Rücktritt im Rockschritt

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Nun ist Schluss: Mit dem 17. Studioalbum „Sting In The Tail“ reisen die fünf Veteranen zwei Jahre lang um die Welt, bevor sie in Pension gehen.

Seit 30 Jahren gelten die Scorpions als deutscher Exportschlager in Sachen Hard Rock. Selbst Rammsteins und Tokyo Hotels weltweite Erfolge verblassen angesichts der verkauften Tonträger, Auszeichnungen und Konzerte. Von Ferdinand Rathke

Nun ist Schluss: Mit dem 17. Studioalbum „Sting In The Tail“ reisen die fünf Veteranen zwei Jahre lang um die Welt, bevor sie in Pension gehen. Einen Rücktritt vom Rücktritt soll es nicht geben, betont Sänger Klaus Meine. Futuristische Kulisse mit drei riesigen Projektionsflächen, monumentalen Aufbauten und hydraulisch steuerbarem Quader, der das Schlagzeug trägt: Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt.

Dann gehen in der ausverkauften Frankfurter Festhalle die Deckenlichter aus, fährt die Anlage hoch, aus dem Boden sprühen meterhohe Flammen. Auf der Leinwand flimmern grobkörnige Impressionen von Festivals aus vergangenen Zeiten, ziehen Düsenjäger durch die Luft, einzelne Mitglieder der Scorpions sind andere als heute.

Mehr Fotos vom Scorpions-Auftritt in Frankfurt:

Scorpions auf Abschiedstournee

Wie von Zauberhand gibt die Bühne den Blick auf die Originale frei: Sänger Klaus Meine, Bassist Pawel Maciwoda, Schlagzeuger James Kottak sowie die Gitarristen Rudolf Schenker und Matthias Jabs starten von 0 auf 100 mit dem Titelsong von „Sting In The Tail“.

Was in zwei Stunden folgt ist ein atemberaubend üppiger Querschnitt durchs Repertoire, der jene interessante Entwicklungsphase ausspart, als die Scorpions erst im Gespann mit Rudolfs Bruder Michael, danach mit Uli Roth ein stilistisch noch nicht so griffiges Konzept wie in den 80er und 90er Jahre verfolgten. Textsicher singt das Publikum mit, wenn Klassiker wie „Loving You Sunday Morning“, „Is There Anybody There? oder „The Zoo“ hämmern.

Pfeil- und rautenförmige Gitarren der Marke Gibson dröhnen wie Donnerhall, prasseln hart und präzise mit „Raised On Rock“, „Are You Ready To Rock?“ und „The Good Die Young“ auf das Auditorium hernieder. Unterbrochen von Balladen mit sentimentaler Aussage wie „Holiday“, „Send Me An Angel“ oder „Still Loving You“. Würden in Konzerten noch Feuerzeuge statt Handys und Kameras hoch gehalten, wäre wohl der Moment gekommen.

Energie von Zehnkämpfern

Kaum zu glauben, dass die Formation aus Hannover ihr 45-Jahre-Jubiläum feiert. So scheinbar spurlos sind Dekaden an den Pionieren vorüber gezogen. Ein paar Haare weniger, doch lässt sich die hohe Stirn mit Kappe oder Mütze kaschieren. Noch immer hauteng die Kluft aus Leder und Jeans. Rank, schlank, drahtig und agil präsentieren sich die Jungs.

Mit der Energie von Zehnkämpfern toben sich Meine und Schenker (61) aus. Hastig vermessen sie die Bühne, nehmen immer wieder Anlauf auf den Steg. Meine wirft Drumsticks ins Publikum, derweil Maciwoda und Kottak Druck machen. Ein Schlagzeugsolo gönnt sich der Amerikaner, während ein Film abgespult wird, der alle LP-Cover parodiert. Tränen stehen Band wie Publikum dann in den Augen, als mit „Winds Of Change“ und „Rock You Like A Hurricane“ das Finale kommt...

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