des Sommers“ fügt sich in einem Allegro-Satz Goethes „Ganymed“. Den Herbstabend charakterisiert ein Gedicht von Dagmar Scherf. „The Wild Iris“ von Louise Glueck spricht vom Tod und knüpft musikalisch an den Adagio-Beginn an. Bishay vereint fernöstliche mit westlichen Klangfarben und findet eindrucksvolle Metaphern. Hauchige Klänge, Flüstern des Chores malen die Entstehung des Lebens. Vielstimmigkeit wächst, aus der sich eine Kantilene erhebt. Wasser strömt aus einem Brunnen, blaues Licht mischt sich ein.

Die Sopranpartien schienen Shen Shen und Kaili Hsin auf den Leib geschrieben. Judith Bernings warmer Alt bezauberte unter anderem beim Sakuralied und harmonierte in den Ensembles mit dem Alt von Dorothea Martin. Der Kammerchor der Marienschule (Einstudierung: Brigitte Rudin) und der Projektchor (Einstudierung: Bishay) glänzten mit sauberer Tongebung und feiner Dynamik. Das Orchester meisterte die differenzierten Techniken vom Flageolett über Glissandi bis zur Viertelton-Stimmung und tonlosen Anblasgeräuschen. Wolfgang Wengenroth war unerschütterlicher Herrscher über das komplexe Ensemble. Puccinis Inspiration durch fernöstliche Musik demonstrierten Kostproben aus „Madame Butterfly“ und „Turandot“. Wojtek Alicca sang die Tenor-Arien „Addio, fiorito asil“ und „Nessun dorma“.

Das Programm eingeleitet hatte die sinfonische Dichtung „Gloriosa“ von Yashude Ito, auch sie deutschem Publikum noch unbekannt. Ito greift auf gregorianische Gesänge zurück, wie sie von christlichen Gemeinden in Japan an die Landeskultur angepasst wurden. Die Oratio „O gloriosa domina“, der Mittelsatz „Cantus“ und das Finale „Dies festus“ sind faszinierende Metamorphosen, überzeugend gestaltet vom Ensemble „Spessart Spectacular Voices“ (Einstudierung: Alexander Franz).

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