„The Sound of Classic Motown“ begeistert im Hanauer Amphitheater

Abstecher nach Detroit

Hanau - Wenn fast fünfzig Jahre nach dem Hit der Supremes die Frage „Where Did Our Love Go?“ in der Tribute Show „The Sound of Classic Motown“ gestellt wird, kennt zwar noch immer keiner im beschwingten Publikum die passende Antwort. Aber das stört nicht. Von Thomas Ungeheuer 

Denn schließlich glitzern die Kleider der drei jungen und famosen Sängerinnen, die dieses Lied vortragen, ganz wunderbar glamourös. Zudem klingt der Sound der zehnköpfigen Band so satt, voll, erfrischend und schwungvoll, dass es die Leute im fast ausverkauften Hanauer Amphitheater von den Sitzen reißt. Es wird nicht nur im Takt der Musik geklatscht, sondern: getanzt!.

Ja, die treuen Freunde von anspruchsvoller Soul-Musik haben sichtbaren Spaß an der Show, die mit insgesamt 23 Künstlern auf der Bühne, einen spannenden Streifzug durch die goldene Ära der legendären Plattenfirma „Motown“ unternimmt. Mit 800 geliehenen Dollar hatte sie 1959 der schwarze Profiboxer Berry Gordy Jr. in Detroit gegründet und die ersten Stücke in einer Garage aufgenommen.

Spezieller, unverkennbarer Studio-Sound

Der sehr spezielle, unverkennbare Studio-Sound, der zwischen 1961 bis 1971 zur Perfektion entwickelt wurde, ist live natürlich von keinem Künstler und Tontechniker absolut authentisch zu erreichen. Aber das ist sowieso nicht notwendig. Schließlich vermag beispielsweise ein begabter Sänger wie Derrick Alexander der ausdrucksstarken Stimme von Stevie Wonder ohnehin schon recht nahe zu kommen. So schmerzt es auch kaum, dass die Keyboards von Fernando Drazza und Michael Webb bei dessen Song „Superstition“ nicht so „funky“ und knackig klingen wie im legendären Original.

Ansonsten sorgt der musikalische Leiter Michael Webb dafür, dass Songs wie „My Guy“ von Mary Wells, „What Becomes Of The Broken Hearted“ von den Temptations oder „Heard It Through The Grapevine“ von Gladys Knight & The Pips ihren ursprünglichen Charme und ihre bemerkenswerte Kraft behalten. Treibende Bässe, strahlende Bläser, volle Keyboardsounds, knackige Drums und Perkussion sowie pointierte Gitarrenklänge sind zu hören. Seichte oder gar verkitscht nostalgisch Anklänge gibt es nicht auf die neugierig gespitzten Ohren, sondern Soul vom Feinsten.

„Meine Damen und Herren - are you happy?“ So heißt die Frage in dem temporeichen Geschehen auf der Hanauer Zeltbühne. Nur überzeugte Miesepeter würden verneinen. Denn keineswegs steht die perfekte Illusion im Vordergrund der Tribute Show, sondern die perfekte Interpretation von Hits, deren Melodien selbst nach Jahrzehnten überaus reizvoll klingen. Dabei geizt die von Frank Riley moderierte Show auch visuell nicht an Reizen. Wiederkehrend wechseln die sechs Sängerinnen und sechs Sänger ihre Kostüme und schlüpfen mit ihnen auch in neue Rollen. Beleuchtet von stimmungsvollem Scheinwerferlicht gehen die Künstler gern ein Stück weit ins Publikum hinein. Mitunter tanzen sie dort sogar im Stil der Idole von einst.

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

So passt denn auch „Dancing In The Street“ von Martha Reeves & the Vandellas ganz vorzüglich ins Programm. Dass hier „Papa Was A Rolling Stone“ von den Temptations trotz des bitteren Textes viel gute Laune versprüht, befremdet vielleicht zunächst etwas - spiegelt aber letztlich nur den Geist von „The Sound of Classic Motown“ wider. Am 18. Januar 2015 ist die kurzweilige Soul-Show in der Frankfurter Jahrhunderthalle zu sehen. Auf diesen Termin freuen sich vielleicht nicht nur jene Zuschauer, die jetzt im Amphitheater einen beglückenden Konzertabend erlebt haben.

Rubriklistenbild: © Archiv: Kögel

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare